Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

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«3-5s£> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN

pvÜSSELDORF. Aufschloß Burg an der Wupper objektiver Korrespondent für das ungarische Kunst-

fand am 20. September die feierliche Einweihung leben. B. L.

der von Professor Willy Spatz ausgemalten Schloß-
kapelle statt. Auch wurde das vom Bildhauer Friedr. FRANKFURT a. M. In der Frühe des 22. Sep-
Courbillier ausgeführte Denkmal des Grafen Adolf *■ tember starb hier Professor Johann Alexander
von Berg enthüllt, das im Schloßhof auf einer Linnemann, der im Gebiet der dekorativen Künste
Brunnenanlage zur Aufstellung gekommen ist. und insbesondere der Glasmalerei zu den ersten

künstlerischen Kräften Deutschlands gehört hat.
UDAPEST. Der Maler Antal Tahi ist in sei- Linnemann wurde am 14. Juli 1839 in Frankfurt
nem siebenundvierzigsten Jahre am 31. August geboren. Sein künstlerisches Bekenntnis wurzelte
plötzlich gestorben. Ein bescheidener, die Stille in den Anschauungen der deutschen Gotik, in

suchender Mann, der deren Kenntnis er ein eminentes Wissen mit höchstem
aber in einer desto künstlerischen Feingefühl verband. Auf diesem
glänzenderen Traum- Grunde ruhte auch seine produktive Tätigkeit, die
weit lebte, starb er, wie sich jedoch bei aller prinzipieller Gebundenheit nie
er gelebt: einsam und anders als in einer völlig persönlichen und stets
verlassen. Seine künst- neue Möglichkeiten des Ausdruckes schaffenden
lerische Ausbildung be- Form vollzog. Eine wahrhaft geniale Leistung war
gann Tahi in Budapest, in dieser Hinsicht die von ihm, gemeinsam mit
setzte sie fort in Mün- Steinte durchgeführte Ausmalung des Frankfurter
chen und brachte sie Doms, wobei so ziemlich der ganze dekorative Anteil
in Paris bei Munkacsy Linnemanns Werk ist.
zur Vollendung. Ob- Die Wiederherstellung
zwar er auch mit seinen und Ausschmückung
Oelgemälden schöne der Wahlkapelle der
Erfolge erzielte, insbe- deutschen Könige, die
sondere mit seinen sich in den letzten
>Gute Nachrichten<, Jahren an jene frühere
>Unsere guten Slova- Schöpfung anschloß,
ken<, >In der Maschi- war ihm zu vollenden
antal tahi nenfabrik«, welch letz- nicht mehr vergönnt,

(t 31. August) tes mit einer grossen Ein Werk, das seinen

Medaille ausgezeichnet Namen vor anderen be-
wurde, leistete er doch kannt gemacht hat, sind
sein Bestes in seinen Aquarellen, deren hervor- die gemalten Fenster
ragende Eigenschaften ein lebhaftes Kolorit und für Wallots Reichstags-
leichte, prickelnde Behandlung sind. Auch als gebäude, die der Künst-
Radierer hat er sich ab und zu betätigt. Der>K.f. A.< 1er im Jahre 1894 voll-
war er seit Jahren ein gewissenhafter, ernster und endete, das Hauptbild

eine Allegorie auf die joh. alex. linnemann
Erfüllungdesdeutschen (f 22. September)

Einheitsgedankens. Von
herrlicher Klarheit der

Anordnung und mächtiger Wirkung sind sodann in
Frankfurt die Fenster der Katharinenkirche; zu
seinen letzten Arbeiten in demselben Kunstzweige
gehörten umfangreiche Entwürfe für den Magde-
burger Dom. Von anderen Orten, für die Linne-
mann, sei es als kundiger Restaurator älterer kirch-
licher Glasmalereien, sei es als neu schaffender
Künstler in gleicher Richtung tätig gewesen ist,
nennen wir Bonn, Eltville, Friedberg, Hannover,
St. Johann, Konstanz, Leipzig, Mainz und Köln.
Auch für private Auftraggeber sind zahllose Arbeiten
aus Linnemanns Händen hervorgegangen. Linne-
mann war von Haus aus Architekt, und er ist diesem
Berufe auch in späterer Zeit nie ganz untreu ge-
worden. Von seiner hohen baukünstlerischen Be-
gabung zeugten noch jüngst seine Entwürfe für die
Restaurierung des Meißner Doms. Der Hingang
des originellen, auch im geselligen Leben mit seinem
Witz und seiner Schlagfertigkeit gern gesehenen
Mannes bedeutet für das Frankfurter Kunstleben
einen tief zu beklagenden Verlust. j^-

El ERN. Bund und Kunstpflege. Es ist bei uns in der
*^ Schweiz wie an anderen Orten auch. Der >Bund<,
d. h. die eidgenössische Regierung, unterstützt die
Kunst; aber an dieser Unterstützung wird viel herum-
genörgelt. Den einen, den Künstlern natürlich, ist
sie zu klein; andere wieder finden, das Geld fließe
in die unrechten Hände, weil es nämlich nicht in
ferd. hodler studie die ihren wandert. Die Unzufriedenen schelten die

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