Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 39.1923-1924

Seite: 223
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barocker Kraft ein fflNl|lW^ lfW^^^^^\^ ll Szene V°H barocken

etwas mattes, deko- 3sSmH1Ew»P -iW^^T^^^^^^^ -1 Ungestüms, vonei-

ratives Empfinden, ^slj Iiis; ^ItP" lIlsC rl/^^VvWfi ner zeichnerischen

verständlicher als hier g> yt^^^^^^m/i Kraft, die unmittel-

in Landschaf tszeich- ^ ^^^^^|| Ij^B^^P^^ffi ^^^^^Hg bar an Elsheimer

den lebendig-organi- J^^^^^^l ^ 1^^^^^^ späte Huber hat viel-
schen Charakter. Die ^B^ft^wPli'«if ^flKw I'• $ ^wllj' nnl'l^^lS leicht die Lücke ge-
Landschaft wird zum g|t; 1 ■ % ^ .^pj! %.('! <ß<r:i ■•■ /A^^^^il^^airffl schlössen oder doch
monumentalen Flä- ^^^Ä>^t.^^fc3£3 #} a$ fcW*^j"^^8wl W verringert, die zwi-
chenornament; hier ^HiRV^^I^^^?^ ^^^^^O' Mttjfi sehen den deut-
findet sich nichts von SpSB^'^^ Vr^- "^^r|^^^Ä^» ^Jfeä sehen Meistern des
Altdorf ers bildhauer- fcqj^^^wtV^C^^^jS' ■- ^ ■ffl^ffiEffip^ 16. Jahrhunderts und
mäßigem Formdrang, ^^^^^^^^^^^^^^^W^^"' 'VW (ÜÖs dem Auftreten Rem-
aber auch wenig mehr ^^r^B^^^P1 J^W^^^ pf ; brandts klafft. Ein
von Hubers barocker ^^^^WSnail«'T™r^^^" ffl Geist voller Wider-
Sehnsucht nach der f^£^glpy§gy^^&L * I^^SiraiP^MtlE^^B Sprüche, verbindet
Ferne; die gleiche =::^^^^^^i^t^J^^^^S^^^^^^^B er scharfe Beobach-
resignierte Flucht al- ^K^^mma^K8>Ke^-.,^tr'- ^ , -sfcs-^..w»>«s». tung der Wirklich-

so in das Dekorative wolf huber Darstellung im tempel keit, selbst des der-
ganz großen Stils, die ben Alltags, mit einer
zur selben Zeit auch fast ästhetenhaften
in Florenz unter den Nachfolgern Michelange- Freude am zwecklos Spielerischen in der Kunst;
los das Kennzeichen der beginnenden Spät- so überwindet er gleich dem großen Holländer
renaissance ist. das geschlossene, aber eben deshalb auch be-
Man kann sich wohl vorstellen, daß dieser grenzte Persönlichkeitsideal der Renaissance
vornehm zurückhaltende Stil den Beifall der Zeit- durch die lebendige Kraft, die er aus der über-
genossen gefunden hat; die gelehrte humanisti- persönlichen Erhabenheit der Natur zieht,
sehe Bildung, der weltmännische spanische Hof- Weinberger
ton waren auf dem Weg Gemeingut der herr-
schenden Schichten zu werden, die jetzt die kul-
turell entscheidenden sind; mit der naiven Volks- GEDÄCHTNISAUSSTELLUNG
tümlichkeit der Renaissance war es vorbei, die FRANZ RUMPLER (1848/1922)

m ihren Anfängen eine bürgerliche Bewegung ____„„„„ ..___^J: 1 '

gewesen war. Man darf vielleicht mehr als ein IM WIENER KÜNSTLERHAUS, WIEN
bloßes Symptom des Brotneides in der Be- ~ein Porträt als Jüngling: ein verträumter Ro-
schwerde erkennen, mit der die Passauer bürger- «-> mantiker mit wallenden braunen Locken. Das
liehen Maler sich 1542 an den Bischof wenden: Porträt seiner Mutter (aus der Österreichischen
die geschäftige Werkstatt Wolf Hubers halte Gale«e) : eine schlichte Bäuerin mit großen, erreg-
. . . , . ,. r, rj_ , j tt r ten, leidvollen Augen. Sein Portrat als Mann: ein
sich nicht an die Zunftgesetze (wozu der Hof- stürmischer und doch versonnener Kämpfer mit
maier nicht verpflichtet war) und entziehe so vogelartigen, kühnen, scharfen Augen. Und sein
widerrechtlich den Meistern ihren Verdienst. Werk : ein Triumph der farbenseligsten Tonma-
lm Jahre 1553 ist Wolf Huber zu Passau ge- ierei' °ft t Sanz verschmachtend weich, manche
■l. «l j i^^ti- 1- • tu Landschaft wie in Tranen gebadet. Farbe, nur
storben. Uber das letzte Jahrzehnt seines Lebens Farbe _ ein unendliches Entzücken. Was Form,
fehlen uns die Zeugnisse in noch höherem Grade was Linie, was Komposition der Massen — im
als über die früheren Stufen seiner Entwicklung; Blühen und Glühen und Sprühen des vibrieren-
eine wundervoll lebendige Skizze mit der Jahres- ^en ^ementesist alles Glück. Sommerliche Weich-
,, j- t> j ir-n- u , . , . , heit, ja Schlaffheit und Üppigkeit, nie Winterbilder,
zahl 1550, die Rudolf Riggenbach zuerst als Arbeit nie Vorfrühling, nie etwas Herbes, Hartes. Bilder
Wolf Hubers erkannt hat, läßt den Schluß zu, schon aus den 70 er Jahren erinnern an die spä-
daß jene höfische Periode der Kreuzesallegorie teren Schotten, die Boys of Glasgow, mit ihren
nicht die letzte in seiner Entwicklung gewesen zerfließenden Farbmassen, hier und da an die tep-
- . ... /-1 ^- r t_ 1- pichartige Manier Brangwyns. Nur noch gelöster,
ist (Abb. S. 224). Marcus Curtius, auf schnauben- süßer> bestrickender. Oft spürt man die Farbe wie
dem Roß sich in den Abgrund stürzend — eine ein sanftes Gleiten einer elektrischen Hand über

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