Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 12.1896-1897

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Ausstellungen und Sammlungen.

Angelegenheit mit dem Fries an Hennebergs Galerie hat nun
schließlich trotz alles Zauderns und Herumfragens — oder viel-
leicht gerade deshalb — keinen befriedigenden Ausgang ge-
nommen. Von Menzel hat der Bauherr auch wieder abgesehen,
weil Menzels Entwurf um alle Wirkung gekommen wäre in der
Höhe, für welche der Fries bestimmt ist. Und der Bau war
schon zu weit vorgeschritten, als daß sich der Fries tiefer hätte
anbringen lassen. Menzel dachte nämlich an eine, seiner ganzen
künstlerischen Art entsprechende, umfassende, plastisch auszuführende
Darstellung der Seidcnindustrie, welche zu studieren er sogar nach
Zürich kommen wollte. Die Konkurrenz, die hierauf H. Henne-
berg unter den beiden Schweizer Bildhauern Kißling und Meier
ausschrieb, brachte auch keinen Entscheid, weil beide Entwürfe

ein ganz anderer frischer Zug gekommen. Sogar eine hochmoderne
internationale Plakat-Ausstellung, die uns in auserlesenster Weise
das Beste auf diesem Gebiete vorführte, haben die früher recht
konservativen Räume des Kunstvereins über sich ergehen lassen
müssen, ohne den von mancher Seite ernstlich befürchteten Schaden
an Leib und Seele genommen zu haben! Der Kunstverein ist
nun wieder der Hauptfaktor im hiesigen Kunstleben geworden,
nachdem er länge Jahre über eine Art wohligsten Winterschlafs ge-
halten, aus dem ihn der neue Konservator unsanft erweckt hat.
Üeber die Ausstellungen auswärtiger, zumeist hervorragender
Meister, gehen wir, um fast überall Bekanntes nicht nochmals
zu wiederholen, hinweg und wenden uns, wie bisher gewohnt,
zu den hiesigen, stets recht zahlreich vertretenen Künstlern. In
erster Linie ist hier Professor Kaspar Ritter zu
nennen, mit einer — der jetzt so sehr in Mode ge-
kommenen — Sammelausstellungen seiner Meister-
werke. Der talentvolle Künstler bevorzugt neuer-
dings — neben ausgezeichneten Porträts — Salon-
Interieurs mit pikant dargestellten Damen in
brillanter künstlicher Beleuchtung. Einer unserer
besten, aber auch flinksten Landschafter ist un-
streitig Hans v. Volkmann. Er arbeitet mit
fast unheimlicher Raschheit, weshalb es nicht wun-
dern kann, daß manche seiner Werke oft nicht ganz
ausgereift das Licht der Oefsentlichkeit erblicken.
Wenn er sich aber Zeit läßt, weiß er recht poetische
stimmungsvolle Werke zu schassen. Auch Richard
Eschke und K. O. Mathaei sind recht tüchtige
Landschafter und wissen die heimatlichen Motive
von der Elbmündung ganz geschickt zu verwerten.
Der jetzt in Klausen in Südtirol lebende Alex.
Koester erfreut uns mit sehr naturwahren
Werken der großartigen Umgebung seines neuen
Wohnsitzes, die weit höher stehen als die oft im
Sujet recht süßlichen Produkte, die er hier ver-
fertigte. Unter den vorzugsweise Blumen malenden
Damen ragt Frau Prof. Hormuth-Kallmorgen,
weitaus hervor, sie weiß die Blumen und das Bei-
werk in unnachahmlicher Frische und Lebendigkeit
wie keine ihrer vielen Rivalinnen zu schildern. Die
jetzt in Rom lebende Uta v. Weech behauptet sich
ganz gut neben ihr, sie giebt ihre Blumen, indem
sie dabei nach Lösung interessanter koloristischer
Probleme strebt, mehr im Sinne der alten Meister.
Auch Hermine v. Preuschen, weiß doch, bei
aller sonstigen Bizarrerie und Verschrobenheit, die
Kinder Floras virtuos genug darzustellen, wie sie
unlängst hier, in einer großen Kollektion ihrer
neuesten Produkte schlagend bewiesen. > Unter den
Porträtmalern ragen Richard Straßberger,
die Ritterschüler Gebrüder Eichrodt, sowie W.
Plant, Roland Maser und Th. Dengler
rühmlichst hervor, auch L. v. Sallwürk läßt uns
in seinem flott hingestrichenen Bildnis des phantasie-
reichen Stimmungslandschafters Max Frey hoffen,
daß er mit der Zeit einen recht tüchtigen Porträt-
maler abgeben wird. In den Märchenbildern des
auch als Aquarellisten renommierten Franz
Hein scheint die Schwindsche Romantik wieder aufzuleben,
seine Stimmungslandschaften zeigen uns den vielseitigen Künstler
aber als ganz modern empfindenden Maler. Georg Hesse gehört,
wie Edmund Kanoldt, August Hörter und W. Klose zur
älteren Karlsruher Landschafter-Schule, hie und da macht er aber
auch einen Vorstoß in die moderne Richtung, wie seine nicht üble
„Gotthardstraße" beweist. Paul v. Ravenstein hat sich von jener
längst zum Glück losgesagt, seine sich immer mehr und mehr vervoll-
kommnenden Werke verraten ein feinfühliges, sehr getreues und sorg-
fältiges Naturstudium, das bei der Sammelausstellung der Arbeiten
von Fräulein Nuhn — zumeist Bodenseemotive — gleichfalls zu
finden ist. Wie letzthin unsere engeren Landsleute, Hans Thoma
und Wilh. Trübner in Frankfurt, uns mit Kollektionen ihrer
Meisterwerke erfreuten, so jetzt der ebenfalls dort lebende Freund
und Geistesverwandte beider, Albert Lang, ein geborener Karls-
ruher, dessen eigenartige, in manchem zuweilen an Hans Thoma
gemahnende Werke hier vielen wohlverdienten Beifall fanden.
In der Veltenschen Hofkunsthandlung veranstaltete der Landschafts-
maler Gustav Kampmann eine interessante Ausstellung von
über 6V Gemälden und Zeichnungen. Ursprünglich aus der Schule
Hermann Baischs hervorgegangen, hat der begabte Künstler


ziemlich gleich wertlos sind. Der eine verliert sich in unplastischen
Details, der andere führt eine sehr diskutierbare Idee sehr kon-
ventionell aus, und Beiden fehlt Bewegung wie Zusammenhang.
Nun kam H. Henneberg auf die geiviß am wenigsten glückliche Idee,
einen Fries nach antiken Motiven Herstellen zu lassen, womit er
die schöne Aufgabe dem Künstler aus der Hand nimmt und sie
dem intelligenten Handwerker giebt. Wenn Herr Henneberg mit
dieser „Lösung" der Aufgabe sagen will, daß die moderne Plastik
nichts vermag, so thut er Unrecht, und er glaubt dies wohl selbst
nicht. Aber Anderes wird der Fries nach antiken Motiven nicht
sagen, wenn er ausgeführt wird, was wir von H. Henneberg,
dem ja sonst ein so guter Geschmack eigen ist, nicht hoffen.
Böcklins farbiges Mosaik wäre wohl die schönste und befriedigendste
Lösung. l?2S3s

9 Karlsruhe. Der hiesige Kunstverein, seither so oft
der Tummelplatz künstlerischer Impotenz, hat mit der Ernennung
des selbst künstlerisch thätigen Herrn v. Baycr-Ehrenberg zum
Konservator eine sehr glückliche Hand bewiesen. Während wir
früher die zumeist recht öden Machwerke der Großpensionäre des
Vereins hier bewundern konnten, ist jetzt in die rasch wechselnden
Ausstellungen, die uns das Beste der modernen Kunst vorführen,
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