Die Kunst für alle: Malerei, Plastik, Graphik, Architektur — 58.1942-1943

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Gerth Biese, Stuttgart. Freundinnen
Ausstellung ,,Junge Kunst", Wien

Foto y. Scherb, Wien

dem mokanten Lächeln des Ästheten — aha. also
doch die Franzosen! — teils mit dem verschämt er-
hobenen Y\ arnfinger des alldeutschen Oberlehrers,
der selber ein wenig das Gefühl hat, nicht mehr ganz
in unsere Zeit zu passen.) Die Uberfeinerang und die
bis zur stofflichen Entwesung getriebene Farbkultur
des fin de siecle sind überwunden, und die sich hier
abzeichnende Entwickehmg führt auch keineswegs
zu ihnen zurück. Alles ist fester, mehr zur Form ge-
rafft und gebaut, aber es lebt aus der Farbe und aus

dem Ton und durch sie strebt es zur Form. Denn
das Wesen der Form besteht schließlich nicht darin,
daß man einen Gegenstand mit Linien umreißt und
ihn dann koloriert, sondern aus dem Wachsen seiner
Farbe vor einer anderen entsteht die Form, wie aus
dem Zueinander der farbigen Flächen das Bild sein
geheimnisvolles Leben erhält. Es ist darum eine
schöne Gewißheit, die uns vor den Bildern der Wie-
ner Ausstellung zuteil wird, daß allen Stürmen, Ex-
perimenten und Krisen der Malerei in den letzten

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