Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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-a-s^> VON AUSSTELLUNGEN: FRANKFURT a. M.—BUDAPEST

hörigen Böcklin?, und vor allen Dingen drei derschön-
sten Stücke aus dem Besitz des Herrn Majors von Heyl
in Darmstadt, i Die Heimkehr«, »Sieh, es lacht die Au
und eine »Venus Anadyomene-. Solche Dinge wirken
immer wieder mit der Macht einer thatsächlichen
Offenbarung, so oft man sie auch wieder sieht. Das
merkwürdigste als koloristische Leistung ist unter den
dreien wohl die Venus: der nackte, blendend helle
Körper ist förmlich gebadet im Schein der Sonne
und der blauen Reflexe aus Meerestiefen, Licht vom
Licht geboren. Heute, wo wir Manet und Cezanne
hinter uns haben, würde so etwas als Problem nicht
überraschend sein, aber es ist ein Bild von 1873,
ehe noch ein Mensch bei uns an etwas derartiges
dachte, und ehe selbst jene so weit gekommen
waren, und es ist zehnmal schöner als irgend etwas
von jenen. Endlich hat man im Kunstverein auch
einiges von Leibl ausgestellt. Nicht viel, eigentlich
nur ein paar Studien, soviel uns bekannt meist aus
dem Besitz des Malers Trübner, aber es genügt,
um den Urheber in seiner eigentümlichen Grösse
wenigstens ahnen zu lassen. Die Köpfe sind Ende
der sechziger und Anfangs der siebziger Jahre gemalt.
Heute würde man auch diese »impressionistisch-
nennen, sie sind eben so genial, nur etwas weniger
brutal als die Werke der eigentlichen Träger dieser
Richtung, zarter im Ton und mehr mit Liebe an
den Einzelheiten haftend. Auch etwas spezifisch
Münchnerisches ist darin, ein gewisser pikanter Vor-
trag, der noch in den achtziger Jahren auch von
Diez und Löfftz und ihren Schülern gepflegt wurde.
Ist es ein gemeinsamer lokaler Typus unbekannten
Ursprungs, der sich darin zeigt, cder war der Ein-
druck von Leibis Persönlichkeit damals schon so
imponierend, dass er sich, bewusst oder unbewusst,
auf andere übertrug? Man spricht auch soviel von
Courbets Einfluss auf Leibi und er selbst nannte
diesen gerne als einen Mann, dem er viel verdanke.
Aber in den hier ausgestellten Sachen, von denen
die meisten ihrer Entstehungszeit nach etwas von
Courbet an sich tragen müssten, ist davon gar nichts
zu erkennen. Leibi ist viel reiner in der Farbe, und
wie er die Töne aufsucht, wie er sie breit und
flächig nebeneinander setzt, ist er ganz ohne Vor-
bild, ganz er selbst. Warum sind wir eigentlich so
bescheiden, uns noch immer vor dem Auslande zu
verneigen, als seien dort allein die guten Maler zu
Haus? Das Durchschnittsniveau der Franzosen steht
ja allerdings ohne Frage höher, als das unsere, aber
sind denn die Grossen bei uns etwa kleiner, als
anderswo? Nicht um ein Haar, und es sollte uns
freuen, wenn durch die zuletzt erwähnten Aus-
stellungen das Gefühl davon nicht nur in uns, sondern
auch in recht vielen anderen ihrer Besucher aufs
neue befestigt worden wäre. j&

DUDAPEST. Die vom Vizepräsidenten des Nemzeti
Szaloni Johann Hock, internationale Weltaus-
stellung« genannte Bilderschau, welche, wie das von
Cheret gezeichnete und von Hock textlich verfasste
Plakat besagt, unserem Publikum »die Werke der Un-
sterblichen unseres Jahrhunderts«, von den grossen
Meistern die grössten« etc. vorführt, ist trotz dieser
stark marktschreierischen Anpreisung sehr gut. Schon
die Namen der Aussteller bürgen für den künst-
lerischen Wert der vorgeführten Werke, und wenn
auch die meisten Einsender nicht ihr Bestes herge-
geben haben, so freut es uns doch, eine so illustre
Gesellschaft in diesen — für Ausstellungszwecke
allerdings gar nicht entsprechenden — Räumlich-
keiten zu sehen. Gewagt ist auch die Benennung
international; denn über neunzig Prozent der Aus-
steller sind Franzosen; von den deutschen sind nur

Lenbach und Stuck vertreten; England, Belgien,
Holland mit je ein bis zwei Künstlern. Im ganzen
sind zweihunderzweiundsiebzig Werke ausgestellt
worunter zweihundertsechs Oelgemälde, Pastelle und
Aquarelle, das übrige Skulpturen und Werke der an-
gewandten Kunst. Wenn auch, wie wir bereits gesagt
haben, nicht alles so gut ist, wie die Namen, so ist
doch vieles vorzüglich und einiges ganz ausgezeichnet;
in die letztere Kategorie gehören die aus dem Besitz
des Grafen Julius Andrassy ausgeliehenen Werke
aus der Schule von Barbizon: Diaz, Millet, Corot,
Troyon, Dupre; auch ein Munkacsy und das Porträt
der Gräfin Traun von Lenbach sind aus oben er-
wähnten Privatbesitz. Stuck ist mit einer Bacchantin
auf einem Faun reitend sehr gut vertreten. Benjamin
Constant hat die Skizze zum Porträt Lord Dufferins.

laurids tuxen bildnis

und Carolus Duran jene Albert Wolfs gesandt.
Aus diversen Pariser Salons sind bekannt: Die
»Liseuse von J. P. Laurens, L' epee= von Agache ;
Roll's »Familie Rochegrosse's Bai des Ardents .
Recht schwach in der Farbe ist Breton's Feuer-
lärm«. Von Henner sehen wir das bekannte kleine
Mädchen mit dem Elfenbeinteint und dem roten
Kopftuch; Puvis de Chavanne's Vigilance- weist
die breite einfache Weise des Meisters auf. Die zwei
Venezianerinnen von Aman-Jean zeigen die be-
kannten raffinierten Farbenaccorde dieses Künstlers.
Die beiden Zwielichtbilder von Le-Sidaner sind von
ganz besonderem Reiz, wenn auch die Mache stark
an Manier streift. Ergreifend geschildert ist Cottet's
»Blinde Bretonin-.; auch sein ■>Dattelmarkt in Luxor«
ist interessant. Ein eigenartiger Künstler ist Gaston
la Touche, dessen, in einem mit farbigen Glas-
malereien versehenen Kirchturm die Glocke läutenden
Bretonen von ausnehmenden malerischen Reiz sind.
Besnard's Ruhende Dame« ist wie alle Damen
Besnards von einer Seite gelb und von der anderen

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