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Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 15.1899/​1900

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Pecht, Friedrich: Die deutsche Kunst an der Wende des Jahrhunderts, [1]
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https://doi.org/10.11588/diglit.12046#0173

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-a-s^> DIE DEUTSCHE KUNST AN DER WENDE DES JAHRHUNDERTS <ÖS-s-

schritt unserer Zeit gegen alle früheren Peri- so Defregger Dinge geleistet, welche den

oden. Alle die Unterschiede, die Nationalität, Alten nie einfiel, auch nur anzustreben. Denn

Herkunft, Geschichte, Stand und Charakter diese wollten vor allem ein schönes Bild

bei den Menschen, wie ihre Art, sich zu be- machen, die menschliche Natur schildern sie

wegen, hervorbringen, werden jetzt mit einer eigentlich nur nebenher. Unter den Franzosen

Genauigkeit wiedergegeben, von der man ist hier unstreitig Meissonnier der erste, aber

früher keine Ahnung hatte. Wenn z. B. auch bei ihm vergisst man den Modellmaler

Rubens das Naturell der Kinder vortrefflich nie. Wie man das aber auch drehen und

schildert, so bleibt er wenden mag, immer

dabei doch so allgemein, wird man zugeben müs-

die Neueren ^HHH^^^flHHHHHflHHHHHHHl dass die moderne

z. B. Knaus, weit über- Br Kunst hier Gebiete er-
treffen, der in seinem obert, Reize entdeckt
berühmten „Wie die HL hat, durch die sie das
Alten sungen, so zwit- n Reich der Kunst in ganz
Schern die Jungen" die ^^^v* ungeahnter Weise er-
letzteren nach ihrem Hb , -*4fll weiterte. Das gilt selbst
Stand, wie deren von HF von der Landschaft, wo
den Eltern ererbten _^' "0* """^^B die heutige Malerei die
Charakter so genau p. ^ _öHHHl Tages- und Jahreszeiten,
schildert, wie es kein ~\ ^H alle Wetternuancen viel
Alter jemals auch nur [ '^Z3HH# besser und schärfer
versuchte. Knaus ist k "TH^I charakterisiert als die
denn auch unser fein- HF B alte. Dass sie dabei
ster Charakteristiker HHHHT I ^HHHJ leicht prosaischer wird
neben Menzel, der nicht HJ Jjg als jene, wer wollte das
nur unter allen Deut- HJ H] leugnen? Aber auch
sehen in dieser Bezieh- HJ at die rein idealisierende
ung den ersten Platz mß Kunst zeigt einen gros-
einnimmt, da er auch HP sen Fortschritt im Ver-
beigrossen historischen HL ■^M , gleich mit der alten,
Charakteren, wie Fried- ^L^^l wenn sie diese auch
rieh der Grosse, Kaiser HJ> ' auf ihrem eigensten
Wilhelm, mit geradezu Gebiete nicht erreicht,
bewunderungswürdigem Hk Wie denn im ganzen
Scharfsinn in alle Falten H Umkreis der Künste
ihres Charakters, in 3|? die Fortschritte niemals
alle Eigentümlichkeiten HHHHHHHHj flVAHHl durch Ueberholung des
ihrer Bewegung ein- an sich schon Vortreff-
dringt. Was er da in HF liehen, sondern immer
seinem „Souper von HH) durch Eroberung neuer
Sanssouci", dem „Krö- ^^^HHH ^^^H Provinzen geschehen,
nungsbild", dem „Ball- rr^ Phidias und Raffael
souper" geleistet, das '•_ _ „ > ' N-J ■. erJcn ..;so aus guten
ist von keinem ande- ^■^^^^^■■■■■■BMBB^H^^^^H Gründen nie in ihrem
ren Alten oder Mo- august heer grabfiglr eigensten Kreise über-
dernen, in Bezug auf boten. Dagegen tauchen
die Feinheit und Mannigfaltigkeit der Indivi- nacheinander Rubens, Murillo, Rembrandt auf.
dualisierung und des Ausdrucks geleistet So erscheinen plötzlich unter unseren Idea-
worden. Ohne Zweifel ist der „Leo X." listen Makart und Böcklin, die der Malerei
Raffaels bis heute unerreicht geblieben, aber ganz neue Bahnen eröffneten. Sicherlich
er ist eben doch vor allem Porträt, er haben die „sieben Todsünden" Makarts oder
posiert. Uebrigens haben nach dieser Seite sein „Karl V." keine ebenbürtigen Vorgänger
hin die Deutschen wie Menzel, Knaus, und noch viel weniger die „Jagd der Diana"
A. v. Werner, dessen Kapitulation von Sedan, oder das mit der Seeschlange spielende Meer-
Kongress von Berlin 1877, auch in Bezug weib von Böcklin.
auf Darstellung der verschiedensten Charak-
tere einen sehr hohen Rang einnehmen, eben- (Der Schluss folgt)

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