Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 22.1906-1907

Seite: 198
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~^=ö> VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN

Künstlers zwei ältere Studienköpfe, Aranjuez und zweij-Windsch ist Prof. Oskar Frenzel mit einer
Bella, deren wundervolle malerische Art beweist, Kollektion von etwa 25 Oelgemälden zu sehen,
daß Habermann vor etlichen zwanzig Jahren künst- Diese Ausstellung offenbart mit einer merkwürdigen
lerische Eindrücke von Leibi empfangen hat. Sie Deutlichkeit den Unterschied zwischen dem ver-
wurden dann freilich nach seinem eigenen Wesen quälten Atelierbild und der Arbeit, die unmittelbar
verarbeitet und umgewertet und sein Stil ist heute vor der Natur entstanden, wo der Künstler in starker
eben der Stil Hugo von Habermanns! Im hellen Konzentration das wiedergibt, was der Natureindruck
Ecksalon des ersten Stockwerks sind neue Arbeiten in ihm auslöst. Den großen Atelierbildern Frenzeis
Fritz Erlers zu sehen, weibliche Studienköpfe haftet allen eine Unsicherheit in der Komposition
und Bildnisse von des Künstlers Gattin. Die letztere (Ausschnitt) und in der Farbe an, während die klei-
ist bald in einer Sommertoilette im Interieur, bald neren jedenfalls alle vor der Natur entstandenen
in schlesischer Nationaltracht, dann wieder als Bilder direkt erfrischen. Ferner zeigt der Salon noch
Lautenspielerin zu sehen, immer ist das Konterfei eine Kollektion von Wilhelm Nagel, Karlsruhe,
bewundernswert breit und saftig in feinster Alla- circa 15 frische und gesunde Arbeiten, und ver-
primamalerei hingesetzt. Man hat vor diesen Bildern schiedene einzelne Werke von: A. Achenbach,
Erlers das Gefühl, als könne er technische Schwierig- H. R. von Volkmann, A. Westphalen, Ernst
keiten überhaupt nicht empfinden. Und dabei ist Hardt, J. Schmitzberger und eine Reihe von
doch so viel malerische Kultur, so viel überlegender Simplicissimus-Originalen. rgm.
koloristischer Geschmack in den Bildern! Eines

der feinsten Stücke, was Strich und Farbe angeht, l^ÖLN. Unter den letzten Darbietungen unserer
ist das ganz lichte Bild »Die Welle<. In Parterre- Kunstsalons seien als glücklich und verdienst-
räumen sind auch von Erlers Schollegenossen Rein- voll genannt die bei Schulte gezeigten Landschafts-
hold M. Eichler ältere und neuere Bilder und kollektionen von Völcker (Wiesbaden), Fritz Haf-
Studien in großer Zahl zu sehen, keine Hauptbilder, ner (Stuttgart), Th. Hagen und Palmie (München);
aber eine Sammlung von Arbeiten, die in fesseln- sodann wieder, höchst erfreulich, eine größere Serie
der Weise eines unserer stärksten jüngeren Talente von Originalen der Simp/icissi'mus-Zeichnungen. Der
in seinem hingebenden Fleiße, in seinem zähen Salon Lenobel brachte u. a. eine Anzahl Landschaf-
und tatfrohen Ringen um Form und Farbe uns vor- ten von A. Holzel; dann 18 Landschaften und
stellt. fo. Figurenbilder von Emil Nolde; letztere, um's un-
verblümt zu sagen, eine wilde Schmiererei, in einer
EIPZIG. Die letzte Vorführung des Kunstvereins Art impressionistischer Technik, und von unan-
brachte uns im Oberlichtsaal eine bedeutsame genehmer, geschmackwidriger Buntheit; ähnlich roh
Kollektivausstellung: Lebende Münchener Porträ- die Radierungen. Wilhelm Schreuer (Düsseldorf)
tisten. Fritz Erler ist mit acht Werken vertreten. aber war vertreten mit einem köstlichen kleinen Früh-
Karl Haider hat zwei lingsbildchen von süßem
schöne Bildnissegesandt, i^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^—i Charme der Farbe, der
sein Selbstbildnis mit Atmosphäre und der Be-
dem Hut und das Porträt .^Hk. wegung. Die ebenda ge-
Seiner verstorbenen Gat- zeigte Ausstellung der 25
tin. Alois Erdtelt ist |k Landschaften von Edm.
mit vier ausgezeichneten •ä^HL ^^Rt Steppes (München) lei-
Arbeitenerschienen,dem H det nur an einem: an
Porträt seines Vaters und dem ermüdenden Zuviel
zwei Selbstbildnissen. -.^ ^§PB^Bi<JB dieser einen, immer wie-
Franz von Stuck hat Iderholten, wenn auch an
das noble Porträt des Ba- ' « , sich entzückenden Note;
ron von Liphart hier. Lho Hj schließlich — es ist scha-
Samberger könnte bes- de darum, aDer nicht zu
servertreten sein,ebenso verkennen —wird diese
Albert von Keller. Stilisierung zur Manier.
Außerdem haben u. a. aus- v«ü~s M ^3ft — 'm Kunstverein war
gestellt: Fr. A. v. Kaul- ^' tjfc I*-- H eine Anzahl von Tierbil-
bach, H. von Haber- H^H^r^ clern des Antwerpeners

L

mann, Julius Exter, ^MrZIawF HF Pieter van Engelen

Hans Best, G. Schu- ^B^^Bp^^"^^^^^^B p ausgestellt, die all die

ster-Woldan, Phil. ,»'.#" gute Wirkung ihrer male-
Klein, Georg Pappe- U H rischen Qualitäten stark
ritz,Wilhelm Räuber, M .; beeinträchtigten durch
Th. Th. Heine, Eugen Vw die immer wieder hinein-
Spiro, Walter Firle, "§ ^5\. I getragenen novellisti-
H.Schlittgen und Max ^m j sehen Nebenzüge. Cle-
Kuschel. Im Eingangs- T I m ff mens Frankel zeigte
saal des Kunstvereins hat *f"' iw M e'ne Re'ne Landschafts-
die Kunsthandlung E.Ar- W studien,J.rehder(Ham-
nold-Dresden eine Aus- c -gutes Kinder-
stellung von Ludwig 9 *7 "ff - bildnis; J. Pilters (Kre-
von HoFMANN-Weimar - w feld) und A. Merkling-
arrangiert. Die Kollek- jgg '3t*». haus (Bonn) hübsche
tion umfaßt etwa 15 Oel- ■ Blumenstücke; E.Lisch-
gemälde und zwölf Pa- IwWB^^^^BBWl ^Bi \ ke (München) ein Dut-
stelle, darunter einige zend Landschaften, die,
Perlen Hofmannscher r max liebermann studie in thematischer Hinsicht
Kunst. — Bei Mittent- Mit Erlaubnis von Paul cassirer, Berlin durchaus von Böcklin ab-

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