Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 9.1893-1894

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von Gustav Diercks.

^chlangrnzaubrrer. von Mariano Lortuny.

aller Italien bereisenden Berühmtheiten machten. Nach seiner Heirat mit der Tochter des Madrider Akademie-
direktors Federico Madrazo schuf er das bekannteste seiner Werke „La Vicaria", die spanische Hochzeit, das seine
Fähigkeiten im glänzendsten Lichte zeigte, und das, 1870 bei Goupil in Paris ausgestellt, in der ganzen
Kunstwelt gerechtes Aufsehen erregte.

Die außerordentliche Leichtigkeit der Pinselführung, die vollkommene Beherrschung der Technik, die
Schönheit und berechnende Geschicklichkeit in der Farbengebung, die Schärfe der Beobachtung und die Feinheit
der Charakterisierung bekunden sich von nun ab in jedem seiner Werke. Selbst die einfachen Studienblätter
und Skizzen zeigen diese Merkmale des Künstlers und wurden beinahe mit Gold ausgewogen. Die beigegebenen
Reproduktionen eines Arkebusier, des Invaliden, des energischen Mannes in Escarpins, des Hiob
mögen als Proben solcher Studienblätter dienen, wie sie Fortuny zu Hunderten nichtachtend verschenkt oder
vernichtet hat.

1870 ging er von neuem nach Paris und als der deutsch-französische Krieg ausbrach, begab er sich
nach Madrid und Granada, wo er wieder den Zauber der arabischen Kultur, des südlichen Lichtes und anda-
lusischer Farbenpracht auf sich einwirken ließ. Erst gegen Ende des Jahres 1872 kehrte er nach Rom zurück.
Dieser Zeit gehören die Bilder der „Kunstliebhaber" und eines seiner berühmtesten der „Karneval" an, welches
in Heft 24 des Jahrgangs IV dieser Zeitschrift reproduziert worden ist; ferner die „Fechtstunde", der „Bücher-
liebhaber", die „Poetische Sitzung" und zahlreiche andere. Daneben schuf er viele kleinere Ölgemälde und
Aquarellen in der Art der „Idylle" und zwar hauptsächlich Genrebilder, für die er zweifellos die größte Be-
fähigung besaß. Auch im Porträtfach versuchte er sich, in ihm aber waren seine Leistungen am wenig-
sten bedeutend.

Mitten aus dieser unermüdlichen Thätigkeit, in der er auch nach dem Erwerb großer Reichtümer nicht
nachließ, wurde er durch die Malaria herausgerissen, die den 36 jährigen, auf der Höhe seiner Schaffenskraft
stehenden, noch viel Bedeutendes versprechenden Künstler am 21. November 1874 nach kurzer Krankheit zum
größten Schmerz seiner zahllosen Freunde dahingerafft hat.

Die Eigenart seiner virtuosen Technik wirkte aber über seinen Tod hinaus nicht nur auf seine Lands-
leute, sondern auch auf die französischen, ja die Künstler aller Welt bestechend ein, und sie hat nicht wenig zu
der Ausbildung der verschiedenen modernen naturalistischen, realistischen und impressionistischen Kunstschulen der
zwei letzten Jahrzehnte beigetragen.

bl. k. Vorstehender Aufsatz bildet die Ergänzung einer Arbeit des gleichen Verfassers, welche wir in Heft 11 und 12 des
lauf. Jahrg. der „Kunst für Alle" über „Die moderne Kunst Spaniens" veröffentlicht haben. (D. Red. d. „K. f. A-")
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