Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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EINIGES ÜBER FÄLSCHERKÜNSTE

überzogen worden. Das Bild brachte nun eine
außerordentliche Wirkung hervor, seine Leucht-
kraft war so schön, daß es Amateure bestrickte.
Es gelangte in verschiedenen Auktionen zur Ver-
steigerung und erzielte immer höhere Preise,
was übrigens eine auf Bluff berechnete Machen-
schaft der Händler war, die das Bild selbst
hochtrieben und immer wieder zurückkauften,
um schließlich auf diese Weise einen hohen
Betrag dafür zu erzielen. Es soll nach Amerika
verkauft worden sein. Durch die Präparation
ist es überaus leicht verletzbar geworden; die
geringste Beschädigung des Firnisses nimmt
auch Farbe und Zeichnung mit fort.

Gefälschte Arbeiten der berühmten franzö-
sischen und englischen Miniaturisten sind in
großer Anzahl im Umlauf. Die meisten werden
in Paris fabriziert. Das Verfahren ist sehr ein-
fach und ermöglicht dennoch die äußerste Täu-
schungsmöglichkeit. Die Originale werden pho-
tographiert und die Photographien auf die licht-
empfindlich gemachten Elfenbeinplättchen über-
tragen und handkoloriert. Der Schreiber dieses
Artikels hat eine auf diese Weise hergestellte

H. E. LINDE-Vi'ALTHER BRETON ISCHES

BAUERNKIND 'S

XX. Ausstellung der Berliner Sccession

Imitation einer Miniatur von Füger gesehen,
die nur durch den Vergleich mit dem bekannten
Originale als Fälschung kenntlich wurde, selbst
für den Fachmann. Der Pariser Fabrikant, aus
dessen Werkstatt auch noch andere verblüffend
gut gelungene Nachahmungen kommen, verkauft
seine Arbeiten allerdings ausdrücklich zu mäßi-
gen Preisen als Imitationen; er selbst kann
also nicht direkt der beabsichtigten Fälschung
geziehen werden, aber auf dem Wege des
Zwischenhandels verwandeln sich dann seine
Imitationen in „Originale". Vergilbte Schrift-
züge, brüchige Schwanenhäutchen, alt ausse-
hende Rahmen, und was derlei Requisiten mehr
noch sind, tun ihr übriges zur völligen Um-
wandlung.

DIE NEUE SECESSION

Q _a \{fas d'e diesjährige Ausstellung der Berliner Se-

" cession mit ihrem offen ausgesprochenen Partei-
^ Programm notwendig zur Folge haben mußte, eine

■^^^H Abspaltung der jüngeren Künstler, die aus Prinzip
von der Ausstellung ferngehalten wurden, das ist
^^H| nun eingetreten, rascher vielleicht, als mancher es
IHBiHBi^^^^^^H^^^^^B£^ gedacht haben mochte. Die Zurückgewiesenen haben
adolf oberländer vor dem H ü h- si<* organisiert und veranstalten eine eigene Aus-

nerstall 's Stellung, die schon einen Monat nach der brottnung
XX. Ausstellung der Berliner Secession der alten Secession fertig steht. Der neue Kunst-

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