Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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PERSONAL-NACHRICHTEN - DENKMÄLER - - VOM KUNSTMARKT

hat einen Ruf an die Universität Berlin erhalten und Bilderbuches stammt von ihm Auch litterarisch war

angenommen. Die Frage der Nachfolge Hermann der 1868 von Konig Ludwig II. mit dem Professor-

rrimrns ist damit gelöst P*7] Titel ausgezeichnete Kunstler, der unerwartet den

R ANTWERPEN Juliaan de Vr.endt ist Folgen eines Schlaganfalles erlag, vielfach that.g.
zum Nachfolger seines jüngst verstorbenen Bruders = GESTORBEN: In München am 4. Dezember
Albert als Direktor der hiesigen Akademie der der Bildhauer und Maler Professor Heinrich Max |
Schönen Künste ausersehen worden. Auch wurde in Genf, in der letzten Novemberwoche, der Pro-
er beauftragt, die von Albert de Vriendt im Brügger fessor an der dortigen Kunstschule Henri Silvestre.
Rathause begonnenen mächtigen Freskenbilder zu rvcMVuSlED
Ende zu führen. I863) DENKMALER

B.Z. WIEN. Fritz Hass hat jetzt im Kunst- _ BERLIN. Der hiesige Bildhauer Norbert
Salon Hirschler eine Suite Feder-Zeichnungen aus- Pfretzschner wird das aus Innsbrucker studenti-
gestellt. > Satirischer Zeitspiegel ■ benennt der schen Kreisen für dort geplante Adolf Pichler-
Künstler diese Blätter, welche in höhnend trauriger, Denumai ausführen. Der Künstler will nichts dabei
grimmig verächtlicher Art die staatlichen und gesell- venjjenen und s\cn \m Interesse der Sache lediglich
schaftlichen Einrichtungen der Jetztzeit geissein. mjt einem Ersatz der Materialkosten und sonstigen
>Man hat geradezu das Bedürfnis, tausendmal ge- Barauslagen begnügen. I86^
hörte Dinge auch einmal zu sehen«, schrieb F. Hass _ CHARLOTTENBURG. Im Wettbewerb um
auf den die Bilder-Suite erläuternden Katalog. Und dag hier zu erricntende rjenfcma. für Kaiser Fried-
wirklich illustriert der Kunstler eigentlich Schlag- dch u mrie der erste Preis (4000 M.) dem vom
worte. Korruption der Presse Ueberwucherung des Bildhauer 0xT0 RiCHTER-Berlin in Gemeinschaft
Kapitals, Verzopfung des Gelehrtenstandes, der mjt dem Archjtekten , Welz-Charlottenburg ein-
Justiz. Machtlosigkeit der Medizin Tartuffer.e der ichten Entwurfe zuerkannt; den zweiten Preis
Theologie, Aussaugung der Volkskrafte durch In- {25QQ M) erehj,t die gemeinschaftliche Arbeit des
dustrie und Militarismus etc Diesen abstrakten Bildhauers Professor Richard ANDERS-Charlotten-
Begriffen versucht Hass durch allegorische Ueber- burg und des Garnisonsbauinspektors Oskar Zeyss
tragungen plastische Prägung zu geben. Pamphlete in ßerlj der drine preis (1500 M., wurde dem
in Bildern sind diese oft geistreich pointierten sehr Bildhauer Professor Gustav EßERLElN-Berlin zu-
fein und prägnant gezeichneten, von tiefster Misan- ochen. Der an erster Stelle prämiierte Entwurf
thropie durchsetzten Schi derungen des »Weltelends-. fässt zu beiden Sejten e|nes Qvalen Wasserbeckens
Man wurde hinter dem kalt sezierenden Anatomen Smfen zu einem Unterbau aufsteigen, der von den
des >ZeitspiegelS: nicht die farben-poetische Dichter- all ischen Gestalten der Wehrkraft und der Ge-
natur des Malers Hass vermuten |S84J schichte flankiert wird und den Sockel der Reiter-

= BERLIN. Das•Stipendium de,-Adolf Menzel- sta(ue des Kajsers - A der Frontseite des

Stiftung wurde für das Jahr 1900 1901 dem Maler §ockels ^ dje Q e|nes ^ im

Karl Homburg aus Berlin verliehen. - .Die Kampfe mit einer Schlange hervor, eine an der

Kunst im Warenhauses ,st die neueste: Erscheinung, RückHseite nach rechts unsd ,inks abschliessende

welche der Kunsthandel der Reichshauptstadt ge- Brüstung zeigt die Reliefbilder der Schlachten von

zeitigt hat. Das Warenhaus Wertheim hat sich, um Königgrftz und Wörth. [87>]
seinem Konkurrenten Tietz gegenüber einen neuen J^tylEN. [m Wettbewerb um einen *Mözart-

Trumpf auszuspielen, einen .Kunstsalon- zugelegt. bmnnmt erhielten den ersten Prejs Architekt Otto

D,e a teren Berliner Salons haben sich vereinigt, Schönthal und Bildhauer Karl Wollek; den

Kunst ern, die bei Wertheim ausstellen werden, ihre . D . ,__„ D , ' r* > „

u.. ' .,. D . o . ,.. zweiten Preis Josef Bre tner, den dritten: Leo-

Raume zu verschliessen. — Bei Redaktionsschluss „„, „ c_____- r» , - t-> u ,,

. ,. , Tic. ■ u. j- w j pold Scholz. — Der am lo. Dezember vol zosenen

des vor legenden Heftes erreicht uns die Kunde von c„.v.r.ii A r> tu r> i , c \ V ir? t\

j -?r> t-, l ■ i . ij- u -j v . Enthüllung des Goethe-Denkmals folgte am 1 /. De-

dem am 20. Dezember erfolgten Hinscheiden Karl . ,.6 . „ . , ~

D „ , j t-u s -a . a Di- m zember die des Gillenberg-Monuments. Wir werden

Becker s, des Ehrenpräsidenten der Berliner Aka- . ,__., „ , , . s ■• , , TinT

demie. Zwei Tage nach der Feier seines achtzigsten auf beide SchoPf"ngen zurückkommen. («821

Sn'zÜrück?5 iSt " gestorben- Wir komme"s73Tf VOM KUNSTMARKT

= MÜNCHEN. In dem am 17. Dezember ver- = MÜNCHEN. Bei der am 10. Dezember
storbenen Professor Eduard Ille ist einer der be- durch die Fleischmann'sehe Hofkunsthandlung ab-
kanntesten, fruchtbarsten und erfolgreichsten Ver- gehaltenen Versteigerung der Gemäldesammlung
treter der Münchener Illustratoren-Schule älteren Schüller wurden u. a. folgende Preise erzielt:
Schlages dahingegangen. Am 17. Juni 1823 hier- Hermann Baisch f, Die Krabbenfischer 2250 M.;
selbst geboren, war Ille zuerst Schüler Schnorr von Arnold Böcklin, Die Dryaden 11800 M.; Franz v.
Carolsfelds, dann M. von Schwinds. Als Maler in Defregger, Die Dorfschöne 2000 M.; derselbe, Tiroler
einigen Altarbildern nicht sehr glücklich, warf er Bauernmädchen 2000 M.; Fr. v. Lenbach, Fürst
sich bald auf die Illustration und entfaltete hier, be- Bismarck 6100 M.; derselbe, Hans v. Bülow 3400 M.;
sonders seitdem er in den Künstlerstab der »Fliegen- Gabriel Max, Meditation 2900 M. — Weniger er-
den Blättere eingetreten und 1863 deren Mitredakteur freulich war das Resultat der am 13. Dezember durch
geworden war, durch seine Phantasiefülle, glänzen- die gleiche Firma erfolgten Versteigerung von acht-
den Witz und prächtigen Humor unterstützt, eine zehn Bildwerken Mathias Gasteigers, die wegen
reiche Thätigkeit, der wir eine schier unübersehbare Uebersiedelung des Künstlers dem ' öffentlichen
Fülle der köstlichsten Einfälle verdanken. Auch zu Verkauf unterstellt wurden. Die grösseren Werke
den >Münchener Bilderbogen« lieferte Ille mancher- erzielten relativ schlechte Preise, bei manchen
lei Beiträge, daneben illustrierte er fremde Werke: ward nicht einmal der Marmorblock durch den
Grimms Märchen, Fouques Undine, Schartenmayers Einsteigerungspreis bezahlt. Das Städtische Museum
IC. Th. Vischers) Heldengedicht vom siebziger Krieg, in Leipzig erwarb die Werke »Judith«. »Adam und
Bormanns Humoresken aus der Goethe-und Schiller- Eva- und i Frühling«, die Firma Bembe in Mainz
Zeit und schuf auch eigene,selbständige Bilderbücher, die Figur »Glühwürmchenfang«, ein anderer Mainzer
wie »Der Staberl und der Hanswurst«, »Der unzer- Kunstfreund die grosse Brunnengruppe »Der Wasser-
reissbare Hanswurst«. Die Idee des beweglichen scheue«. (874)

Redaktionsschluss: 21. Dezember 1900. .____. 7~;

Ausgabe: 3. Januar 1901.
Herausgeber: Friedrich Pecht. - Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwarte
Verlagsanstal, F. Bhuckmann a.-g. in München, Nytnphenburgerstr. 86. - Brückm.nn'sche Kunst- und Buchdruckerei in München.
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