Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 18.1902-1903

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-sr4^> VON AUSSTELLUNGEN

— DENKMÄLER — KUNSTLITERATUR <^*~

Moment. Hier ist nichts von flacher Schönmalerei,
sondern treue Abbilder glücklicher Kinder, denen
das Leben die Sonnenseite zeigt, blicken uns aus
diesen, mit Liebe und Verständnis für der Kinder
Frohnatur geschaffenen Porträts an. Als treff-
licher Seelenmaler männlicher Typen tritt der
Künstler vor allem in den Bildnissen des Herrn
Emil Sauer, des Freiherrn von Heyl-Darmstadt, des
Schweizer Ahegg-Arter und in der Pastellstudie
des Prinzen Ludwig von Battenberg hervor, kraft-
volle Modellierung verbindet sich hier mit einer
charakteristischen Auffassung, die den Kern der
einzelnen Persönlichkeit klar zutage treten läßt. Die
Galerie schöner Frauen ist eine besonders reiche,
jede Monotonie hat der Künstler hier weislich ver-
mieden, und so kommt es, daß jede dieser vornehm
jugendlichen Gestalten durch besondere male-
rische und seelische Schönheiten den Blick fesseln.
Das Bildnis seiner Gemahlin in Weiß, das meister-
hafte Einzelporträt der Großherzogin von Hessen,
der Kopf der Kaiserin von Rußland, Gräfin Moy,
Fräulein Pringsheim und Baronin Michael, sowie
verschiedene anmutige weibliche Studienköpfe ge-
hören zu dieser Heerschau, welche ihres Autors
Können im glänzendsten Lichte zeigen. Daß die
Berliner Kunstfreunde angesichts der färben- und
formvollendeten Skizzen für den Sitzungssaal des
Bundesrats — Germania, Künste, Wissenschaft,
Handel, Ackerbau schützend — traurig sind, daß
nach Wallots Scheiden einem anderen Künstler als
Kaulbach die Ausführung jenes Wandschmuckes
im Reichshause übertragen wurde, werden die Leser
dieser Zeitschrift begreifen. — Angeli sagte einst:
Alle künstlerischen Darbietungen gliedern sich in
zwei Gruppen: die erste handelt nach Dürers
Wort: ;So gut, als ich kann<, die zweite huldigt dem
Grundsatz: >Für euch Bagage — vulgo Publikum —
ist alles gut.« — Fritz August v. Kaulbachs Sonder-
ausstellung 1902 gehört zu Gruppe [. H. V.

DASEL. Die Gottfried Keller-Stiftung erwarb aus
der Ausstellung von Arnold Böcklin's Nach-
laß die unvollendet gebliebene zweite Variante des
'Krieges« Abb. XVII. Jahrg., S. 23) nebst der Skizze
dieses Bildes. Als Kaufpreis werden 40000 Franken
genannt.

V'OBLENZ. Für die Städtische Galerie wurde auf
**■ der Deutsch-Nationalen Kunstausstellung in
Düsseldorf eine Landschaft >Aus der römischen
Campagna« von Albert Flaum erworben.

ELBERFELD. Das Städtische Museum erwarb ein
*-* Gemälde »Heimkehrende Herde« von Fried-
rich voltz.

DENKMÄLER

D RAUNSCHWEIG. Am 10. November ist Karl
Echtermeier's Denkmal des Reformators
Bugenhagen — des für die Einführung der Re-
formation in der Stadt Braunschweig so verdienten
Mannes — enthüllt worden. Eine würdige Stätte
hat es gefunden, auf historischem Boden, auf dem
einstigen alten Kirchhofe der Kirche von St. Ulrici,
in der Bugenhagen seine rege Tätigkeit besonders
entfaltete. -e.

DERLIN. Der Bildhauer Arthur Boue ist vom
" Reichsmarine-Amt mit der Schaffung des Denk-
mals betraut worden, das in Malaga zur Erinnerung
an die mit dem Schiff Gneisenau verunglückten

Offiziere und Mannschaften errichtet werden soll.
— Mit der Ausführung eines Denkmals für den bei
einer Luftfahrt verunglückten Hauptmann Hans
Bartsch von Sigsfeld wurde der Bildhauer H. W.
von GlOmer beauftragt.

A/IÜNCHEN. Auch der zweite vom Bildhauer
Karl Killer eingelieferte Entwurf für das
nach Reichenhall bestimmte Wittelsbacher Brunnen-
denkmal hat die Genehmigung des Preisgerichts
nicht gefunden. Es wurde beschlossen, 'den Bild-
hauer Karl Killer aufzufordern, noch eine zweite
Krönungsfigur zu entwerfen, den Säulenschaft durch
den ursprünglichen reich und geschmackvoll orna-
mentierten zu ersetzen, die vier sehr skizzenhaft
gehaltenen Löwenfiguren feiner zu stilisieren, das
Brunnenbecken wesentlich zu erweitern und ge-
diegenere Wasserausläufe anzubringen«.

IESBADEN. Auf dem neuen Friedhof ist das
von Prof. Adolf Hildebrand geschaffene
Denkmal des Tondichters Heinr. von Herzogenberg
enthüllt worden.

KUNSTLITERATUR

Adolph Bayersdorfers Leben und Schrif-
ten. Aus seinem Nachlaß herausgegeben von Hans
Mackowsky, August Pauly und Wilhelm Weigand.
(München, Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G., 14 M.,
gebd. 16 M.)

Ein stattlicher Band von fünfhundert Seiten, der
Aufzeichnungen und ausgereifte Schriften von Bayers-
dorfer enthält, der sonst bei seinen Freunden und
Fachgenossen mehr als geistreicher Causeur bekannt
war. Er, der so viele Abhandlungen und Bücher nicht
nur beeinflußt, sondern auch veranlaßt hat, war ja
mit zunehmender Lebenserfahrung immer weniger
geneigt, selbst ein Urteil schriftlich niederzulegen,
außer in Briefen, zu denen er aber sich sein ganzes
Leben hindurch nur selten entschlossen hat. Nun
geben seine Freunde, die allen Aeußerungen seines
beweglichen Geistes liebevoll nachgegangen sind,
eine erkleckliche Anzahl von teilweise recht umfang-
reichen Schriften heraus, die er als junger Mann für
Zeitschriften fertig gestellt oder als erfahrener Kunst-
historiker wenigstens skizziert hatte. Manches mag
darin jetzt schon wieder veraltet sein, aber die klare,
oft kaustische Prägnanz des Ausdruckes und das
tiefe, hinter ironischer, und dabei oft schmerzlicher
Resignation verborgene Empfinden des merkwürdigen
Mannes, der eine der kompliziertesten Erscheinungen
in der gegenwärtigen deutschen Kunstwelt gewesen
ist, kommen stets zu dergleichen packenden Wirkung,
die seine Worte im Leben hatten, wenn sie zögernd
über die Lippen traten. Der Band enthält zwei Würdi-
gungen Bayersdorfers von W. Weigand und von
H. Mackowsky als Einleitung. Dann folgen Bayers-
dorfers Studien zur Florentiner Kunstgeschichte und
mancherlei Notizen aus Galerien und Kirchen Italiens,
ferner einzelne Aufsätse verschiedenen Inhalts, von
denen besonders die 1874 in der Wiener Freien Presse
erschienene Studie über neue Kunstbestrebungen
in München erwähnt sei, als ein Beispiel für den
klaren Blick, mit dem Bayersdorfer die lebende Kunst
verfolgte. Eine sehr schätzenswerte Beigabe sind die
Briefe, in denen der reiche Esprit des Mannes so
erquicklich leuchtet. DeaSchluß bilden die bekannten
Humoresken. Die Publikation ist, Bayersdorfers Natur
entsprechend, ein Torso; jedoch auch in dieser Gestalt
hat sie Anspruch auf Dank, vor allen bei denen, die
den Mann persönlich gekannt haben. vi.

Redaktionsschluß: 15. November 1902. Ausgabe: 27. November 1902.

Herausgeber: Friedrich Pecht. — Verantwortlicher Redakteur: Fritz Schwartz.
Verlagsanstalt F. Bruckmann a.-g. — Druck von Alphons Bruckmann. Sämtlich in München.
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