Leo Schidlof's Kunstauktionshaus <Wien; Paris> [Editor]
Antiquitäten, Ölgemälde alter und neuerer Meister, Aquarelle, Miniaturen, Kupferstiche usw. aus Wiener und auswärtigem Privatbesitz; Versteigerung 23. April 1917 und die darauffolgenden Tage: Versteigerung Montag den 21. und Dienstag den 22. Oktober 1918 (Katalog Nr. 36) — Wien, 1917

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36. KUNST-AUKTION VON ALBERT KENDE, WIEN.

LUCAS CRANACH D. AE.
Geb. in Kronach 1472, gest. in Weimar 1553.

1256 Bildnis Friedrich III. des Weisen, Kurfürst und Herzog von Sachsen, Brustbild, in
schwarzem, pelzverbrämten Gewände. Das Haupt, mit grauem, fast weißen Haar und
Bart, bedeckt von einem schwarzen Barett, ist nach links gewendet. Hellgrüner
Hintergrund.

öl. Holz. Bezeichnet: Liegende Schlange (das bekannte Zeichen des Meisters) und die Jahreszahl 1532.

Höhe 20-5, Breite 14 cm.

Unterhalb des Porträts ein alter, gebräunter Holzschnittext aufgeklebt, mit dem
folgenden Gedicht:

Fridrich bin ich billich genand,

Schönen frid ich erhielt im Land

Durch gros Vernunft geduld und glück

Widder manchen erzbösen tück.

Das Land ich zieret mit geben

Und Stifft eine hohe Schul auffs new.

In Wittenberg im Sachssenland

Inn der Welt die ward bekand

Denn aus derseib kam Gottes Wort

Und thet gros Ding an manchem Ort

Das Bepstlich Reich störtzt es nidder

Und bracht rechten Glauben widder.

Zum Kaiser ward erkorn ich

Des mein Alter beschweret sich

Dafür ich Kaisar Carl erweit

Von dem mich nicht wand gonst noch gelt.

Oben rechts ebenfalls ein Ausschnitt aus demselben Holzschnitt, mit folgendem
Text: Fridrich der Gute /Churfürst und Herzog zu Sachsse n. Auf
der Rückseite das Wappen des Kurfürsten in altem, kolorierten Holzschnitt.—

Vorzügliches Werk des Meisters, das nach dem Tode des Kurfürsten, dessen Hofmaler Cranach
war, wohl auf Bestellung seines Nachfolgers Johann Friedrich des Großmütigen, während seiner und
des Künstlers Gefangenschaft in Augsburg, entstanden ist. Später kam das Bild nach West-Böhmen
in den Besitz einer deutschen Patrizierfamilie, wo es seither verblieb. Das vortrefflich erhaltene Bild,
das den weißen Malgrund Cranachs zeigt, ist von Übermalungen fast gänzlich frei. Von Autoritäten
geprüft und für unbedingt authentisch erklärt, ist dies ein Kunstwerk, das vermöge seiner hervor-
ragenden Qualitäten jeder Galerie zur besonderen Zierde gereichen würde.

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