Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 4.1888-1889

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270 Die erste Münchener Zahres-Äussielluiig l88y. VI, pkcintafieslücke und Schilderungen der Vergangenheit der sremden Nationen

Mbisag. von Joseph Douba

üchsten seien. Aber uns das Dämonische solcher Naturen ahnen zu lassen, ist ihm so wenig als drei Jahr-
hunderte früher dem ehrlichen Lnkas Kranach gelungen. Hier bleibt Arthur Fitgers prächtige Komposition
unerreicht! Aber der ist freilich ein -Dichter und kein Pedant, wie es die modernen Naturalisten meistens
sind, die sich einbilden, man könne ohne alle schaffende Phantasie ein Künstler sein.

Neben dieser angeblichen Hexe stehen und hängen aber noch ein halbes oder ganzes Dutzend solcher
Frauenzimmer herum, welche die keusche Susanne, büßende Magdalene oder sonstige fragwürdige Damen spielen
und denen man es sofort ansieht, daß sie sich nur eben ausgezogen haben — wohl um ins Bad zu gehen, was
denn auch bei den meisten nichts weniger als überflüssig wäre. Verführerisch ist keine von ihnen, dazu sind sie
von ihren Vätern zu schlecht erzogen worden, etwa mit Ausnahme von Blocks „Bath-Seba" (Abb. s. Heft 20),
die nicht erst ins Wasser geht, sondern aus demselben herauskommt, und Bredts „Araberin". Beide sind fein
studiert und bilden so einen wohlthätigen Gegensatz gegen die beleidigende Roheit andrer.

Mit der eben erwähnten Frau Bath-Seba aber beginnt auch die lange Reihe der orientalischen Bilder,
eine Überflutung von Kümmeltürken, wie sie München noch nie gesehen. Denn glaubwürdig ist kaum ein
einziges dieser Bilder außer Leopold Müllers „Hainida", eine meisterhaft gemalte aber freilich so stupide
Mohrenjungfrau, daß man die Gattung für alle Zeilen satt kriegt, wenn auch gewiß nicht den genial ehrlichen
Maler. Wären doch andre auch solche scharfe Charaklerschilderer! Keineswegs talentlos aber höchst theatralisch
ist dann des Ungarn Tornai „Salome", die des Johannes Haupt vor Herodes niederlegt. Ungefähr dasselbe
wäre von des Pragers Douba „Abisag" (siehe oben) zu sagen, etwas unverständlich, wenn man die Geschichte
nicht kennt, doch jedenfalls ein sehr achtbares malerisches Talent entfaltend. Bunt und schreiend ist dann
Roubauds „Markt in Samarkand", aber nicht ohne den Eindruck des Selbstgesehenen und keck Wiedergegebenen .
hervorzubringen. Das aber, was alle diese orientalischen Bilder widerwärtig macht, ist die Menschenkanaille,
die sie uns sehen lassen, wo man um so mehr abgestoßen wird, je wahrer sie wiedergegeben wurde.

Die Malerei ist aber doch dazu da, uns die Menschen lieben, nicht sie verachten zu lehren I Diese
ganze Orientmalerei ist eine Erfindung der französischen Romantiker, der Delacroix und Dccamps, die auch
vaheim wohl genug der Scheußlichkeiten gefunden hätten, die sie suchten, wenn auch nicht so malerische. Der
ganz Europa begeisternde Aufstand der Griechen that dann der Richtung Vorschub und die Eroberung von
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