Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Personal- und Ateliernachrichten

davon zu geben, was die Düsseldorfer Schule aus
künstlerischem Gebiete zu leisten im stände sei. In ver-
hältnismäßig sehr kurzer Zeit gelangte dieser Plan durch
die am 15. Dezember 1888 eröffnete Ausstellung in der
Kunsthalle zu einer Ausführung, die den an sie gestellten
Erwartungen in reichlichem Maße gerecht wird.

Beiin Eintritt schon fühlt der Beschauer sich auf
das Angenehmste angeheimelt durch das glückliche und
geschickte Arrangement der Ausstellung. Man sieht auf
den ersten Blick, daß hier mit wohlerwogener Wahl ein
feiner künstlerischer Geschmack gewaltet hat. Hier bleibt
die peinliche Empfindung ferne, welche bei so mancher
modernen Kunstausstellung den Eintretenden überfällt mit
dem Gedanken: „Um Gotteswillen, wie sollst du dich
durch diesen endlosen Wust und Wirrwar durcharbeiten!" —
Es zeigt sich in wohlthuender Weise, daß nicht auf die
Massenhaftigkeit, sondern auf die Güte des Gebotenen
der Hauptwert gelegt worden ist, wodurch man in die
behagliche Einbildung versetzt wird, als wandte man in
dem Salon eines feinsinnigen Kunstliebhabers, wo jedes
einzelne Bild ein besonderes Interesse in Anspruch nimmt,
da es schon vermöge seiner günstigen Plazierung zu einer
eingehenderen Betrachtung auffordert.

Jedenfalls ist dieser erste Versuch einer repräsen-
tivcn „Düsseldorfer Kunstausstellung" ein glänzender An-
fang, der die Unternehmer zu den schönsten Aussichten
für die Zukunft wohl berechtigen kann. Fehlen in dem
Reigen auch noch einige der bekanntesten Namen, so sind
doch die meisten der Koryphäen vertreten und erscheinen
auch nicht alle auf der Höhe ihrer Leistungsfähigkeit,
so doch durchweg mit vorzüglichen Werken. Von den
älteren Meistern hat sich namentlich Fa gerlin mit einem
köstlichen, durch seinen lenchtenden Goldton brilliierenden
Bildchen „Überrascht" wiederum in die erste Linie ge-
stellt; Oswald Achenbach überrascht durch eine äußerst
effektvolle Straßenszene; Dücker bringt ein herrliches
Strandbild. Ganz hervorragend ist L. Bokelmann
vertreten, der außer einem Paar ausgeführter Bilder —
worunter besonders sein „Strike" ein Kunstwerk von
Bedeutung — auch noch eine ganze Reihe sehr inter-
essanter Studien und Skizzen ausstellt. Neben diesen
und vielen andern Namen von altbewährtem Rufe wie
von Gebhardt, Vautier, Gehrts, Roeber, Order,
Rocholl, Brütt, von Bochmann, Kröner, Sohn,
Crola, Munthe, van der Beck, Schweizer, Volk-
hardt, Deiker, und wie sie alle heißen mögen, stellte
sich aber auch eine beträchtliche Reihe von Namen noch
ungewohnten aber umsomehr versprechenden Klanges und
Düsseldorf kann im Hinblick auf diese jungen reich-
begabten Talente mit freudigem Stolze sich sagen, daß
die Zukunft der Jugend gehört. So ist eigentlich das
Hauptbild der Ausstellung, dem auch neidlos der Ehren-
platz eingeräumt wurde, „Die Aufnahme in den Bene-
diktinerorden" von Aloys Fellmann, welches Bild
bereits vor längerer Zeit unter den Ateliernotizen der
„Kunst für Alle" (I, 21 seiner eingehenden Betrachtung
unterzogen wurde; es zeigt neben dem gediegensten Natur-
studium einen fesselnden malerischen Reiz und würde
ohne Zweifel auf jeder Ausstellung einen durchschlagenden
Erfolg erzielen. Mit tüchtigen Arbeiten haben sich außer-
dem W. Petersen, Bachmann, Massau, Kampf,
Kämpfer, Jernberg, Macco und mehrere andre ein-
gefunden, die in eigenartigem Schaffen ein keckes Vorwärts-

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streben bekunden. Auch selbst die Bildhauerei, welcher es
zwar in der Regel schwer wird, die kümmerliche Zag-
haftigkeit des Stiefkindes ganz zu überwinden, tritt dies
mal mit ein paar recht bemerkenswerten Arbeiten auf;
doch bleibt hier immerhin eine lebhaftere Beteiligung
noch zu wünschen.

So darf denn die Düsseldorfer Kunst mit Be-
friedigung auf ein wohlgelungenes Ünternehmen und init
Zuversicht in die Zukunft schauen. O.

Personal- und Kkrlirrnachrichlrn

— Berlin. Der Verein Berliner Künstler ist mit den
Engelschen Erben in Unterhandlungen getreten, um von denselben
das bekannte Krollsche Etablissement im Tiergarten zu erwerben.
Einerseits würde der Verein hierdurch endlich ein eigenes Heim
gewinnen, anderseits aber auch Aussicht erhalten, die Ver-
anstaltung von Ausstellungen übernehmen zu können, was bis-
her dem akademischen Senat allein oblag. Die Münchener und
Wiener Künstlerschaft ist in dieser Beziehung seit Jahren besser
gestellt.

—Ir. Berlin. Der in den weitesten Kreisen durch seine
Werke, insbesondere durch die Pendants „Oedipus und Antigone"
und „Antigone und Jsmene", bekannte Maler Emil Teschen-
dorfs, welcher seit 1877 als Sekretariats-Assistent dem Direktor,
Professor A. v. Werner, in den Berwaltungsgeschäften der aka-
demischen Hochschule für die bildenden Künste assistiert, ist in An-
erkennung seiner Verdienste um diese Anstalt zum „Professor"
ernannt worden.

-- Görlitz. Bereits in voriger Nummer hatten wir mit-
geteilt, daß zu dem Kaiser Wilhelm-Denkmal von dem Kommunal-
landtag der Oberlausitz und der Stadt Görlitz 100,000 M. bewilligt
worden leien. Wir können die Nachricht heute dahin ergänzen,
daß mit der Ausführung Johannes Pfuhl in Berlin be-
auftragt worden ist. Die Gesamtkosten des Monuments werden
auf 150,000 Mk. veranschlagt.

—Ir. Berlin. Der ordentliche Lehrer der akademischen
Hochschule für die bildenden Künste, Genremaler Otto Brause-
wetter hat den Titel eines „Professors" erhalten und dem Hilfs-
lehrer an derselben Anstalt, Maler Ko nrad Boes e sind die Be-
fugnisse eines ordentlichen Lehrers zugesprochen worden.

- München. Für die Bebauung des Jsarquai hat der
Magistrat eine Konkurrenz mit drei Preisen ausgeschrieben. Die
Pläne sind bis zum 1. April 1889 einzureichen, die Preise be-
tragen 1000, 700 und 300 M.

— Basel. Arnold Böcklins Gemälde „Vita somaum
breve" soll von der Stadt Basel für die Kunstsammlung ange-
kauft werden.

—Ir. Berlin. Dem Meisteratelierschüler der Akademie der
Künste, Maler Eugen Hanetzog ist das Stipendium der
Ginsberg-Stistung im Betrage von 2000 M. für das
Jahr 1889 verliehen worden.

— London. In Gegenwart des Prinzen von Wales wurde
am 21. Dezember die Reiterstatue des Herzogs von Wellington
enthüllt. Die Statue des eisernen Herzogs steht auf einem roten
Granitsockel, dessen Ecken vier Figuren der Truppenteile umgeben,
welche die Schlacht bei Waterloo geschlagen haben. A. Böhm
ist der Schöpfer des Denkmals.

— Hanau. In Heft 17 des vorigen Jahrgangs hatten
wir die neun Künstler namhaft gemacht, welche zur Einreichung
von Modellen für das Grimm-Denkmal aufgefordert worden
waren. Heute geben wir die Zusammensetzung der vom preußischen
Kultusminister gewählten fünf Mitglieder der Landeskunstkom-
misfion, welche in das Preisgericht eintreten sollen. Es sind
dies: 1) der Präsident der kgl. Akademie der Künste Professor
Becker, 2) Bildhauer Professor Schaper, 3) Geh. Regierungsrat
Baurat Professor Ende, 4) Bildhauer Professor Albert Wolfs und
5) Geh. Oberregierungsrat Or. Jordan. Für den Fall der
Verhinderung eines dieser Preisrichter ernennt der Kultusminister
Stellvertreter.

— Nördlingen. Professor Wanderer in Nördlingen
hat den Entwurf eines gemalten Fensters für die protestantische
Hauptkirche übernommen. Für dieses Fenster, welches dem An-
denken der beiden ersten deutschen Kaiser gewidmet werden soll,
ist der Betrag von 7000 Mk. ausgeworfen worden.

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