Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Der künftige Münchener „Salon". Lin Votum des Herausgebers

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Das ShakesxrÄrrlheÄkrr in London, von Gustav Klimt
K. K. Hofburgtheater in Wien

der Kunstwerke besorgt, schon schwer betroffenen Kunsthandels. Der letztere hat aber nicht am wenigsten bei-
getragen, die Münchener Kunst zu ihrer jetzigen Blüte zu bringen und es ist grober Undank, dies zu leugnen.
Nun würde man ihm gar in der Ausstellung einen Konkurrenten an die Seite setzen, der umso übermächtiger
ist, als er wunderbarerweise nicht nur zu keiner Steuer herangezogen wird, selbst wenn er eine Million um-
setzt, sondern der auch noch vom Staat subventioniert wird, der überdies gar kein Risiko hat, da ihm nichts

aus dem Lager bleibt, wie den Kunsthändlern, weil er die Krebse den Malern überläßt, und der dann für seine

Verkäuse noch zehn Prozent Reingewinn einstreicht, womit jeder Kunsthändler gar sehr zufrieden wäre. — Doch
er verwendet von diesen zehn Prozent fünf für die Transportkosten, sagt man. Ja, um sie den fremden
Künstlern zu vergüten, die ihrerseits nicht daran denken, uns die gleichen Vorteile bei sich einzuränmen, wenn
wir sie mit unsrem Gelde in den Stand setzen, uns hier auf unsrem eignen Markt eine Konkurrenz zu machen,
die bei der bedientenhaften Vorliebe der Deutschen für alles Fremde gefährlich genug ist, wie man der heurigen
Verkaufsliste leicht entnehmen kann. Sehen wir es doch täglich an vielen Künstlern selber, wie ihnen oft alle
Selbstachtung und alle Kritik ausgehen vor dem Neuen und Fremden, um der unsinnigsten Überschätzung Platz
zu machen! — Wie der Kunstverein und der Kunsthandel, so würde aber auch die für so viele Künstler über-
aus wohlthätige Lokal-Kunstausstellung durch unser Projekt schwer geschädigt, wenn nicht unmöglich gemacht
werden. Man sieht also, es stehen den etwaigen Vorteilen doch auch recht erhebliche Nachteile gegenüber.

Wir kommen nun zu der Möglichkeit der Ausführung unsres Projekts. Da fällt einem denn zuerst
ein, daß es jedenfalls einen Verzicht Berlins und Wiens auf ihre Ausstellungen zu Gunsten Münchens voraus-
setzt, zu dem diese sich ganz sicher nie verstehen werden, wie wir ja Heuer schon erfahren haben, nachdem wir

doch fünf Jahre gewartet. Wir haben die Nachteile davon schwer genug empfunden, wo Berlin ganz unbedeutend,
Wien gut, aber schwach, und selbst Düsseldorf sehr lückenhaft, wenn auch hochachtbar, auf unsrer Ausstellung
vertreten sind, ja von Auswärtigen eigentlich nur Karlsruhe glänzend ausgestellt hat.

Aus allen diesen Gründen, vorab aber, weil wir es für sehr wünschenswert halten, daß eine möglichst
vollkommene, deutschnationale jährliche Ausstellung wirklich zu stände komme, möchten wir daher einen neuen
Vorschlag machen für die Ausführung unsres Projekts. Nämlich den, daß sich München mit Berlin und even-
tuell auch mit Wien dahin verständigte, diesen „Salon" alternierend abzuhalten, womit allen drei Städten
geholfen würde, da dann sein Gelingen jedesmal gesichert und zugleich den einheimischen Künstlern die Auf-
regung und Unruhe einer alljährlichen Ausstellung auf ein Drittel, resp. die Hälfte, reduziert wäre. — Davon
dürfte man sich in Berlin doch allmählich überzeugt haben, daß man vorläufig gar keine Aussicht besitze, den
Sitz der deutschen Kunst von der Isar an die Spree zu verpflanzen und so wird man denn zu solchem für
beide Teile vorteilhaften Vergleich wohl geneigt sein. Ob unsre österreichischen Brüder in der Lage sein würden,
sich dem anzuschließen, können wir weniger beurteilen, hoffen es aber in ihrem eignen Interesse. Für unser
München hielten wir jedenfalls eine zwei- oder selbst dreijährige Ausstellung für unbedingt vorteilhafter, als
eine einjährige ohne den Beistand von Berlin und Wien, dessen Ausbleiben sie notwendig bald auf das Niveau
der heurigen Berliner Herabdrücken, ihr also den allgemeinen deutschen Charakter, um den es sich vor allem
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