Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 25.1909-1910

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PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN

greiflicherweise als bescheidenes Kleinzeug. Man das Straßenbild

wird sie aber darum nicht unterschätzen dürfen, die derGroßstadthat

Radierungen des ganz verfeinerten F. Gold und er seither immer

des gewissenhaften A. Steininger, die von Emma wieder, im Re-

Hrnczyrz und dem Prager Ferdinand Engel- gen, im Sonnen-

müller. Aus der Wiener Schule sind neuerdings schein, unter al-

Otto Trauner, Emil Singer, Oskar Stössel len durch die

und wohl auch der Triestiner Bruno Croatto her- Lichtverhält-

vorgegangen, den vornehmlich die Architektur und nisse gegebenen

Landschaft Italiens angezogen haben. Karl m. Kuzmany Erscheinungs-
formen in seinen
Bildern festge-

PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN halten; dabei

hatteerseinealte

DERLIN. Franz Skarbina ~. In Franz Skarbina, Liebe für die fri-

deram 18. Mai infolgeeines Nierenleidens verstarb, derizianische

ist einer der Führer der neuen Richtung im Berliner Zeit nicht aufge-

Kunstleben dahingegangen; neben Max Liebermann geben, wie dies

war er einer der ersten »modernen« Maler Berlins, mit die außerordent-

ihm hat er seinerzeit die Berliner Secession grün- lieh reizvollen
den helfen. In Berlin, wo er am 24. Februar 1849 Rokokointeri-

geboren ist, hat er seine ersten Kunststudien ge- eurs, die man auf

trieben; er hat von Menzel die Kunst der scharfen dieser und jener

Charakteristik, den unerbittlichen Realismus, der Ausstellung sah, Professor f. skarbina t

sich in seinem Bilde »Am Seziertisch« ausdrückte, zeigten. Ebenso phot-Ieclmer' """"

übernommen; Menzel blieb ihm auch später Vorbild vielseitig wie sein

und Meister. Maßgebend für seine Kunstweise Schaffenskreis war seine Technik, und wie er bahn-
wurde dann sein Pariser Aufenthalt in den achtziger brechend für den Naturalismus und Pleinairismus
Jahren, wo er sich dem Impressionismus, dessen gewesen, war er auch bedeutend als Kolorist. Skar-
Lehren er als einer der ersten nach Deutschland bina gehörte seit 1904 dem Senat der K. Akademie
brachte, näherte. Auch für die Erweiterung seiner der Künste in Berlin an. (Vergl. auch Jahrgang
Stoffgebiete war der Pariser Aufenthalt von Einfluß, 1887 83 und 1897 98 dieser Zeitschrift.)

DERLIN. Am 7. Mai starb der
" Kunsthistoriker Walther
Gensel an einem schweren,
organischen Leiden. Der Ver-
storbene, der seit etwa einem
Jahrzehnt als Direktorialassi-
stent am Kupferstichkabinett
bei den Königlichen Museen zu
Berlin tätig war, hat das 40. Le-
bensjahrnicht erreicht. DerTod
rief ihn von einer umfassenden
literarischen Tätigkeit ab, auch
den Lesern dieser Zeitschrift
war er seit dem Jahre 1906 als
Berliner Berichterstatter wohl-
bekannt. Am liebsten beschäf-
tigte sich Gensel mit der fran-
zösischen Kunst des 19. Jahr-
hunderts, hatte er doch eine
Reihe von Jahren in Paris gelebt
und dort reiche Kenntnisse ge-
sammelt. Er schrieb Monogra-
phien überMilletund Rousseau,
Corot und Troyon, auch über
den belgischen Bildhauer Meu-
nier und verfaßte die kunstge-
schichtliche Einleitung zu dem
Baedeker von Paris. Weitere
Arbeiten Genseis waren dem
älteren Friedrich Preller gewid-
met und Velasquez, dessen Ge-
mälde er in den Klassikern der
Kunst herausgab. Eine große
Zahl von Freunden betrauert
den frühen Tod des Hebens-
max Beckmann KREUZIGUNG christi würdigen Gelehrten.

XX. Ausstellung der Berliner Secession Glaser

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