Oechelhäuser, Adolf von ; Kraus, Franz Xaver [Hrsg.]
Die Kunstdenkmäler des Grossherzogthums Baden (Band 8,2): Die Kunstdenkmäler des Amtsbezirks Heidelberg (Kreis Heidelberg) — Tübingen, 1913

Seite: 357
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AMT HEIDELBERG - HEIDELBERG 357

Auf der sich nach der Hauptstraße hin platzartig anschließenden Erweiterung der
Grabengasse erhebt sich dicht an der Hauptstraße ein Brunnen, dessen Säule einen 1
springenden Pfärzer Löwen mit Krone und Zepter in den Pranken trägt. Jahreszahl 1712
an der Sockelplatte. Säule und Becken stammen aus dem Schluß des 18. Jhs. und
lehnten sich früher, wie unsere Abbildung Hg. 67 zeigt, an eine kleine Baulichkeit
(Wachfiokal?) an.

Die Vorstadt besaß außer dem Zimmerplatz am Neckar keine Plätze. Erst in
neuerer Zeit ist nördlich an der Leopoldstraße der Wredeplatz entstanden (mit dem w
Standbilde des i. J. 1838 verstorbenen bayerischen Marschalls Fürsten Wrede, eines
geborenen Heidelbergers, s. oben S. 330), einst das »Arboretum«, der Botanische Garten
des Professors Gattenhof (5. oben S. 196).

Die Neuenheimer Vorstadt

Das auf dem rechten Ufer des Neckars gelegene, seit dem Jahre 1891 mit Heidel-
berg vereinigte ehemalige Dorf Neuenheim hat seinen altertümlichen Charakter völlig
eingebüßt Wie wir gesehen haben (oben S. 82 ff. und 86 ff.), handelt es sich hier um
eine uralte Ansiedhing, deren Bewohner: Kelten, Germanen, Römer, Franken, Ale-
mannen etc., jeweils bedeutsame Spuren hinterlassen haben.

Den Mittelpunkt des mittelalterlichen Dörfleins bildete die an der Ladeuburger
Siraße gelegene Kirche, die i. J. 1137 von Bischof Buggo von Worms geweiht und ^j
m gotischer Zeit durch einen Neubau ersetzt worden war, von dem nur der Chor und
der seitlich neben dem Chor stehende Turm das Unglücksjahr 1693 überstanden haben.
Das zu Beginn des 18. Jbs. neu errichtete dürftige Langhaus ist i. J. 1906 wieder ab-
gerissen, gleichzeitig der anliegende Kirchhof zum Marktplatz umgewandelt worden.
Ein Bild des ehemaligen Kirchleins gibt unsere Fig. 245. Jetzt stehen hiervon nur
noch der Turm mit seinen zwei- und dreigeteilten gotischen Nasenfenstern in der
Glockenstube und der südlich anschließende, flach gedeckte ehemalige Chorraum,
dessen Fenstergewände aus der Zeit Ludwigs V. (1508 bis 1544) stammen dürften.
Der ehemalige spitzbogige Triumphbogen ist rundbogig erneuert worden. Von den
beiden Glocken für die reformierte Gemeinde war die eine i. J. 1729 von Blasius Sattler
m Mannheim, die andere i. J. 1772 von Anselm Frantz Speck in Heidelberg gegossen.

Von den Häusern der jetzigen Neuenheimer Vorstadt erinnern nj^r wenige ein- Alter,
stückige Hütten noch an das nach der Einäscherung von 1693 offenbar recht dürftig
wieder aufgebaute alte Gemeinwesen. Die Erinnerung an den ehemaligen Besitz der
Schönauer Mönche im Orte hält der sogenannte »Mönchhof« am Ende der Brücken-
strafie fest, der bis vor kurzem ein malerisches, mit älteren Baulichkeiten umgebenes
■uidliches Anwesen darstellte, vor einigen Jahren aber ebenfalls den modernen Verkehrs-
ni(:ksichten und Bauplänen fast völlig zum Opfer gefallen ist (s. Mannh. Geschichtsbl.
^04 S. 156 und 1905 S. 177). Am ehemaligen Hoftorschlußstein steht die Jahreszahl
1 j&6 mit den Initialen H T M P, das anschließende kleine Wohnhaus trägt die Jahres-
zahlen 1725 und 1726. Gegenüber ein Haus von 1749 mit einem Hoftor daneben
von I76i.

Das sogenannte »Lutherhaus«, das an der Stelle der neuen protestantischen
rclle stand, war eine »elende Herberge« (s. oben S. 226). Es befanden sich Jahres-
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