Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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DIE JAHRESAUSSTELLUNG IM WIENER KÜNSTLERHAUS *)

QJ keine bindenden Schlüsse zu ziehen. Man muß sie im Zwielicht; beide sind der hergebrachten Ueber- u

V) als einen Versuch nehmen. Den Beweis der Lebens- lieferung der »Historie« treu geblieben, zeigen sich ►)

M fähigkeit kann die Vereinigung erst in einem Jahre aber mit ihrem ganzen Können und mehr Liebe der M

uns bringen. Gelingt ihr das, so wollen wir sie Sache ergeben als etwa in den teilnahmslos leeren ?)

ff begrüßen und wollen hoffen, daß sie berufen sein Porträts. Das Wiener Porträt besteht ansonsten mit ff

K wird, eine Lücke in dem Berliner Kunstleben aus- Ehren, Angeli, Pochwalski und Horowitz be- (l

y\ zufüllen, die so mancher wohl schon seit ein paar haupten unter den älteren mit Erfolg ihren Ruhm, A

u Jahren empfunden hatte. Glaser ihnen rücken Krausz, Scharf, Adams (diesmal («

m am besten in holländischen Typen), Torggler, der }i)

m wie übrigens auch andere immer mehr zu den klas- M

« DIE JAHRESAUSSTELLUNG sischen Engländern neigt, Gsur und Joannowitch 8

N nach, außer denen noch als Neuling von Pariser

Q IM WIENER KUNSTLERHAUS Schulung Guido Arnot sowie die Damen Rosen- d

►\ thal-Hatschek und Loebell zu nennen sind. ►S

(1 Co wählerisch wie heuer ist man bei der Jahres- Auch hier lassen sich Vergleiche mit ausländischen (i

y\ ^ ausstellung im Künstlerhaus wohl nur selten Münchener Gästen anstellen, wobei diese nicht zu

\f verfahren. Der Einheitlichkeit und der Uebersicht- kurz kommen: das Doppelporträt von Walter Thor ff

/) lichkeit des Ganzen kommt dies zustatten; aber ist ein Meisterstück der zu voller Wahrheit und Ton- /)

ff so viele Künstler hier auch versammelt sein mögen, Schönheit gelangenden Flecktechnik, und ein Mäd- ff

(J etwas entscheidend Neues, das einen nachhaltigen chenbildnis von Theodor Bohnenberger erreicht Ü

y\ Eindruck hinterläßt, bringt keiner von ihnen. Treffer dasselbe Ziel durch ruhig bedachtsame Modellierung V)

kann man sich eben nicht bestellen. Die zur Teil- und die Hingabe ans Detail. Als Sportmaler nimmt u

►) nähme eingeladenen Ausländer sind mehr >inter- Ludwig Koch in Wien einen besonderen Platz ein; t)

(< national« vertreten als sonst: Zorn und Larsson diesmal ist es ihm außer dem Bildnishaften (»Erzher- ff

/) haben je ein Werk da, Leempoels ist ein gutes Stück zog Franz Ferdinand reitet aufs Manöverfeld«) ge- /)

ff belgischer Kunst, Brangwyn, der im vorigenJahre lungen, die durch die Gangart der Pferde bestimmte ff.

K in der Secession seine größte Revue über die Radie- Gruppe mit einer glaubwürdigen landschaftlichen K

f\ rungen veranstaltete, hat einige neue Blätter bei- Stimmung zu umgeben. Hans Larwin bewährt V\

('• gesteuert und ein dekoratives Gemälde >Die Rück- sich wieder als Schilderer des Volkstreibens in den u

kehr«, das in seiner saftigen Meisterschaft die be- Weinschenken beim > Heurigen«, J. N. Geller macht j>)

kannten Qualitäten aufweist, wenn es auch nicht einen Ausflug in den Prater, zur »Meierei Krieau«, V

?) ganz klar organisiert erscheint. Wie verschieden Raimund Germela fühlt sich am Badestrande von w

M seine Auffassung von der landläufigen ist, geht aus Scheveningen wie zu Hause. Durch den ethnogra- ff

(} zwei Gemälden hervor, von bescheidenerem Um- phischen Einschlag in der Beobachtung des Ortho- K

f\ fang, die von Wiener Künstlern im Auftrag des Erz- doxen polnischen Judentums sind Lazar Krestin ^

('- herzogs Franz Ferdinand für die neue Hofburg aus- und Isidor Kaufmann interessant, der bei miniatur- Ü

geführt wurden. Eduard Veith malte den »Auszug feinerAusführungvielGeschmackentwickelt.Wenige ^

zum Veilchenfest am Kahlenberg um 1325« in tän- begeben sich auf das Gebiet der freien Erfindung, \<l

delnder Erzählerweise, Hans Temple den »Einzug und diese knüpfen zumeist an geschichtlich Ge-

Karls V. zur Krönung in Aachen« als Stimmungsbild wordenes an, wie Julius Schmid, der uns Beethoven ^

unter den Spaziergängern ()

A __, __ ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Alt-Wiens zeigt, eine nüch- \

U JL 1 ui t "^i»m , ' tern solide Komposition, und (l

*) kV -J>?tillHTJ^ Karl Jordan (Straßburg, \

{4 H>^ \j dessen »Helden« eine Epi- m

V ""^^T~Am mJtt s°de aus den Tiroler Frei- V)

\< I - heitskriegen als Thema ha- ff

y) '\ \ \ ^j/ \ ^ / • ben- Wilhelm Schmurr

■ «Cxi/' -J ' x \ \f% Düsseldorf demonstriert an

M^aM^IKf-'- " ^' ' — - \ V \f ■ einem weiblichen Akt ; Die U

[ .'- Ä iWmtf ' •*» ' 1 6i 'J"\ i V-'»" I f "I"' f ■ Schönheit der Form«, wie er i\

l< \i Jl-'l • - ' jk das Bild ausdrücklich nennt, {4

, , während Antonin Hu- ^)

iL \\ \ ' i— t decek (Prag) bei ähnlichen ff

I t- ht'"' v'^ 4 Vorwürfen in durchsichtiger r)

BSSi- t; ' Farbe auf koloristische Ex- ^

r) \1 *' y% % :,' . perimente bedacht ist. Un- V

M\ j 5 j möglich, auf alles Genre- k\

(X ■ü i hafte hier einzugehen, auf W

y\ MB.: Wm 'fc_ : W-y \ J 1 alles was daher kommt oder n

(« J*i ^f~- *'\■J'i ^ dahin strebt, und auch bei m

r) < %y den Landschaften kann bloß >)

^ WS 1k auf einzelnes hingewiesen ^

r) jH f werden. Unsere Landschaf- w

({ ^■P*oE^^K^ ter bevorzugen ausgegli- ►X

(< SM v 3 ^ chene Wetterverhältnisse, (1

y\ mm J** etwa Kasparides ausge- l\

nommen, der dramatische M

Waldemar rösler landschaft Bewegtheit in seine dekora- t)

M XX. Aasstellung der Berliner Secession tive Farbenwelt bringt, und M



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