Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 58.1942-1943

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Otto Dill, Neustadt (Westmark). Im Tiergarten
Ausstellung ,,Junge Kunst", Wien

sich vieles dem Worte versagt, was in den Werken wickelungstendenzen sind so allgemeinverbindlich,
ganz unmittelbar und schaubar begriffen werden daß keiner außer der Reihe beginnen kann, auch das
kann. Genie nicht. Aber eine wahrhaft junge Kunst weiß
Wenn dieser Ausstellung die Bezeichnung „Junge dabei auch wohl, daß es nicht der Sinn der Tradition
Kunst" mit vollem Recht zugestanden werden darf, ist, die Palette von Generation zu Generation weiter-
so bedeutet das eher eine Verpflichtung gegenüber zureichen, sondern daß es keinem erspart bleibt, sich
Tradition und Zukunft als eine Loslösung von der seine Farben selber zu mischen und mit ihnen den
echten Uberlieferung. Die Zeiten, da man alles Ex- Kampf um die Gestaltung des Bildes anzutreten. Nur
perimentierende, jede modische Neuerung und den der Künstler hat darum das Recht, sich auf die Tradi-
Schrei des Nochnichtdagewesenen als „Junge Kunst"' tion zu berufen, der sie mit jedem Werk seiner Hand
kreierte, sind vorbei. Hier spürt man dagegen erweitert und vertieft,
die Kontinuität des Künstlerischen sowohl auf dem
Gebiete der Malerei als der Plastik, nicht das „Neue"
wird erstrebt, sondern das Alte, das nicht verloren-
gehen darf, wird im lebendigen Schaffen der Jungen Nirgends erscheint uns aber das Bewahren und „In-
wiedergefunden und bestätigt. Es ist oft gesagt der-Reihe-bleiben" heute so notwendig wie auf dem
worden, daß Jugend keine Frage des Lebensalters, Gebiete der Malerei, denn kaum irgendwo haben der
sondern der Einstellung sei, und so umfaßt aucb kalte Intellektualismus einer sogenannten „neuen
diese Ausstellung eigentlich zwei Künstlergenera- Sachlichkeit", die manische Yerkünderekstase des
tionen. Beide aber wissen, daß es keine junge Kunst Expressionismus und ein verantwortungsloser Natu-
gibt ohne das Bewahren der einmal erkannten künst- ralismus derart an den Grundfesten aller guten
lerischen Wahrheiten — ein Meister wird keiner aus Überlieferung gerüttelt. Es kommt aber in der Ma-
sich selbst, Kunst erwächst aus Kunst, und ihre Ent- lerei weder auf den „trüben Verzicht des Realismus"

Die Malerei

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