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Wilhelm Leibi. Mädchen am Fenster. 1899

Wallraf-Richartz-Museum, Köln

Kunst: rein durch die malerische Behandlung, sonst
aber in absoluter Treue der Natur und Wirklichkeit
gegenüber einen an sich belanglosen, meistens auch
der Stimmung entratenden Stoff in eine höhere Sphäre
zu rücken.

Leibi für den Impressionismus in Anspruch zu neh-
men, wie es wohl geschah, geht nicht an. Er verhielt
sich eher ablehnend zu ihm, jedenfalls ließ er sich
weder durch ihn noch durch eine andere Richtung be-
irren. Was er in seiner Frühzeit gab an Malerei im
buchstäblichen Sinn, nennt Waldmann .,alleredelste
Münchner Atelierkultur'"; er meint damit die bezau-
bernde Tonschönheit und man kann es gelten lassen,

wenn man Leibi zubilligt, daß er in der weiteren Ent-
wicklung seiner Kunst über die Oberflächenmalerei
hinauskam und sich Holbein und dem Delfter Ver-
meer näherte, was Waldmann auch zugibt. Sodann
aber, daß seine Kunst nicht bei der Malerei endete,
sondern in eine Seelenhaftigkeit mündete, die sich
zwar nicht aufdrängt, aber in ihrer Zurückhaltung
nur um so vornehmer und nobler ist: es ist jene Art
von malerischer Seelenhaftigkeit. für die man auch
Charaktermalerei sagen kann.

Aus: Georg Jacob Wolf „Leibi und sein Kreis",
Verlag F. Bruckmann KG., München.

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