Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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-a-5Ö> GROSSE BERLINER KUNSTAUSSTELLUNG <^»v-

zur Vorführung einer grossen Anzahl von
Werken veranlasste, warum sie Werner
Schuch , Ernst Henseler, Hoffmann-
Fallersleben, Carl Saltzmann und noch
ein paar andere mittelmässige Maler aufforderte,
ihre bescheidenen Leistungen in Massen dar-
zubieten, ist unerfindlich. Niemand hat einen
Nutzen davon, am wenigsten die Künstlerselbst;
denn in dem günstigen, allgemeinen Eindruck
ihrer Sonderausstellungen gehen sogar etwa
vorhandene Vorzüge einzelner Leistungen
rettungslos verloren. Auch die Sonderaus-
stellung von F. A. Bridgman ist kaum ge-
eignet, grössere Teilnahme zu erregen. Der
in Paris lebende amerikanische Künstler wirkt
als Persönlichkeit wenig interessant, und seine
Bilder aus aller Herren Länder, hauptsächlich
aber aus Algerien bieten selten mehr als die
Vorzüge einer ausgezeichneten Schule, die
es aber nicht fertig bekommen hat, eine
eigentliche malerische Empfindung bei dem
Künstler zu entwickeln.

Es ist leider nicht möglich, von irgend
welchen charakteristischen Kunstleistungen
auf dieser Ausstellung zu sprechen. Eine aus-
gesprochene Juste-milieu-Stimmung ist über
dem Ganzen ausgebreitet, derEhrensaal bezeich-

nend für alles übrige. Mitten darin Schaper's
Statue der Königin Luise mit dem Prinzen
Wilhelm auf dem Arm als „Heilige Frau",
vor den Ecknischen der Antoninus Pius für
die Saalburg von Johannes Goetz, Klein's
massiver Samson, ein sehr unbequem „Schlafen-
der Mensch" von Eberlein und Herter's brave
Siegesgöttin vom Potsdamer Kaiser-Wilhelms-
Denkmal. An den Wänden ein abschrecken-
des Beispiel von veralteter Historienmalerei:
Gustave Vanaises „Dieu le veut" — eine
Kreuzzugspredigt „Peters von Amiens" —
eine trockene Kampfscene von Röchling
„Grossbeeren", ein gleichgültiger Seesieg von
Hans Bohrdt und recht unpersönliche Bild-
nisse Noster's vom Kaiser und vom Prinzen
Heinrich. — Am wenigsten anregend in dieser
Ausstellung sind die Berliner. Nirgends ein
Werk, das sich fest der Erinnerung ein-
prägte, nirgends eine Persönlichkeit, die durch
ihre Art, die Welt zu sehen, fesselte. Ein
paar angenehme Eindrücke hat man von
Erich Eltze, der eine „Malerin" in ihrem
Atelier und eine häusliche Scene — eine
Frau bürstet ihrem Jungen den Rock ab —
mit Gefühl für malerische Wirkung zeigt,
und von einigen Bracht-Schülern, unter denen

jozef israels über das feld

Ausstellung der Berliner Secession

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