Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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IV. Jahrgang, tzeft 24

15 September 1889


GerauFgegeüen von Friedrich Recht

^Die Kunst für Alle" erscheint in halbmonatlichen Heften von 2 Bogen reich illustrierten Textes und 4 Bilderbeilagen in Umschlag geh. Abonnementspreis im
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Die erste Münchener IahreFauMellunrl 1889

von Friedrich pecht

(Fortsetzung) Nachdruck verbaten

VI. j)hantasiestücke und Schilderungen der Vergangenheit oder fremder Nationen

'IlLier füllt uns zunächst George v. Hößlins „Künstlerwahn" auf, das einen jungen Mann zeigt, den
Vä im Traum die Muse bereits mit dem Lorbeer krönt. Es wird wohl auch einer der Unzähligen sein, die
gerne ernten möchten, vor sie gesäet haben, ohne zu bedenken, wie schon die Griechen wußten, daß die Götter

vor das Schöne den Schweiß
setzten. Da sucht man dann
auf dem Wege des Impres-
sionismus, der Spinat-, Hell-
oder Graumalerei das bequemer
zu erreichen, was selbst dem
genialsten nicht im Schlaf ge-
schenkt wird. „Das Genie ist
der Fleiß" heißt ja ein andres
Sprüchwort .... Übrigens
ist Hößlins Bild eine sehr ernst
gemeinte Leistung voll Stil-
gefühl und sicher nicht ohne
Wert. Als barok phantastisch
fällt dann Klinkenbergs
„Hexe" auf, eine elegante
Dame, welche um Walpurgis
plötzlich die Laune anwandelt,
sich splitternackt ausznziehen
und auf einem Besenstil zum
Kamin hinausfahren zu wollen,
ein Unternehmen, an dessen
Gelingen kein Mensch glauben
kann, da sie und ihre ganze
Umgebung so peinlich wahr
und natürlich gemalt sind, daß
es jede Möglichkeit der Hexerei
ausschließt. Ohne Zweifel hatte
der Künstler die ganz richtige
Empfindung, daß die jungen
und schönen, vornehmen und
eleganten Hexen die gefähr-
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scharf beobachte!. Fragmentzeichnung nach seinem Hlbilde von F.

Oie Kunst für Alle IV
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