Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 30.1914-1915

Seite: 206
Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kfa1914_1915/0225
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
liehen Interesse; Achenbach hat es im Alter
von 18 Jahren gemalt (Abb. S. 201). Richard
Burnier ist mit einem Bilde seiner reifsten
Zeit, von 1875 vertreten, glänzend gemalten
Kühen am Wasser, Karl Seibels mit einer
Anzahl kleiner, intim beobachteter Tierbilder.
C. F. Deiker wirkt mit seiner temperament-
vollen Saujagd von 1876 stärker als sonst
mit seinen von Liebhabern dieses Genres
sehr begehrten Jagdbildern. Karl Maria Seip-
pel ist durch ein gutes bäuerliches In-
terieur, Gerhard Janssen in ähnlicher Weise
durch die verräucherte Gaststube der alten
Düsseldorfer Bockhalle repräsentiert. In solchen
kleineren Bildern ist er oft sympathischer als
in seinen anspruchsvolleren großen Arbeiten.
Von Carl Ludwig wurde eine melancholische
Herbstlandschaft: Heide undWald bei bedecktem
Himmel (Abb. S. 206) erworben, von August
Deusser eine historische Szene, die wohl als
Entwurf zu einem nicht ausgeführten großen
Gemälde anzusprechen ist, aus seiner ersten,
noch von Peter Janssen beeinflußten Periode
(Abb. S. 209). Schließlich ist auch te Peerdt
bei Gelegenheit seiner Sonderausstellung bei
Alfred Flechtheim berücksichtigt worden. Bei
Erwerbungen von Anekdoten- und Genrebildern

hat sich Koetschau großer Zurückhaltung be-
fleißigt. Für Friedrich Hiddemanns heute
kaum noch genießbares Picknick im Walde ist
er nicht verantwortlich, da dieses Bild von
privater Seite geschenkt wurde. Hocherfreulich
ist dagegen die Erwerbung der lustigen länd-
lichen Kinderszene von Ferdinand Georg
Waldmüller: „Jedes will das Erste sein".

Von den beiden Deutschrömern Feuerbach
und Böcklin, die das Fernweh aus Düsseldorf
nach der Ewigen Stadt getrieben hat, wo sie
den Weg ins Freie fanden, war der erste in
der Kunsthalle noch nicht vertreten; daß es
Koetschau gelungen ist, seine Iphigenie in der
dritten Fassung zu erwerben (Abb. S. 202),
ist ein Glückszufall, dem man dankbar sein
muß. Von derherben Schönheit dieser stehenden
Frauengestalt, die jenseits des Meeres das Land
der Griechen mit der Seele sucht, kann man
sich nur schwer trennen. Von Böcklin haben
wir sogar vier Neuerwerbungen zu verzeichnen,
sein bestes Bildnis, Frau Amarella Waldecker-
im Hof von 1882 mit ihrem Kinde (Abb.S.213),
ein bravourmäßig heruntergestrichenes Pracht-
stück, die humorvolle Wiedergabe der Be-
freiung Angelikas durch Ruggiero (Abb. geg.
S.201), die sterbende Kleopatra mit dem sich über

206
loading ...