Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 38.1922-1923

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treue Pfleger und unermüdliche Durchforscher
des hohenzollernschen Kunstbesitzes war im-
stande, ein so geschlossenes und zusammenfas-
sendes Bild von der Kunsttätigkeit des großen
Preußenkönigs zu geben. Jahrzehnte dauernde
eindringende Quellenforschungen und Beobach-
tungen der Denkmäler, deren Einzelheiten in einer
Reihe grundlegender Bücher und Abhandlungen
im Hohenzollern-Jahrbuch und im Jahrbuch der
Preußischen Kunstsammlungen bekanntgemacht
worden sind, sind diesem Buche voraufgegangen,
das somit einen wesentlichen Teil der Lebens-
arbeit des Verfassers darstellt. Die Kunstbetäti-
gung Friedrichs wird in den größeren Zusammen-
hang des Kunstlebens am preußischen Hofe ge-
bracht durch das einleitende Kapitel, das die
Jugendeindrücke Friedrichs, vor allem die ausge-
dehnten Bauschöpfungen seines Großvaters, des
prunkliebenden ersten Preußenkönigs, darstellt.
Es folgt der Abschnitt „Rheinsberg", wo sich
alles das in der ländlichen Stille vorbereitet, was
nach der Thronbesteigung zu so glänzender Ent-
faltung gedeihen sollte. Den Höhepunkt bezeich-
net die Reihe der Abhandlungen über den König
als Bauherrn, als Schöpfer der weltberühmten
Rokokoschlösser in Charlottenburg und Potsdam.
Die gleiche Bewunderung wie der vollendete Ge-
schmack Friedrichs auf dem Felde der Baukunst
verdient seine Betätigung als Sammler von Ge-
mälden und Skulpturen, als Beförderer der Ma-
lerei und der Bildhauerei, der Kupferstecherkunst,
der Porzellan- und Goldschmiedekunst. In allen

diesen Äußerungen spricht sich die einzigartige
Persönlichkeit unseres großen Königs nicht min-
der klar wie in seinen eigenen geistigen Schöp-
fungen aus. Die wechselvolle Entstehungsge-
schichte vieler der Kunstwerke, die durch Seidels
unermüdete Nachforschungen vor unseren Augen
wieder auflebt, trägt dazu bei, die Vorstellung
vom Charakter und von der Geistesrichtung Fried-
richs zu erweitern. Aber auch für alle Gebiete
der Kunst und Kultur des 18. Jahrhunderts stellt
das Seideische Buch ein Quellenwerk ersten Ran-
ges dar. Die Bedeutung eines solchen auf jahr-
zehntelangen Urkundenstudien beruhenden Buches
ist für die Kunstwissenschaft um so größer, als
die Verhältnisse gegenwärtig und auf lange Zeit
hinaus derartige langwierige und opfervolle Un-
tersuchungen nicht mehr ermöglichen. Als Er-
gänzung zu dieser in einheitlichem Flusse fort-
schreitenden Darstellung steht das „Hohenzollern-
Jahrbuch" da, das unter Seidels Leitung nahezu
zwanzig Jahre hindurch eine unerschöpfliche Fülle
des wichtigsten Materials zur Kunstgeschichte
des Hauses Hohenzollern und damit zur deut-
schen Kunstgeschichte vom 17. bis zum 19. Jahr-
hundert ans Tageslicht gebracht hat: ein Ruhmes-
kranz unseres ehemaligen Herrscherhauses.

An dieser Stelle drängt es den Berichterstatter,
voller Dankbarkeit der steten Förderung zu ge-
denken, die der verehrte Verfasser überhaupt
allen wissenschaftlichen Bestrebungen gewährt
hat, die auf die Bearbeitung unserer ehemaligen
Königsschlösser gerichtet waren. Hermann Schmitz

HANS LEINBERGER, WERKSTATT FRAGMENT AUS EINER DARSTELLUNG DER

BERGPREDIGT (NATIONALMUSEUM, MÜNCHEN)

Aufnahme des MusntvtX

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