Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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Personal- und Ateliernachrichten — Denkmäler rc.

wohnliche Liebe und Verehrung. Obgleich in Zürich geboren
und nach der Sprache und Bildung ein echter Deutsch-Schweizer
geblieben, stammt er doch aus alter italienischer Familie, und
wie er früher nach Rom wanderte, um unter Koch und Reinhardt
die Landschaftsmalerei zu studieren, jo konnte er sich auch nie
wieder trennen von dem Lande, dessen Schönheit er so meisterhaft
darzustelten lernte. Aber während seines langen Lebens in Rom
hat er sich auch stets vom idealen Weltbürgertum des echten
Künstlers ersiillt gezeigt und ist ein guter Kamerad allen Gleich-
strebcudcn gewesen, welcher Nationalität sie auch angehören
mochten. So hat sich denn die höchste Künstlerinstittttion Italiens,
die rVecackeinia cki Lau Uuca in Rom, gedrängt gefühlt, den Meister
bei Gelegenheit seines 80. Geburtstags zu ihrem Mitglied zu
ernennen, eine Ehre, die bisher sehr wenigen deutschen Künstlern
zuteil geworden; können doch überhaupt nur 14 Maler auf
einmal Mitglieder derselben sein. Die Aufnahme in diese
Korporation wird mit feierlichem Pomp und nach einem ans
mittelalterliche gemahnenden Ritus vollzogen; es ist eine Art
Taufe, wobei zwei ältere Mitglieder als Paten walten. Professor
Maccari, der Schöpfer der berühmt gewordenen Fresken im
Senatorenpalast in Rom und Professor Monteverde, der kürzlich
zum Senator ernannte Bildhauer, waren Corrodis Taufzeugen.
Bei einem Fest, das bei dieser Ehrenernennung staltfand und an
welchem auch die spanischen Maler Benlliure y Gil und Vilegas
teilnahmcn, feierten der Präsident der Akademie Prof. Mariani
und Pros. Ludovico Seitz, den der Papst kürzlich zum Direktor
der vatikanischen Sammlungen ernannt hat, den Jubilar in
herzlichsten Worten.

— Berlin. Maler Hermann Hendrichs in Berlin
wird ein Gemälde in die Berliner akademische Ausstellung
schicken, zu welchem der Künstler die Anregung aus dem Ge-
dichte „Atlantis" des Grafen Philipp Eulenburg entnommen
hat. Das Gemälde ist Eigentum des deutschen Kaisers, der den
Künstler selbst auf den Stofs hingewiesen und ihm persönlich
seine Zufriedenheit mit der Ausführung ausgesprochen hat.

" Das Preisausschreiben der Dresdener Familien-
zeilschrift Universum hat folgendes Ergebnis gehabt. Von
39 Bewerbern waren 59 Bilder eingegangen. Preisrichter waren
die Herren Hofrat Ferdinand Pauwels, Pros. Jul. Scho lz
und Architekt A. Hauschild. Von den grau in grau aus-
gesührten Blättern erhielt das Bild Amme der Wüstenkönige im
zoologischen Garten zu Berlin von Wilhelm Kuhnert da-
selbst den ersten Preis von 200 Mk., das Bild Skatabend von
R. Starke in Naumburg a. d. S. den zweiten Preis von
gleicher Höhe. Der Preis von 700 Mk. für Bilder in 5—ti Farben
konnte keinem Bewerber zuerkannt werden. Infolgedessen hat
die Verlagshandlung 600 Mk. für die Hinterbliebenen der auf
Samoa verunglückten verheirateten deutschen Matrosen und
100 Mk. zur Ehrengabe für Friedrich v. Bodensledt gespendet.

— Hi l d e Sh ei m. Der Maler Prell aus Berlin ist
Ende Mai hier eiugetrofsen, um die malerische Ausschmückung
des Rathauses unter Mitwirkung von William Pape zu be-
ginnen. Die Themata der sieben großen Wandbilder haben wir
bereits im 22. Hefte des II. Jahrgangs d. Z. angegeben. Die
Ausführung wird beide Künstler Jahre hindurch beschäftigen.

^ Professor Johannes Schilting in Dresden hat
am Tage der Enthüllung des König Johann-Denkmals von
Sr. Mas. dem König Albert das Komthurkreuz I. Klasse deS
Zivilverdienstordens erhalten.

lt. Aachen. Am 16. Juni verstarb hier Franz Klemens
Ever deck, welcher als Professor der Architektur an unsrer
technischen Hochschule seit 1880 mit großem Erjolge gewirkt
hat. Schriftstellerisch war Everbeck auch sehr thätig, er lieferte
manchen wertvollen Beitrag zur Kunstgeschichte, allgemein ist
sein letztes großes Werk rühmlich bekannt: „Die Renaissance in
Belgien und Holland."

Gestvrbrn. Am 15. Juni zu Düsseldorf Pros. Christi an
Böttcher.

Denkmäler etr.

Breslau. Bezüglich des hier zu errichtenden Kaiser
Wilhelm-Denkmals steht vorläufig soviel fest, daß eine all-
gemeine Konkurrenz für Künstler deutscher Staatsangehörigkeit
ausgeschrieben wird, zu welcher die Entwürfe zum 1. Februar
kommenden Jahres.. eingefordert werden. Als Platz ist der
Stadtgraben beim Übergang der Schweidnitzerstraße bestimmt.
Für den künstlerischen Teil des Reiterstandbildes (die Arbeiten
über der Erde) sind 400,000 Mk. gesichert. Das Ausschreiben

Ausstellungen, Sammlungen rc. — vermischte Nachrichten Ltg

wird erlassen, sobald die Zustimmung der auswärtigen Preis-
richter eingegangen ist. — Das Amt eines Vorstehers des bis-
her mit dem Schlesischen Museum verbunden gewesenen Meister-
ateliers für Landschastsmalerci wird nach dem im Herbst er-
folgenden Weggang seines bisherigen Inhabers, des Landschafts-
malers C. C. Schirm nicht wieder besetzt werden.

— Hanau. In der Angelegenheit des Grimmdeukmals
sind erhebliche Schwierigkeiten entstanden. Der technische Aus-
schuß hat an den Oberbürgermeister einen Bericht erstattet, worin
einer weitverbreiteten Abneigung gegen den von den Preis-
richtern zur Ausführung warm empfohlenen Wieseschen Entwurf
Ausdruck gegeben und dein Entwurf Eberles in München das
Wort geredet wird. Man hat überdies ein Gutachten des Sohnes
von Wilhelm Grimm, des Prof. Hermann Grimm, eingeholt,
welcher sich ebenfalls gegen die Wiesesche Ausfassung erklärt und
u. a. bemerkt: „Der Schwerpunkt der Wirksamkeit der Brüder
lag nicht in ihrer öffentlichen Thätigkeit als Universitätslehrer,
sondern in ihrer Arbeit innerhalb der Wände ihrer nebeneinander
liegenden Studierzimmer. Ihre Erscheinung war die erfurcht-
gebietender alter Männer, die ein einsamer Gedankenarbeit zu-
gewandtes Leben führen. Jakob würde nie so dagestanden,
Wilhelm nie so Lagesessen haben. Beide Gestalten machen mir,
so betrachtet, einen ganz fremden Eindruck."

Ir. Berlin. Der Bildhauer Prosessor vr. Rudolf
Siemering hat von dem Kaiser Wilhelmdenkmals-Komite
der Stadt Magdeburg Auftrag zur Anfertigung des Denkmals
ohne vorherige Konkurrenz erhalten. Ein gleich ehrenvoller
Auftrag ward dem Bildhauer Professor Fritz Sch aper seitens
der Stadt Hamburg zu Teil. ,

Ausstellungen, Sammlungen rkr.

— München. Mit der ersten Münchener JahresauS-
stellung verbunden ist eine Verlosung von Kunstwerken. Dem
Lotterieplan entnehmen mir, daß 120,000 Lose zu 1 Mk. zur
Ausgabe gelangen und Kunstwerke im Gesamtwerte von 46,000 Mk.
verlost werden, worunter Gewinne zu 5000 Mk., 3000 Mk.,
2000 Mk. rc. Beim Kauf der Lose wird, auf je 3 Stück zu-
sammengenommen eine Kabinets-Photographie eines der ausge-
stellten Kunstwerke, deren Verkaufspreis je 1 Mk. ist, verabfolgt.
Die Ziehung ist auf den 3l. Oktober 1880 festgesetzt.

— Metz. Am 19. Juni eröffnete der hiesige Kunstverein
seine zweite Ausstellung, zu der die Nationalgalerie in sreund-
liclier Weise vier Bilder hergeliehen hat, nämlich: „Sturz Robes-
pierres" von Adamo, „Der Einsiedler" von Böcklin, „Im
Gefängnis" von O. Günther, „die Wirrster" von Klaus
Meyer. Von den übrigen Gemälden heben wir besonders
noch das Kolossalbild „Abgestürzt" von R. Scholz, „Eine
Episode aus der Schlacht bei Sedan" von Putz und „Kaiser
Wilhelms letzte Unterschrift" von Beckert hervor. Auch diese
Ausstellung beweist, Laß der junge Metzer Kunstverein seine
Aufgabe richtig versteht und, wie wir hoffen, durch Mehrung
der Zahl seiner Mitglieder in der Lage sein wird, sich dauernd
zu erhalten.

— Berlin. Die k. Museen stehen im Begriff, eine zweite
Versteigerung von Magazinbeständen der Galerie und der
Renaissanceplastik zu veranstalten. Die Auktion soll Anfang
Juli in Berlin stattsinden. Sie umfaßt namentlich Pastellbilder
oder Porträts des vorigen Jahrhunderts, sowie eine Reihe guter
Holzmvdelle in Buchs, kleiner Reliefs, Elfenbein- und Wachs-
Porträts u. s. w. _

Vermischte Nachrichten

U. Berlin. Die vor mehreren Jahren in Auftrag ge-
gebenen Wandgemälde im hiesigen Rathause — vergl. S. 256 dieses
Jahrganges — gehen mehr und mehr ihrer Vollendung entgegen.
Gegenwärtig arbeiten an ihnen Wilhelm Simmler, Düssel-
dorf, Joseph Scheurenberg und Hugo Vogel, Berlin.
Prosessor Scheurenberg hat das Supraportagemälde über dem
Eingänge zum Magistratssitzungssaale, darstellend: „Die Ver-
einigung der Räte von Berlin und Köln zu einer gemeinschaft-
lichen Verwaltung (1307)" kürzlich vollendet und arbeitet gegen-
wärtig an einem neuen Wandgemälde in der Vorhalle zum
Sitzungssaale. Dies letztere bildet eine Verherrlichung Friedrich I.
von Brandenburg aus Anlaß der Erreichung der Kurwürde und
wird durch „Eine ruhende Siegesgöttin" dargestellt. — Der
Maler Wilhelm Simmler hat seinen „Friedrich der Große auf
der Höhe seines Ruhmes und seiner Popularität Unter den
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