Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 16.1900-1901

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-a-5Ö> AUGUST HOLMBERG <££ä=^

zeitig, den Reiz feinsten, geistigen Genusses, von einem ebenso bestimmten Wollen wie
den Zauber künstlerisch ausgestatteter Innen- Können zeugt, nicht nur die feine Beobach-
räume und die unerschöpfliche Schönheit der tung und Wiedergabe der Objekte, sondern
Natur. Der Künstler nimmt unseren Blick insbesondere auch die eminente Art, wie er
sofort gefangen durch die wunderbare Stirn- durch Kombination, Form und Farbe auf
mung, die seinen Bildern eigen. Der schim- unser geistiges Empfinden wirkt. Was spricht
mernde Glast direkten Lichtes, den er durch nicht alles aus all den prächtigen Werken
teils geschlossene, teils weitgeöffnete Fenster der Kleinkunst, die uns ganze Geschichten
von einer Landschaft aus in den Innenraum über den hochentwickelten, künstlerischen
hereinspielen lässt, die warmen Reflexlichter Schöpfungstrieb, über den Luxus und die
des Raumes selbst, die er meisterhaft mit behäbige Wohlhabenheit vergangener Zeiten
jenem zu verschmelzen weiss, geben eine so erzählen; welch' mannigfaltige Reminiscenzen
wunderbare Umrahmung für die vornehmen erweckt in uns der Raum, der sie umgiebt,
Gestalten seiner Kardinäle, Mönche und Ge- die Landschaft, die durch lichtspendende
lehrten und mit diesen selbst ein so harmo- Fensterflächen hereinleuchtet — es sind nicht
nisches Ganze, dass nichts den vollen Genuss nur Bilder, es sind Dichtungen, die wir vor
des Beschauers, nichts die Feiertagsstimmung uns haben.

stört, die uns bei der Mehrzahl seiner Bilder Von den vielen Werken, die Holmberg ge-
überkommt. In ähnlicher Weise behandelt er schaffen hat, seien nur einige hier noch er-
seine Stilleben, die mit zu dem besten gehören, wähnt. Im Jahre 1884 erwarb er sich mit
was je auf diesem Gebiete geschaffen worden seinem prächtigen Bilde „Der Numismatiker"
ist. Wir bewundern in ihnen nicht nur die auf der Ausstellung in Wien die Karl-Ludwigs-
hervorragende technische Vollendung, welche Medaille; und eine Medaille in Antwerpen.

1885 kaufte die kgl. Pinakothek
in München das Bild „Junger
BflHHMHHMHHMM|MIH Gelehrter" und 1886 das Museum

in Leipzig den „Goldschmied".

1887 malte er im Auftrage des
Magistrates von München das
Porträt des Prinz-Regenten von
BjSfc&^ ' ' Bayern für den grossen Saal des

neuen Rathauses, während gleich-
I \S zeitig der Regent selbst eines

seiner Bilder erwarb.
?9B| ' Auf der Ausstellung in Wien

yu0t 1 im Tahre 1888 wurde ihm dann

^■v" ^KBr %* für den schon erwähnten „Numis-

"Jgk matiker" die grosse, goldene

H» v\ä Jp^P^, R^^flfltH Staatsmedaille verliehen.

^ESr A'" fk -f'ßQ Im Janre 1894 bestellte der

V Staat ein grosses Altarbild für

■ J Ali die Hauptkirche in Obernburg

JM Ik - a. Main „Christus am Kreuze über

4H|H der Stadt und der sie umgeben-
^jjr^ den Landschaft schwebend", eine

/49r2ijH Aufgabe, die Holmberg in glän-

/ jK fl JhH zender Weise löste. Bald nach-

UJBB^JMmn her entstand ein zweites Porträt

»^BH des Prinzregenten, das die neue

g Aula der Universität Würzburg

War Mt^^C lÜ schmückt.

|L T N .JS> /fl Das Bild „Der Heraldiker,

Kardinal am offenen Fenster"
wurde 1897 auf der Ausstellung
in München mit der zweiten gol-
denen Medaille und 1900 auf der
^^^^^^^^^^^^^^^^■^^^^■^^^^^■^^^^^^^ grossen Ausstellung in Paris
aug. holmberg bildnis seiner gattin ebenfalls mit der zweiten Me-

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