Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 13.1897-1898

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Personal- und Atelier-Nachrichten. — Denkmäler.

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— München. Lothar Meggendorfer beging am
6. November seinen 50. Geburtstag. 1767s)

— Unter den nicht sehr zahlreichen Gemälden Walter
Cranes, dessen wesentliche Bedeutung für die moderne Kunst
bekanntermaßen auf kunstgewerblichem Gebiete liegt, nimmt das
1875 entstandene, in einer Beilage dieses Heftes wiedergegebene
Bild r^mor viucn omnia- eine einzigartige Stellung ein. Der
altertümelnde Stil, welcher sich in dieser, an keinen bestimmten
historischen Vorgang sich anschließenden freien Phantasieschöpfung
bekundet, kehrt in keinem anderen malerischen Werke Cranes in
so auffallender Weise wieder und bei der liebenvollen Art, mit
welcher der Stilcharakter gewahrt ist, wäre man versucht, das
Gemälde auf den ersten Blick für das Werk eines Florentiners
ans dem Quattrocento zu halten. — Erwähnt sei bei diesem An-
laß, daß H. E. von Berlepsch, den auch unsere Leser aus Heft 13
des XI. Jahrg. als einen feinen Kenner Cranes zu schätzen wissen,
neuerdings eine noch umfangreichere Studie über diesen Künstler
in den „Graphischen Künsten" veröffentlicht hat. Die Separat-Aus-
gabe dieser reichhaltig illustrierten Monographie kostet 12 M.
(Wien, Gesellschaft für vervielfältigende Kunst.)

9 Karlsruhe. Am 18. Oktober wurde, wie bereits kurz
berichtet, im Beisein des großherzoglichen Hofes und vieler
anderer deutschen Fürsten das von der Stadt Kaiser Wilhelm I.
gewidmete Denkmal enthüllt. Als monumentalster Abschluß der
prächtigen Kaiserstraße nimmt dasselbe einen überaus vorteilhaft
gewählten Platz ein, den es auch im höchsten Maße verdient,
denn dasselbe ist unstreitig, was auch jüngst Kaiser Wilhelm II.
bestätigte, eines der schönsten Kaiserdenkmäler, von schwungvollster
Conception und harmonischstem Gesamtaufbau. Der
geniale Schöpfer desselben ist der Professor der Bild-
hauerkunst an der hiesigen Kunstgewerbeschule, Adolf
Heer, geb. 1849 zu Vöhrenbach im Schwarzwalde,

Schüler v. Steinhäuser, der für seine überaus treff-
liche, formvollendete Leistung sowohl vom deutschen
Kaiser, als auch von seinem Landesherrn mit hohen
Ordensauszeichnungen bedacht wurde. CE)

Or. Berlin. Am Nationaldenkmal
Kaiser Wilhelms I., das am 22. März, wie
bekannt, enthüllt wurde und etwa zum August
ganz fertig gestellt sein sollte, wird immer noch
weiter gearbeitet. In der Gegenwart handelt es sich
vorzüglich um die Dekoration der architektonischen
Teile, die Mosaizierung des Fußbodens u. dgl.

Dem Bildhauer Joh. Götz, welcher das eine der
den Bau krönenden Viergespanne modelliert hat,
ist der Auftrag geworden, ein künstlerisches Gitter
für die eine Seite des Pavillons herzustellen, welches
mit drei Reliefs geschmückt wird. Derselbe Künstler
fertigt die etwa 2 m hohen Kandelaber für die
Säulenhalle an. Diese wie das Gitter werden in
vergoldeter Bronze ausgeführt. An dem Gesamt-
eindruck des Monuments werden diese mehr dekora-
tiven Arbeiten nichts mehr ändern. 17688)

— Münster i. W. Das von dem Bild-
hauer Professor Reusch in Königsberg und dem
Architekten Professor Bruno Schmitz in Berlin
geschaffene, von uns früher bereits (Jahrg. XI,

S. 364) erwähnte Denkmal für Kaiser Wilhelm I.
ist am 27. Oktober enthüllt worden. (7680)

6r. Berlin. In Heft 2 des lauf. Jahrg.
wurde auf den ziemlich beträchtlichen „Kunst-
fonds" hingewiesen, welchen die Stadt Berlin
besitzt und aus dessen Mitteln teils fertige Kunst-
werke, die zur Aufstellung aus öffentlichen Plätzen
oder in Anlagen geeignet sind, angekauft, teils
Aufträge zu derartigen Arbeiten erteilt werden.

Die Modelle der dabei erwähnten, zum Schmuck
des Viktoriaparks bestellten Hermen von Dichtern
der Freiheitskriege sind kürzlich zur Ablieferung
gelangt. Es sind dies die folgenden: Heinrich von
Kleist von K. Pracht, Schenkendorf von Reichel,

Th. Körner von Wenck, E. M- Arndt von Hans
Latt, Uhland von Kruse und Rücken von
Lepcke. Die Entwürfe für Brunnen auf dem

Lützowplatz und am Eingang des Friedrichshains wurden vor-
gelegt. Bildhauer Felderhoff hat ein Reliefmedaillon der
Berolina für eine Bank auf dem Andreasplatz geliefert. — Es
ist sehr erfreulich, daß die Stadt Berlin nach dem Muster anderer
Großstädte — man denke daran, was in Paris in dieser Hinsicht
gethan worden ist und noch gethan wird — dafür Sorge trägt,
die zahlreichen schönen Plätze, die von einer sehr geschickten Garten-
direktion oft in höchst reizvoller Weise geschmückt sind, mit plastischen
Werken zu zieren und so dem Auge, besonders auch in Stadt-
gegenden, die an architektonischer Schönheit nicht allzu sehr leiden,
künstlerische Eindrücke zu verschaffen. Immerhin wäre es wünschens-
wert, daß man einmal eine größere Aufwendung machte, und
damit einem wahrhaft genialen Meister, deren doch noch in
Deutschland zu finden sind, Gelegenheit geboten würde zu einer
großen Leistung. Solcherlei Spenden im großen haben sich noch
allezeit gut rentiert. Ob es dazu wirklich kommen wird? Leider
haben wir zu zweifeln Ursache. — Die Standbilder von W. Siemens
und A. Krupp, welche im Auftrag mehrerer großer industrieller
Vereine hier vor der Technischen Hochschule errichtet werden
sollen, werden, wie es scheint, dem Bildhauer Prof. Herter hier
übertragen. In dem Ausschuß, dem die Entscheidung oblag,
saß neben mehreren Großindustriellen und Professoren auch ein
Künstler, Geheimrat Raschdorff. 7689)

— Weißenburg a. S. Für das hier zu errichtende
Brunnendenkmal für Kaiser Ludwig den Bayern ist
das Konkurrenz-Ausschreiben ergangen. Beteiligen können sich
in Bayern wohnende Künstler. Zur Verteilung sollen drei
Preise gelangen, und zwar als erster die Ausführung des
Denkmals, für das 45000 M. zur Verfügung stehen, als zweiter
Preis 1500 M., als dritter 500 M. (7682) i

— Hamburg. Das von Victor Tilgner entworfene
Denkmal des Bürgermeisters Petersen ist am 22. Oktober ent-
hüllt worden. 17683)


zo*
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