Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 14.1898-1899

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Goethe in der Dresdner Galerie, von Karl lvoerrnann.

sich von der Einsicht, wie weit die !Kunst gehen kann
und soll."

Der ganze Aufsatz ist tief und warm empfunden.
Goethe hat gerade mit ihm der Dresdner Galerie wirk-
lich ein Geschenk gemacht. Denn was ein Goethe ge-
feiert hat, ist dadurch für die Ewigkeit geweiht worden.
Ueberhaupt hat die Begeisterung für die Dresdner Galerie,
die Goethe in vielen Stellen seiner Schriften zur Schau
trägt, sicher dazu beigetragen, ihren Ruhm in alle Welt
hinauszutragen. Nennt er doch auch an einer Stelle
seines Aufsatzes „Der Sammler und die Seinigen" die
Dresdner Sammlungen „eine ewige Quelle echter Kennt-
nis für den Jüngling, für den Mann Stärkung des Ge-
fühls und guter Grundsätze, und für einen jeden, selbst
für den flüchtigsten Beschauer heilsam".

Goethe sagt hier, was die Dresdner Galerie auch
ihm als Jüngling, auch ihm als Mann gewesen ist; und
fragen wir weiter, worin diese „Stärkung des Gefühls
und guter Grundsätze", genauer ausgedrückt, sich bei ihm
gezeigt, so können wir an der Hand des gewonnenen
Ueberblicks getrost antworten, daß gerade die Dresdner
Galerie ihn verhindert hat, ein für allemal in seine
Theorien vom deutschen Griechentum aufzugehen, daß
gerade die Dresdner Galerie ihn zu allen Zeiten,
selbst in seinen klassizistischsten Jahren, immer wieder
von dem hohen Werte der niederländischen Kunst über-
zeugt hat, daß also gerade die Dresdner Galerie ihn
immer wieder zu der germanischen Grundstimmung seines
Wesens zurückgeführt hat, der wir seinen „Faust" ver-
danken.

Die Düsseldorfer Mnstler-Vereinigung 1899.

von Friedrich Schaarschmidt.


18M-

/k->aß die Zeit der Seces-
sionen und der Künstler-
vereinigungen doch noch nicht
so ganz vorüber ist, wie man
nach mancherlei Anzeichen
glauben mochte, beweist das
Entstehen einer kleinen Künst-
lergruppe, die vor kurzem
mit einer allerdings durchaus
originellen, wenigstens für
Düsseldorf eigenartigen Unter-
nehmung ins Leben trat. Den
eigentlichen Anstoß zu der-
selben mögen wohl die wenig
erfreulichen Ausstellungsver-
hältnisse gegeben haben, die
Jahre 1902, wo der große
wohl keine Aende-

hier herrschen und bis zum
Ausstellungspalast eröffnet werden soll,
rung erfahren werden.

Die Ueberzeugung, daß ein intim gedachtes Bild in
den konventionellen Räumen eines öffentlichen Ausstellungs-
lokales, in der zufälligen Nachbarschaft von anders ge-
dachten und gearbeiteten Werken unmöglich seine ganze
Wirkung entfalten kann, hat ja schon auderorts zur Er-
richtung von Separaträumen auf großen Ausstellungen
und vor allem, wie in Berlin, zu Atelierausstellungen
geführt. Eine Verbindung von beiden strebt nun, von dem-
selben Sinne geleitet, die jüngste Düsseldorfer Künstler-
vereinigung 1899 an, indem sie einige ausgewählte Bilder
einer kleinen Anzahl von Künstlern in dem dazu herge-
richtetcn Atelier eines der Mitglieder in sorgfältiger und
wirklich geschmackvoller Weise ausstellt. Einige stilvolle
Möbel und Geräte, Teppiche, Blumen und dergleichen
geben dem nicht übermäßig großen Raum den Charakter
etwa einer vornehmen Privatgalerie, in der jedem Bild
sorgfältig der Platz gegeben worden ist, aus dem es am
besten wirkt und am wenigsten seine Nachbarn beein-
trächtigt, oder von ihnen beeinträchtigt wird, wo im Gegen-
teil das Zusammenwirken durchweg vortrefflicher Werke
auch einen wohlthuenden Gesamteindruck hervorbringt.

Die Wahl ganz Heller Wände, von denen sich die
Bilder wirkungsvoll abheben, war ebenfalls eine Neue-

rung, wenigstens für eine private Ausstellung in Düssel-
dorf, die denn auch nicht verfehlt hat, vielen Widerspruch

Bildnis. Td- z»nk pinx.

I. Ausstellung der Düsseldorfer Künstler. Vereinigung isstst.
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