Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 17.1902

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-*-^> ARNOLD BÖCKLIN

oder Assimilierten, so dass aus geringem An- hellen allgegenwärtigen Verstand ihr Talent
lass mit rapider Ideenassociation ein Bild vor zu etwas ungleich anderem gemacht als zu
seinem geistigen Auge entsteht. Das Ge- einem blossen selbstleuchtenden Ding,
dächtnis aber ist die Grundlage dessen, was (
wir Phantasie nennen. *
Das Arbeiten aus dem Gedächtnis bringt Es ist eine Freude, Böcklin jetzt (1887)
es mit sich, dass der Künstler ungebunden im Atelier zu sehen. Nur noch „giudizio".
von den mit tausend Zufälligkeiten behafteten Wie er so vor seinen grossen Bildern steht
Einzel- und Momenterscheinungen, frei mit und abwägt. Die letzten Dezimalstellen aus-
dem für ihn Wesentlichen zu schalten ver- gleichen — überlegen: welche Dummheiten
mag, mit dem, was ihm wirklichen anschau- muss ich stehen lassen, um Anderes, Wert-
lichen Genuss gewährte, was ihm die Eigen- volleres zu erreichen — das ist so jetzt
tümlichkeit des Moments aussprach, offenbarte, seine Hauptarbeit. Die sichtbare Arbeit ist
immer im Augenblick gethan.
* s * Es giebt da kein „das bedeutet", sondern
nur „das ist" und zwar „ist" ohne Hinter-
Böcklin sagt: „Man darf absolut nichts gedanken und Hineingeheimnisstes: Anschau-
Unwahrscheinliches machen. So ein Münchner ung für die Anschauung,
macht dahinten irgendwo, um den Raum zu Wie ein Ringer, voll allseitig gespannter
füllen, als ob es sich um eine Arabeske Aufmerksamkeit, Kraft und Klugheit, packt
handle, eine Fahne, die sohin weht, und er seine Aufgabe, sie überall fassend, wo sie
Bänder, die andershin flattern. Und die fassbar wird während des Kampfes, jeden
Schreier nach Natur finden nichts dabei." blitzschnell gefühlten, neuentstehenden Vor-
Er ist der personifizierte künstlerische Ver- teil, so weit es geht, auszunutzen.
stand bis in den kleinsten Strich, bis auf _
den unscheinbarsten Ton, in
jeder Unterlassung nicht minder.
Dieser Verstand ist Herr der
reichsten, unermüdlich selbst-
erworbenen technischen Erfah-
rungen. In ihrem Kreise hält
er, an strenger Longe, den un-
erschöpflichen Vorspann eines
allseitigen Gedächtnisses und die
Naturempfindung eines wahren
Künstlers.
Freuen wir uns, wenn einem
noch die Sonne ins Hirn scheint,
dass er Licht und Farbe sieht
und aufweisen will, wo für andere
nur weissliches Grau ist!
Es ist in der Kunst wie Kette
und Einschlag — beides gehört
zum Gewebe — die Natur und
der Mensch, der sie zu neuem
Besitz bildet. Aber begreiflicher-
weise kommt alles darauf an, ob
diese Weberei bloss ein dres-
siertes Können ist, wie z. B.
bei Lenbach, oder eine jedes-
malige eigenartige Anschauung.
Ich weiss den einzigen Ver-
gleich mit unserem Freund Gott-
fried Keller, der auch sein künst-
lerisches Gut in festen Händen
trägt und es blitzen lässt, wie
er will, nicht mehr und nicht arnold böcklin vestalin
weniger. Beide haben durch (Das Original im Besitz von Maximilian von Heyl in Darmstadt)


Die Kunst für Alle XVII.

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