Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 39.1923-1924

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Details Mühe machte. Gerade dadurch war es
ihm möglich, den Charakter einer Landschaft
mit sicherem Griff und erstaunlicher Bestimmt-
heit wiederzugeben.

Rottmann war kaum mit der Ausmalung
der einen Arkadenseite fertig geworden, als
König Ludwig mit dem neuen Auftrag an ihn
herantrat, die andere der Residenz zugekehrte
Seite mit Landschaftsdarstellungen bedeutsamer
Orte Griechenlands zu schmücken. Auf dessen
Wunsch besuchte er, von dem Architekten
Ludwig Lange begleitet, in den Jahren 1835
bis 1837 die von dem König schon von vorn-
herein bestimmten Örtlichkeiten und weilte auf
den von einer großen Kultur geheiligten und
von dem griechischen Freiheitskampf wieder
geweihten Boden Griechenlands. Bei den nach
seiner Rückkehr in Angriff genommenen Bil-
dern (Abb. S. 270/71) kam Rottmann von der
Freskentechnik ab. Sie wurden auf besonderen

Tafeln in Öl gemalt und kamen später in einem
eigens für sie erstellten Saal der Neuen Pina-
kothek zur Aufstellung. Leider kamen nur
23 Landschaften zur Ausführung und in diesen
ließ die Vorliebe für grelle Töne und kolo-
ristische Effekte das in den Arkadenfresken
zum Ausdruck kommende Formeninteresse zu-
rücktreten. Dennoch verleugnet sich die groß-
zügige Auffassung des großen Künstlers auch
hier nicht. Es sei nur an jene einprägsame Dar-
stellung des Schlachtfeldes von Marathon er-
innert, über dessen einsame, weite Fläche atem-
los ein reiterloses Roß dahinsaust. Die Voll-
endung seines Zyklus griechischer Landschaften
sollte Rottmann nicht mehr erleben. Als der
Tod dem gefeierten Meister der modernen
Landschaftsmalerei den Pinsel aus der Hand
nahm (1850), stand sein Ruf und Ruhm weit-
hin fest begründet.

Dr. Otto Biehler

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