Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Personal- und Ateliernachrichten

Herrenzimmer in spanischem Slil. Entworfen von Aug, Ungethüm jan. in Wien

Aus Interieurs der JubilLums-Gewerbeausstellung Wien 1888, siehe S. 208

Personal- und Alrlirrnschrichkrn

o. 8. Paris. Wir fahren heute in unfern Indiskretionen
bezüglich der sich vorbereitenden Ausstellungen fort. Der Land-
schafter Harpignies, ein vielfach medaillierter Künstler, der eine
Reihe nicht unbedeutender Schüler gebildet hat, wird in die Welt-
ausstellung sieben Bilder u. a. auch seine beiden Arbeiten des
Salons 1887 „Einsamkeit" und „Studie" schicken. In der retro-
spektiven Ausstellung wird er durch ein dem Museum in Mncennes
angehörendes Bild „das Aumance-Thal" und ein Aquarell „Der
?out ckes 3ts. obres", ein Pariser Motiv vertreten sein. In den
Salon wird Herr Harpignies eine „Landschaft in Antikes" und
ein zweites, noch nicht begonnenes Bild schicken. — Bouguereau,
der fruchtbarste der modernen französischen Maler, der, nachdem
er bereits im Jahre 1878 die »dleäsille 6'bouueur« erhalten,
dieses Mal auf keinerlei Preis mehr zu rechnen hat, wird in
die dezennale Ausstellung die höchste erlaubte Zahl der Bilder,
nämlich zehn, schicken. Er hat unter den mehr als 100 Bildern,
die er in den letzten zehn Jahren gemalt, folgende ausgewählt:
„Die Jugend des Bacchus" (Salon 1884), „Die erste Trauer"
(Salon 1838), „Die Badende" (Salon 1888), „Selbstporträt".
„Die Verkündigung" und „Christus seiner Mutter begegnend",
zwei Bilder, mit deren Vollendung er gegenwärtig beschäftigt ist,
und die für die Kirche Sanct Vincent de Paul bestimmt sind,
„Psyche und Amor", „Das Frühlingslied", „Die Jungfrau und
das Jesuskind" und „Die kleine Schmollerin". In die Centenar-
ausstellung schickt Bouguereau: „Die Jungfrau", „Das Jesus-
kind" und der „hl. Johannes der Täufer", die Porträts der ver-
storbenen glücklichen Besitzer des Loa marode, Herrn und Frau
Boucicauts (Salon 1887) und „Die Bacchantin" (Salon 1863).
Im Salon wird er noch eine Madonna und ein Jesuskind und
eine kleine ihre Lektion lernende Bäuerin ausstellen. Gott sei
Dank, doch auch etwas Menschliches! — Jean Paul Laurens
kann in die Weltausstellung nur den „Agitator von Languedoc"
(Salon 1877), den „Papst und den Inquisitor", und das Porträt
des bekannten Schauspielers der Lombäic kranqaise Mounet Sully

geben. Seine übrigen Bilder sind in Amerika. Sein „Papst
Formosus", der dem Museum in Nantes gehört, wird in der
retrospektiven Ausstellung figurieren. Im Salon wird Laurens
den „Codex der Inquisition" ausstellen. — In der Dezennal-
ausstellung werden eine Reihe interessanter Orientbilder des zu früh
verstorbenen Guillaumet figurieren. — Tony Robert-Fleury, ob-
wohl vom Rheuma geplagt, arbeitet für den Salon an einer
„Magdalena", die Aufsehen erregen wird. Er stellt ferner daselbst
ein Porträt aus. In der Weltausstellung wird er das Bild
seines Vaters, eine „Leda", das im vorigen Salon ausgestellte
Bild des Sohnes der Sarah Bernhardt, ferner den „Vauban",
der dem Museum zu Belfort gehört und einen für die Luxem-
bourg gemalten Plafond haben, der noch nicht aufgehängt ist.
In die retrospektive Ausstellung schickt Fleury: „Die Polen". —
Raffaelli, einer der kecksten der modernen Schule, wird im Salon
das Porträt zweier junger Mädchen, in der retrospektiven Aus-
stellung „Die Familie Johann des Lahmen", „Die beiden Alten",
„Bürgermeister und Stadtrat" und zwei Zeichnungen; in der
Dezennalausstellung das Porträt Goncourts, „ein schöner Mor-
gen", „Mittag", „Zermaine bei der Toilette", einen „trinkenden
Schmid", und „Sonntag im Wirtshause" haben. — Cormon
wird mit zwei Porträts im Salon, in der Dezennalausstellung
mit seinem sensationellen Bilde „Aus der Steinzeit" (Salon 1884),
mit einer „Blumenstudie" (Salon 1881), mit „Dem Frühstück
der Freunde" (Salon 1885), mit seinem „Kain" und den „Siegern
von Salamis", welch' letztere beide im Luxembourg hängen, ver-
treten sein.

Cormon hat auffallenderweise bis jetzt nur eine Medaille
dritter Klasse erhalten, obwohl seine „Sieger von Salamis", ein
Bild, dem wir in unsrer Salonbesprechung des Jahres 1887
uneingeschränktes Lob erteilen konnten, besseres verdient hätte. —
Roll hat seine breiten Bilder für den Salon vollendet. Es sind
zwei »xlew-air« Werke: „Im Sommer" und „Aus dem Lande".
Das elftere ist in einem entzückenden harmonischen Farbenton
gemalt. Auf einer mit Bäumen bepflanzten Wiese lagert eine
elegante Pariserin, die einen großen schwarzen Hund neckt,
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