Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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RUDOLF MAISON <^=*~

Den Auftrag zur Ausführung des Kaiser
Friedrich - Denkmals für Berlin erhielt unser
Meister direkt ohne den hemmenden Apparat
eines Wettbewerbes. Das Allgemeine der
Form war gegeben: ein einfaches Reiterdenk-
mal in Kürassieruniform, ohne allegorische
Frauenzimmer und ohne die beliebte Monu-
mentalzoologie, ohne welche andere nicht
auskommen —am Nationaldenkmal für Kaiser
Wilhelm in Berlin sind bekanntlich nicht
weniger als einhundertundsiebenundfünfzig
Tiere angebracht. Das Pferd ist in ruhigem,
zügigem Schritt dargestellt, der Kaiser in
Kürass und Helm. Maison, entschlossen,
sein Bestes zu geben, hat ein volles halbes

KAISER OTTO I.

Dutzend von Hilfsmodellen (vergl. d. Abb. a.
S. 152) für das Denkmal versucht, bis er im
Verein mit Kaiserin Friedrich zur Auswahl
des auszuführenden Entwurfs gelangte.

Auch an kleineren Werken ist in den letzten
Jahren noch mancherlei aus Maisons Werk-
statt hervorgegangen; für eine eingehendere
Würdigung fehlt leider hier der Raum. An
manchen Bauten Münchens stehen dekorative
Figuren von seiner Hand, so am neuen Justiz-
palast Allegorien des Verbrechens und der
Unschuld. Auch Gruppen von Statuetten-
format entstanden, so ein Negerjunge, der
einen Affen mit einem hohlen Kürbis neckt
— als Beleuchtungskörper gedacht (Abb. a.
S. 141); Loge, gefesselt und von Sigyn seinem
Weib behütet (Abb. a. S. 140), und andere
Motive aus der nordisch-germanischen Sage
(vergl. d. a. S. 150 abgebildete Skizze „Götter-
dämmerung"), die zum Teil noch in Arbeit
sind.

Das Arbeitsbedürfnis und Arbeitsvermögen
unseres Künstlers ist unbegrenzt. Maison kennt
fast keine Ruhetage, jedenfalls vergehen oft
Monate, ehe er sich einen solchen gönnt, da
ihm Arbeiten Leben heisst. Weit ausserhalb
der Stadt hat er sich seit etlichen Jahren
sein Heim gebaut in reiner Luft und grosser
Stille. Dort hat er den Bremer Brunnen
vollendet, dort schafft er jetzt an dem Kaiser
Friedrich-Denkmal und dortwerdenderschönen
und grossen Werke noch viele entstehen,
hoffentlich auch solche, welche die Stadt
zieren werden, die seine künstlerische Heimat
ist. Ist doch gerade er durch die grosse Anlage
seiner Kunst zu monumentalen Aufgaben be-
rufen, gerade er als stolzer Typus eines
Menschen seiner Zeit, einer Zeit der Arbeit
und Wahrhaftigkeit!

VON AUSSTELLUNGEN

UND SAMMLUNGEN

H.E.W. HAMBURG. Zu Kunstverein und Kunst-
handlung Louis Bock & Sohn, die hierorts für die
Veranstaltung von Kunstausstellungen bisher allein
in Betracht kamen, hat sich seit einigen Wochen
als dritte, temporäre Ausstellungen veranstaltende
Hamburger Firma das Commetersche Kunstgeschäft
gesellt. Die Commetersche Kunsthandlung ist als
solche nicht neu, in ihrem Fache besitzt die im
Jahre 1821 gegründete Firma sogar das Seniorat auf
dem hiesigen Platze. Doch war ihre Thätigkeit bisher
vornehmlich auf den Verlag und Vertrieb von Kunst-
drucken, Radierungen und Verwandtem beschränkt,
so dass die jetzt vorgenommene Ausweitung ihres
Betriebes einer Neugründung gleichkommt. Zwar
soll der neue Kunstsalon, der in seiner'inneren
Einrichtung neuzeitliche Stilformen1 geschmackvoll
adaptierte, dem Kunstinteresse ohne alle Einschrän-

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