Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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«a-*Ö> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN

dort einstellen, wo Liebe zur Sache und die Mittel
zu deren Befriedigung zusammentreffen. Zu diesen
von den Söhnen und Erben des verewigten Samm-
lers, den Herren Eduard und Theodor Behrens zur
Ausstellung geliehenen Werken sind einige Tafeln
aus der rühmlichst bekannten Galerie des Herrn
Konsuls Eduard Weber hinzugekommen. Der Haupt-
anteil ist indes Behrens'scher Besitz, da der Senior-
Chef dieses Hauses das Sammeln der Fontaine-
bleauer zum Gegenstande seiner besonderen Sorg-
falt gemacht hatte, während Herr Ed. Weber beim
inneren Ausbau seiner Galerie keiner Nation und
keinem Zeitabschnitt einen Vorzug einräumt und,mit
Ausnahme der neueren und neuesten Zeit, sein Haus
gastlich allen Künstlern aus allen Zeiten und Län-
dern offen hielt und auch heute noch offen hält.
Eine Inhaltsangabe des von den einzelnen Fontaine-
bleauer Meistern Gebotenen zu fordern vermag nur,
wer sie nicht kennt, und einem solchen werden
Worte erst recht nichts sagen, denn diese Künstler
dachten nicht an topographische Genauigkeit, an die
Anfertigung einer Landkarte ihres Vaterlandes. Die
Landschaft war für sie keine Scenerie, sondern ein
Seelenzustand. Und darum sind uns die Werke
dieser Meister mit allen ihren offenen und ver-
deckten Reizen, die zwei Generationen in Ekstase
versetzt, und die auch heute noch auf dem Kunst-
markt den Preis diktieren, heute mehr als sie ihrer
Zeit gewesen sind, und doch auch wieder weniger.
Mehr, weil dem künstlerischen sich bereits ein
historisches Interesse gesellt, und weniger, weil
unser Auge in den teilweise schweren und teilweise
wieder wie im Hauch hingesetzten Farben, in denen
sie gemalt sind, die Farben der Natur, so wie wir sie
heute sehen, nicht wieder zu erkennen vermag.
Keine Frage, dass, wenn es uns nach einer Be-
rührung mit dem Seelischen in der Natur verlangt,
wie es nur durch den geweihten Künstler erkennbar
und fühlbar gemacht werden kann, wir uns zunächst
diesen Werken der Meister von Fontainebleau zu-
wenden werden, heute wie nur je zuvor. Doch
ebensowenig kann ein Zweifel darüber bestehen,
dass, wenn es uns verlangt, von der Natur als
farbiger Erscheinung zu erfahren, unsere Modernen,
trotzdem die Erdenschwere des Handwerklichen
ihren Werken vielfach noch recht empfindlich an-
haftet, diese mit ihrem Lallen uns mehr zu sagen
wissen als jene. W.

W/'IEN. Die Secession zeigt jetzt die Sonder-Aus-
" Stellung einer grossen Anzahl von Bildern des
Malers Joh. Krämer. Von einer Reise nach Palästina
und Indien zurückgekehrt, giebt uns der Künstler
Natur-Ausschnitte, Race-Typen, Architektonik, giebt
uns Heiligenbilder mit echtester Milieustimmung.
Man muss den Fleiss, die Sammelkraft Krämers
bewundern, durch welche die so ausserordentlich
grosse Anzahl ethnographisch höchst interessanter
Werke zur Ausführung gelangten. Scharf beobachtet
— und scharf wiedergegeben, mit klugem Sinn
aufgefasst — und mit kluger Hand gemalt sind die
kaltweissen Städte, die staubiggrünen erschöpften
Palmen- und Oliven-Haine, sind die jauchzenden
Blüten-Hymen und auch die klugen, die sinnenden
Köpfe der Orientalen, die erhabene Grösse ihrer
verfallenen Tempel. Fest und ruhig im objektiven
Erzählerton trägt Krämer eine höchst lebendige, die
Anschauung sehr anregende Reiseschilderung vor.
Auf eine eigene Vision, eine Uebertragung indvi-
duellen Temperamentes in den fremden Stoff —
müssen wir freilich verzichten. Alles, was aus einem
Naturthema herauszumeisseln war, ist mit grösster
Ehrlichkeit und feinerErkenntnis herausgeholt worden,

nur in die Natur hat der Künstler die eigene Seele
nicht hineingedichtet. B. Z.

V^fEIMAR. Hierselbst wurde die weiland Sr. Kgl.
" Hoheit dem Grossherzog Karl Alexander zu
seinem achtzigsten Geburtstage von Weimarer
Künstlern der Vergangenheit und Gegenwart ge-
stiftete Ehrensammlung feierlich eröffnet. Erschienen
waren der regierende Grossherzog und die Spitzen
der Behörden, sowie eine grosse Anzahl der ge-
ladenen Stifter. Der Direktor der Kunstschule, Prof.
Graf v. Görz, hielt die Eröffnungsrede,- in welcher
er auf die hohen Verdienste des verstorbenen
Grossherzogs um die deutsche Kunst hinwies. Die
Gallerie umfasst hunderteinundfünfzig Werke der
Malerei, Skulptur und Griffelkunst und seien hier
nur einige wenige Namen der hundertachtundzwanzig
Stifter genannt: Böcklin, Brendel, Donndorf, Gussow,
Halm, Hildebrand, Kalckreuth, Lenbach, Liebermann,
Marr, P. P. Müller, Rene Reinicke, Unger etc. Die
hochinteressante Sammlung hat eine sehr würdige
Aufstellung in dem besonders zu diesem Zwecke
hergerichteten Gebäude neben der Kunstschule
gefunden. r.

aug. rodin die innere stimme

(Ausstellung der Berliner Secession)

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