Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 29.1913-1914

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^ und in weltunbekümmer- WM "HHH^^^^^^H Seite zeigt, ist technisch |.
a ter Schönheit, erscheint H meisterhaft durchgebil- r<
J sie uns wie ein modernes det. So sind die bei- *
Ö Gegenstück zu berühm- den neuesten plastischen
D ten Schöpfungen altrömi- % Werke Max Klingers er-
2 scher Plastik. Mit den neute Beweise seiner
'< herrlicher. Gestalten der iW^^^^^^^B ^ .La| selbständigen reifen, um-
< Herkulanerinnen im AI- jjäM fassenden Künstlerschafr.
* bertinum zu Dresden hat >*5äH P- Schumann

sie die selbstverständ-


PERSONAL-

Iiche vornehme Haltung
gemeinsam, mit den Bü- M NAtHRICHTLN
sten der Kaiserzeit die i "DERLIN. Am 1.Februar
prachtvolle Farbenwir- O feiert Maler Curt Herr-

. • . .MANN seinen 60.Geburtstag,
verschiedenen fe^jjfeffl^^ Herrmann gehört zu einer
edlen Steinen, aber die Gruppe von Sechzigjähri-

Seele dieses leicht bild- gen, die in unseren Tagen i
nishaften Weibes, das mit ■ einen Sanz bestimmten Ty-
WHB^^^^^^^H^^nf pus repräsentiert. Zunächst, \
verschwommenen Augen * an fst überrascht, dafj (
die unmittelbare Umge- diese Leute schon sechzig (
bung übersehend in die ^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^^ Jahre alt sind, so sehr sind (
Ferne schaut, der herbe maler curt herrmann sie in ihrem Wesen und in l
Stolz der an Luxus und z. sei«, eo. Ce„TO ,m ,. f*™ S^iSgSi^S
Huldigung gewöhnten aber sind sie die typischen
Herrscherin, die doch zugleich Weib ist — das Vorkämpfer, die Uebergangsmenschen, über die J
ist das echte Eigentum Max Klingers, der uns wohl die jüngste Entwicklung schon hinausgegangen
. , -ei j isti die aber als Anbahner dieser Entwicklung (
schon eine Kassandra, eine Salome und eine ihre besondere Bedeutung haben. Das, wofür Curt (
Amphitnte geschenkt hat. Die Schönheit der Herrmann ein Vorkämpfer gewesen ist und noch (
Linienführung, der anmutige Rhythmus der ist, das besteht heute für einen großen Teil der jün- f
leichten Bewegung offenbart sich uns beson- 8eren Generation als oberstes Gesetz: die „reine (
, . , ._ , __. Malerei , die in ihrer Gestaltung nicht von außen r
ders, wenn wir von rechts her an die Gestalt her> sondern nur durch die malerfschen Ausdrucks-
herantreten, ihre prachtvolle Einheit und Ge- mittel bestimmt ist, und die zum „Stil" führt, das )
schlossenheit, besonders wenn wir sie aus eini- heißt zur Schaffung eines eigenen, in sich gesetz- 1
ger Entfernung auf uns wirken lassen. mäßigen Bildorganismus. Diese reine Malerei (
■* • . i_ • * j o^-vi. . schafft er mit den Mitteln des Neoimpressionismus, \
Meisterhaft ist der Stein behandelt, der nach- dessen konsequentester Vertreter er in Deutsch- (
giebigere keusche Marmor sowohl wie der land ist, das heißt durch eine einheitliche Gestal- f
prachtvoll leuchtende aber so harte und spröde tung von Linie, Licht und Farbe. (
Onyx, dessen farbigen Zufällen sich Klinger Curt Herrmann, der in einem an feinen Gedanken \
:"..«. «, • , j reichen Büchlein („Der Kampf um den Stil", Ber- )
meisterhaft anzupassen gewußt hat, ohne da- iin i911) seinen Anschauungen auch literarisch Aus- \
durch seiner plastischen Idee sichtbar Gewalt druck gegeben hat, der als Sammler seine Liebe v
anzutun. Nur daß die linke Hand, die aus zu allem, was künstlerisch groß und lebendig ist, (
dem Onyxblock gebildet werden mußte, braun- beweis*. hat in seiner Künstlerlaufbahn seinem Ziele C
„ , . „ ,, . . ... zugearbeitet mit rener „durchgeistigten Handwerk- (i
fleckig ausgefallen ist, mag manchem störend lic§keit« die er in seinem Buche von der Jugend f
erscheinen, aber über den Vorzügen des glän- fordert. Wenn man seine Entwicklung von jenen \
zend schönen Werks wird man kaum an die- ersten malerisch-dunklen Werken der Münchener f
sem geringen Materialschaden haften bleiben. Schule bis zu den lichterfüllten Arbeiten der letzten >
... ,, . , . .. .... , „ .„ , Zeit verfolgt, so wird man sagen dürfen, daß der i
Vielleicht ist diese weibliche Gewandfigur das Künstler an seinem 60. Geburtstage mit Zufrieden- )
an reiner Schönheit reichste plastische Werk heit auf sein Werk zurückblicken kann, und daß vj
Max Klingers. — Das zweite Werk: Die Büste von ihm im schönsten Sinne seine eigenen Worte gel- C
der Japanerin ist in erster Linie Bildnis, aber !an: ,AVem es nicht vergönnt ist, Werke des Genies 0
. . r...... _ , , ., , , hervorzubringen, für den lohnt es, ein Leben und 0
sie ist in stilistischer Durchbildung über das streben daran zu setzen, ehrlich an dem großen \
Bildnis weit hinausgewachsen. Welch köst- menschlichen Schöpfungswerk, das wir Kunst «
lieh schöner Körper, wie edel und keusch ist nennen, teilgenommen zu haben." Kurt Freyer \
das gebildet, wie mädchenhaft zurückhaltend TV/I ÜNCHEN. Der Professortitel wurde verliehen: f
in edelster Anmut und Zartheit! Kaum daß l Vi dem Konservator an der K. Graphischen Samm- \
die Bildung der Augenwinkel an das rassen- lun« DR-Ernst Bredt, dem Konservator Dr. Jo- \
, ci . . , . & , , ,. „.. , hannes SlEYEKING, dem Bildhauer Knut Aker- )
* haft japanische erinnert. Auch dieses Bild- berg, den Malern Richard Pietzsch und Karl \
i werk, das uns Klinger wieder von ganz anderer Thoma-Höfele, alle in München. \

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