Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Adolf Mberländer. von Adolf Bayerdorfer

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Ein „Rrthrl". von Adolf (Oberländer

hierin Besserung brachte und ihn mit neuer Schaffensfreude erfüllte. Seit dieser Zeit nun haben wir du
zahlreichen meisterlichen, alle Welt mit Gaudium erfüllenden prächtigen Blätter des Künstlers, und wenige
Leser und Freunde der „Fliegenden Blätter" mag es heute auf dem weiten Erdenrunde geben, welche am
Ankunftstage der Zeitung sie nicht mit der Begierde eröffnen würden, zu sehen, ob ein „Oberländer"
darin sei. Er überrascht immer und auch im Kleinsten bleibt er selbständig und merkwürdig. Seine schnell
berühmt gewordene Folge „Der Kuß", worin er die Art hervorragender Kunstgenossen mit einer phänome-
nalen Treffsicherheit persiflierte — wir geben heute Rethel und Genelli —, der Viehmarkt in Timbuktu und
hundert andere sowohl Einzelblätter wie Folgen bleiben Jedem unvergeßlich, der sie einmal gesehen. Sein
größtes Meisterstück aber hat er wohl geschaffen in den Randzeichnungen aus dem Schreibhefte des Knaben
Moritz, in denen er seine ganze Stärke der künstlerischen Anschauung in dem scheinbar hilflosen Stil der Kinder-
zeichnung zum Ausdruck bringt. Ein genialer Schlingel, der Moritz.

Wenn wir heute auf Oberländers 25jährige Thätigkeit zurückblicken und die unerlahmte Kraft der
Phantasie, welcher stets neue humorvolle Schöpfungen entquellen, bewundern, so können wir aus unsrer eigenen
durch zwei Jahrzehnte unvermindert gebliebenen Freude an seinem Werk den sicheren Schluß ziehen, daß er
der Anerkennung auch einer späten Nachwelt sicher sei wie Wenige. Denn nur die Kunst besteht.*)

*) Die diesem Heft beigegebenen Illustrationen von Oberländers Hand entstammen den „Fliegenden Blättern" resp. dem
„Oberländer-Album". Wir verdanken die Möglichkeit der überreichen Illustration dem liebenswürdigen Entgegenkommen der Ver-
leger der „Fliegenden", der Herren Braun L Schneider. Das „verkommene Genie", entnommen dem „Hausschatz" hat uns-
Herr Fr. Pustet in Regensburg freundlichst überlassen. Die Redaktion der „K. f. A."
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