Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 3.1892

Page: 25
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kg-zs-innendekoration1892/0036
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile



Erscheint

hall'jäl,rl;ck NIk 9 —




Die mit » versehenen Illustrationen find
Drigmalzeichnungen und stehen unseren
Abonnenten zur Verwerthung frei.

Verbreitet in allen Aulturstaaten. — Vertreter in Leipzig: Eduard Schmidt,
(Querstraße z;.— Erhältlich durch jede Buchhandlung des In- und Auslandes.—
Nachdruck nur mit besonderer Erlaubnis; und (Quellenangabe gestattet.

Kleinere Beträge sind stets vorauszube-
zahlen. Einzelne Hefte kosten Akk. ;.so.
Telegramm-Adr.: Verlag Koch. Darmstadt.

III. Jahrgang. Darmstadt, im Februar 1892. Februar-Heft.


Kaufes schbulte Zierde. ^

Von Ida Barber.

un-

i s ist oft nicht
interessant, mit kri-
tischem Blick zu
prüfen, wie es in den verschie-
denen Häusern zugeht, wie die
grauen da ihres Amtes als
Vorsteherin des Hauses wal-
ten, in welcher Weise sich
ihre Geschmacksrichtung, ihr
Wissen und Können bethätigt.
Es gibt reiche, mit dem Aufgebote aller Kunst zu-
sammengestellte Haushaltungen, in denen uns eine er-
schreckende Kälte, Kngemüthlichkeit, Steifheit anweht;
man bewundert wohl die herrlichen Malereien und
Skulpturen, die prachtvollen orientalischen Teppiche, die sein
geschnitzten Möbel, aber so recht mollig sitzt es sich in ihnen
"icht; andrerseits macht uns manche ganz einfach gehaltene Einrichtung
den Eindruck des Urgemüthlichen; es gibt da keine kostbaren Gemälde,
keine stilvollen Etageren, keine Venctianer Spiegel, aber wir entbehren,
selbst wenn wir an derartigen Luxus gewöhnt sind, das Alles nicht;
An stiller Frieden, eine traute Gemächlichkeit scheint in diesen Räumen
M walten; man kommt gern dahin, geht ungern fort und noch lange,
nachdem man sich entfernt, ist es Einem so warm und wohlig um's
k)A'z, als wäre man in einem von Engelsfittigen durchwehten Raume
Sewesen, in dem alle guten Genien heimisch. — Frägt man sich dann,
ivas diese Vorstellung in uns erzeugte, so lautet nicht selten die Ant-
wort gerade so, wie sie Dumas freilich in ganz anderer Deutung ge-
geben: „LKercKe? Is. kemicie."

)a, die Frau ist es, die dem Hause, dem einfachsten, wie dem
elegantesten seine Weihe gibt, ihm den Stempel ihres eigenen Werthes
oder Nnwerthes aufdrückt. Dichter nennen sie mit Recht „die Seele des
Hauses". — Man fühlt ihren Pulsschlag da und dort, glaubt überall
ihr Auge zu sehen, ihren Athen; wahrzunehmen. Hat die Frau Sinn
für Ordnung, Kunstverständnis;, die Eignung aus Wenigem Etwas zu
machen, die Farben harmonisch zu einen, so leistet sie im langsamen,
beschaulichen Wirken Tag für Tag mehr, als ein geschulter Dekoratör,
der, wie es in manchen Häusern Sitte ist, aus einige Stunden in jedem
Vierteljahr kommt, um nach dem Rechten zu sehen. Mehr aber noch
als durch derartig organisirende Thätigkeit, die vielleicht darin besteht,
daß sie Teppiche, Vorhänge, Nippes, Bronzen, Fayencen geschmackvoll
ordnet und gut im Stand hält, wirkt die Frau in ethischer Beziehung
durch den ihr inne wohnenden Geist, durch das sie beseelende Gemüth.
Die theuersten Goldrahmen, die kostbarsten Tafelaufsätze lassen uns kalt,
wenn wir im Salon der einer Marmorstatue gleichenden Hausfrau
gegenüber sitzen, die eitel Putz und Oberflächlichkeit ist und nicht für
jene wohlige Gemüthlichkeit zu sorgen weiß, die das Herz erwärmt und
ein geistiges Fluidum verbreitet, dessen Werth den Kern und die Quint-
essenz echter Geselligkeit bildet. Die Meisten schmücken ihr Heim und
glauben auch damit Alles für Entfaltung einer anregenden Geselligkeit
gethan zu haben. Weit gefehlt! Die j)nnen - Dekoration ist nicht mit
der Ausstellung der Möbel, mit dem Befestigen der Portieren, dem
Bilderschmuck rc. abgethan; sie liegt tiefer und will studirt sein. —
Von Kaiserin Eugenie, die bekanntlich hohen Werth darauf legte, daß
jsseder, der ihr vorgestellt wurde, einen angenehmen Eindruck zurückbe-
hielt, erzählt man, daß sie sich die Gespräche, die sie mit einflußreichen
Personen zu führen gedachte, stets vorher sorgfältig zurecht legte, stets
darauf Bedacht nehmend, was die Betreffenden interessiren könne. Per-
sonen, von denen man wußte, daß sie eitel seien, postirte sie gegenüber
einen; Spiegel, der die Wunderkrast besaß, Häßliche schön zu machen;
sie unterhielten sich da vortrefflich; bei Anderen, die sich gern reden
hörten, schlug sie ein Thema an, das ihnen geläufig war, und gab sich
den Anschein, die eifrigste Auhörerin zu sein, während sie, wie sie oft
scherzend erzählte, an ganz etwas Anderes gedacht. Die Betreffenden
loading ...