Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

Seite: 139
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ANSELM UND HENRIETTE FEUERBACH
UND IHRE BEZIEHUNGEN ZUM GRAFEN SCHACK

(Schluß von Seite 112)

Zunächst arbeitete Feuerbach „doch noch" nert. „Briefe bitte ich Sie (schreibt er am
mit großem Eifer an seinen Werken für die 15. Juni an Schack) in meine Wohnung gütigst
Schackgalerie. Den „Petrarca in der Kirche adressieren zu wollen, da ich für die nächste
Laura erblickend", vollendete er nach gefähr- Zeit, der Ruhe und Stille bedürfend, alle Be-
licher Erkrankung Anfang 1865 in wenigen suche und Besucher von meinem Atelier fern-
Monaten. Er brachte ihm 2000 fl. Honorar halten werde." Diese und ähnliche Abson-
ein. (Die „Badenden Kinder" 600 fl., die derlichkeiten haben ihm den Ruf eines Melan-
„Nymphe" S00 fl., „Romeo und Julie" wahr- cholikers eingetragen und, was noch schlimmer
scheinlich 1000 fl.) „Es ist meine stete Sorge", war, die Ursache zu vielen Entfremdungen
schreibt Henriette um diese Zeit an Schack, gebildet. Zur gleichen Zeit unterhielt er sein
„daß Anselm recht bis auf den Grund der künstlerisch wertvolles, materiell sehr schädi-
Seele einsehen soll, wie viel Dank er Ihnen gendes Verhältnis zu Nana, einer jener schönen
schuldig ist, — den Dank für seine ganze Römerinnen, die weniger Wert auf das volle
künstlerische Existenz, was ja viel mehr ist Herz, als auf die volle Börse des in sie ver-
als gewöhnliches menschliches Leben." Feuer- narrten Tedesco oder Inglese legen,
bach selbst aber war stets der Ansicht, daß Während seiner Flucht aus der Gesell-
en den Tagen der Kunstblüte die Dankbar- schaft war der Meister „dämonisch fleißig",
keit zwischen dem Künstler und dem Be- wie er selbst schrieb. Neben dem „Petrarca",
steller geteilt war" (Vermächtnis p. 91). den er „ein ganz ausgezeichnetes Bild"

Er schätzte seine Werke höher, als es nennt*), malte er eine „Laura im Park" für
seine damaligen Abnehmer taten, und

richtete sein Leben nach dieser Selbstschätz- *) Brief an Henriette vom 12. Januar 1865.
ung ein. Er gab mehr Geld aus, als
dies seine nicht unerheblichen und
regelmäßigen Einnahmen vertrugen.
Ohne seine Mutter, seine Bankiers Nast
und Kolb in Rom und besonders Köster
in Frankfurt a. M., welche seine Finanzen
regelten, so gut es ging, wäre er aus
den Geldverlegenheiten nie herausge-
kommen. Bezeichnenderweise suchte
sich sein Freund Victor von Scheffel im
Jahre 1867 durch Schack für eine größere
Schuld bezahlt zu machen, welche
Feuerbach neun Jahre vorher bei ihm
kontrahiert hatte. Auf den Vorschlag
Scheffels*): „Von der in diesem Sommer
durch Ihre (Schacks) ausdauernde und
mäcenatische Güte der Frau Feuerbach
zukommenden großen Summe soll der
Betrag von 400 Gulden als Abtragung
der Hälfte jenes römischen Darlehens
an mich zurückgelegt werden", ging
Schack mit gewohnter Gutmütigkeit ein,
obwohl Scheffel ihm persönlich unbe-
kannt war.

Im Jahre 1864 hatte Feuerbachs Ab-
schließung gegen alle Welt begonnen,
welche an diejenige von Marees erin-

*) Brief Scheffels an Schack vom 8.Mai 1867. louis jimenez zwei glückliche

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