Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 39.1923-1924

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KARL ROTTMANN

HEIDELBERG UND DIE RHEINEBENE

KARL ROTTMANN

Und wenn mich König Ludwig zu den
Eskimos geschickt hätte, ich würde auch
dort der Natur etwas abgewonnen haben."
Aus diesem selbstsicheren, eigenwilligen und
demütig-stolzen Wort des Mitbegründers der
modernen Landschaftsmalerei zu Beginn des
19. Jahrhunderts spricht Rottmanns ganze Künst-
lerpersönlichkeit. Frühzeitig auf sich selbst ge-
stellt und angewiesen, lernte er sich rasch in
seiner Umgebung zurechtfinden und mit den
Grenzen seines Könnens auch das Ziel erken-
nen, nach dem väterliches Erbgut und eigene
Veranlagung ihn hinführte.

Im Elternhaus zu Handschuchsheim, wo Karl
Rottmann am 11. Januar 1797 geboren wurde,
genoß er den Unterricht seines Vaters, der als
Zeichenmeister ein Jahrzehnt an der Universi-
tät Heidelberg tätig war. Sein freundschaft-
licher Umgang mit der für Kunst sehr einge-
nommenen Familie Fries und deren Söhnen,
von denen drei Maler wurden, bestärkte den

Knaben in seinen künstlerischen Neigungen.
Dazu kam, daß in den Jahren seiner Ausbil-
dung der Schottländer Georg August Wallis
nach Heidelberg kam, angezogen von dem zwi-
schen Fluß und Berg hingebetteten Stadtbild,
von dem Goethe bekennt: Die Stadt in ihrer
Lage und mit ihrer ganzen Umgebung hat,
man darf sagen, etwas Ideales, das man sich
erst deutlich machen kann, wenn man mit der
Landschaftsmalerei bekannt ist und wenn man
weiß, was denkende Künstler aus der Natur
genommen und in sie hineingelegt haben.

Nun läge die Versuchung recht nahe, Heidel-
berg als Landschaftsbild von den Darstellungen
eines Graimberg und Wallis bis in unsere
jüngste Vergangenheit hinein zu verfolgen und
zu Witkop ein kunsthistorisches Gegenstück
zu liefern. Auch wenn die bildende Kunst, wie
der Ästhetiker Aloys Schreiber um 1810 einmal
bedauernd bemerkt, hier in Heidelberg nie einen
Tempel hatte — das traf schon bald nachher

Die Kunst für Alle. XXXIX. Juni 1034

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