Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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Ausstellungen und Sammlungen. — Preisausschreiben. — Denkmäler.

Forderungen gerecht zu werden, und daß eine unsagbare Geduld
und eine nicht zu tötende Begeisterung dazu gehört, auf einem
so verantwortungsvollen Posten auszuharren, ohne dabei die Ge-
duld zu verlieren. Geheimrat Jordan hat sich, was ihm die
Kunst einst danken wird, durch alle derartigen Angriffe nicht
irre machen lassen, er ist stets den Weg gegangen, den seine
Überzeugung ihm vorschreibt, ohne aber sein Lhr vernünftigen
Ratschlägen zu verschließen. Mehr zu thun steht nicht in mensch-
licher Macht und einen festen Standpunkt muß ein Mann be-
haupten, der einen verantwortungsreichen Posten bekleidet, wenn
er nicht wie ein schwankes Rohr zwischen den Parteien stehen will.
Bei dieser Gelegenheit werden auch wieder die Staatsankäufe
bemängelt. Nun, Kritik steht ja frei, wenn auch die An-
sichten verschieden sind, wo aber Zahlen in Frage kommen, muß
vor allem au der Wahrheit festgehalten werden, was bei den
Angaben über die Casa-Bartholdy-Freskeu leider nicht geschehen
ist. Es wird da behauptet, daß die Erwerbung derselben einige
100 000 Mark verschlungen hätte, während die Kosten sich that-
sächlich nur aus kaum 40 000 Mark gestellt haben. Was aber
den Wert dieser Lachen betrifft, die als „höchst gleichgültige
Fresken" bezeichnet werden, so gestatten sich doch andere Leute,
die noch Wert auf Kunstgeschichte legen, darüber ganz anderer
Meinung zu sein. Schreiber dieser Zeilen, beispielsweise, hat
kaum den Tag erwarten können, wo diese Wandgemälde, die das
Wiedererwachen deutscher Monumentalmalerei verkörpern, ausge-
packt und aufgestellt waren. Immer wieder werden auch die Ankäufe
alter Bilder für die Museen, von dem Standpunkte aus bemängelt,
daß diese Summen besser angelegt wären, wenn sie der modernen
Kunst zu gllte kommen würden. Mit solchen Ansichten zu rechten
würde zu weit führen, nur so viel sei gesagt, daß die für Museums-
zwecke ausgesetzten Fonds mit denen für die Nationalgalerie,
also moderner Kunst bestimmten, in gar keinem Zusammenhänge
stehen und nur einseitig für den bestimmten Zweck verwandt
werden dürfen. Eine Aenderung kann hier nur auf dem Wege
der Gesetzgebung herbeigeführt werden, niemals aber die Ver-
waltung dafür verantwortlich gemacht werden, der die Hände durch
gesetzliche Bestimmungen gebunden sind. Aus derartigen Be-
merkungen, wie wir sie oben beleuchtet haben, geht hervor, wie
gering bekannt unsere Sammlungen selbst noch bei denen sind, die
eigentlich darin Bescheid wissen sollten und was die Sonder-
ausstellungen betrifft, so ist es ja hinreichend bekannt, daß
die Nationalgalerie es sich seit ihrem Bestehen zur Pflicht
gemacht hat, das Gedächtnis verstorbener Künstler zu ehren. Die in
diesem Sinne veranstalteten Ausstellungen, welche hänfig für
die Hinterbliebenen gradezu ein Segen geworden sind, haben
außerdem auch noch den Zweck, der Galerie eine möglichst große
Auswahl für die Ankäufe aus den verschiedenen Nachlässen zu
vermitteln. Diese Ankäufe beschränken sich nicht nur auf Aquarelle
und Zeichnungen, sondern erstrecken sich auch auf die verschiedensten
Entwürfe, Skizzen und Llstudien, die im oberen Geschoß, im
Kabinett der Handzeichnungen, aufbewahrt werden. Aus der
reichen Fülle des Vorhandenen wollen wir nur die Namen:
Henneberg, Dreber, Blechen, Burger, Lier, Feuerbach, Carl
Grüb, Riefstahl, Herrn. Kauffmann und Morgenstern nennen.
Ein demnächst erscheinender Katalog der Studien, Handzeichnungen
u. s. w. wird übrigens aller Welt vor Augen führen, welche
Schätze vorhanden sind. Was aber Schwind betrifft, der in der
Nationalgalerie allerdings nur mit einem, freilich hervorragenden
Bilde „Die Rose" und acht Handzeichnungen vertreten ist, so ist
diese schwache Vertretung nur dem Umstande zuzuschreiben, daß ja
eine Verschmelzung der Galerie Schack mit der Nationalgalerie
bestimmt war, wodurch letzterer eine reiche Fülle Schwindscher
Meisterwerke zugeführt worden wäre. Aus diesem Grunde hat man,
als es noch Zeit war, Ankäufe unterlassen; daß die Sache
anders kam, konnte vorher nicht in Berechnung gezogen werden. 1327«;

— Berlin. Im zweiten Halbjahr 1803 hat die National-
galerie nachstehende Erwerbungen zu verzeichnen gehabt. An
Lelgemälden: E. Henseler, „Bildnis Hoffmanns v. Fallersleben";
G. Saltzmann, „Kreuzerfregatte Leipzig bei St. Helena"; H.
Mühlig, „Nach der Treibjagd"; L. Herzog, „Vom Eise zerschellt";
V. Weishaupt, „Ziehende Viehherde"; H. Gude, „Sognefjord mit
Wikingerschiffcn"; L. Dill, „Holländischer Kanal"; L. Frenzel,
„Viehherde in den Lstseedünen"; I. Wenglein, „Winter am
Jsarufer"; G. Biermann, „Porträt Lepsiüs"; L. Jernberg,
„Erntezeit"; L. Spangenb erg (P, „Amphitheater bei Pompeji".
An Bildwerken gingen zu: F. Stuck, „Athlet" (Bronzestatuette);
I. Goetz, „Wasserschöpsendes Mädchen" (Bronzestatuette:, G.
Busch, „Betendes Mädchen" (Holzfigur). Aus den Erwerbungen
an Aquarellen und Handzeichnungen seien erwähnt drei Aquarelle

von Ludwig Dettmann (eine gelangte schenkungsweise vom
Künstler an die Galerie), sodann drei Aquarelle von Hermann
Prell nach des Künstlers Fresken in der Rathaushalle zu
Hildesheim und sechs Aquarelle des Jagdenmalers Ehr. Krön er.

Berlin. Die Beteiligung an den von der Akademie
der Künste ausgeschriebenen Wettbewerben um die großen Rompreise
ist eine rege. Üm die beiden Staatspreise zum Betrage von
je 3300 M. ringen sieben Architekten und sieben Bildhauer,
um den Preis der vr. Paul Schultze-Stistung bemühen sich
sechs Bildhauer. Die Sieger sind gehalten, sich ein Jahr in
Italien aufzuhalten, die Architekten jedoch nur dann, wenn sie dort
noch nicht studiert haben. Die Entscheidung erfolgt durch den
Senat und die Genossenschaft der Akademiemitglieder. l32sr;

— Berlin. Ter Allgemeine Deutsche Sprachverein
erläßt ein Preisausschreiben für eine künstlerisch ausgestattete
Wahlspruchtafel, die, durch Druck vervielfältigt, geeignet sein soll,
den Hauptgrundsatz des Vereins: „Kein Fremdwort für das, was
deutsch gut ausgedrückt werden kann", in den Versammlungssälen
der Zweigvereine oder auch in der Öffentlichkeit vor Augen zu
stellen. Entwürfe sind bis 1. August mittags 12 Uhr an den
Schatzmeister des Vereins, Verlagsbuchhändler Eberhard Ernst,
Berlin VV., Wilhelmstr. 90, einzusenden. Für den besten Entwurf
ist ein Preis von 500 M. ausgesetzt. MM;

— Düsseldorf. Der rheinische Provinzial-Landtag hat
beschlossen, das Kaiser Wilhelm-Denkmal der Rhein-
provinz am Deutschen Eck zu Coblenz nach den Entwürfen des
Bildhauers Hund ries er und des Architekten Bruno Schmitz
ausführen zu lassen. Die auf 1032 000 M. berechneten Gesamt-
kostcn wurden bewilligt und bestimmt, daß jährlich 60000 M.
solange aus dem Dispositionsfond des Provinzial-Landtages
entnommen werden sollen, bis der nach Maßgabe der jetzt zur
Verfüqunq stehenden Mittel vorhandene Fehlbetrag von 489 934 M.
gedeckt sein wird. lSWi;

— Paris. Auf dem Friedhof zu Montmartre wurde am
20. Mai im engsten Kreise der Freunde das dem verstorbenen
Schlachtenmaler Alphon se de Neuville errichtete Grabdenk-
mal, ein Werk des Bildhauers Saint-Vidal, enthüllt. Wi-I

k. Hannover. Der in einer der letzten Nummern an
dieser Stelle besprochene Plan, dem verstorbenen Könige Georg V.
von Hannover in seiner ehemaligen Residenzstadt ein Monument
zu errichten, hat ein schnelles und unerwartetes Ende gefunden.
Auf ein an den Kaiser gerichtetes Immediatgesuch um Genehmigung
zur Errichtung des Denkmals ist aus dem Ministerium des
Innern leider eine abschlägige Antwort erfolgt. Da hiernach
zur Zeit dem Projekte unüberwindliche Hindernisse entgegen-
stehen, so hat sich das zu diesem Zwecke zusammeugetretene
Komitee vorläufig aufgelöst. i326Z;

— Wiesbaden. Auf dem hiesigen Friedhofe ist am
27. Mai das Ferdinand Möhring, dem Komponisten deutscher
Volkslieder, von der deutschen Sängerwelt errichtete Grabdenkmal,
ein Werk des Frankfurter Bildhauers Hermann Schies, feier-
lich enthüllt worden. l3M2;

— Florenz. Der Bildhauer Antonio Bertone hat nun-
mehr das Denkmal, welches dem früheren Premierminister A. D e-
pretis in Stradella errichtet werden soll, beendet. Die in doppelter
Lebensgröße ausgeführte Bronzestatue stellt den Staatsmann in
ungezwungener Haltung dar, die rechte Hand in der Hosentasche,
in der linken ein Stück Papier haltend. An den vier Sockelseiten
sind Haut-Reliefs angebracht, die Szenen aus dem Politischen
Wirken des Verstorbenen darstellen. psos;

k. Hannover. Die städtischen Behörden haben beschlossen,
die Marmorbüsten der drei nm die städtischen Kunstsammlungen
verdienten Männer: Kestner, Culemann und Haltenhoff
in den Räumen des Kestner-Museums aufzustellen. Lega-
tionsrat Kestner (Enkel von „Werthers Lotte") hatte schon bei
Lebzeiten seine ägyptischen, etrurischen und römischen Kunstschätze
nebst einem Kapitale von 100 000 Mk. zum Museumsbau der
Stadt vermacht, während der Senator Culemann eine wertvolle
mittelalterliche Kollektion zusammengebracht hatte, die nach seinem
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