Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 3.1892

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März-Heft.

Zllustr. kunstgewerbl. Zeitschrift für Innen-Dekoration.

Seite 5f.

D-






Pr Stuhl, unser gewöhnliches und überall eingeführtes Sitzmöbel, wird meist
von Holz in allen Stilen und in allen nur erdenkbaren, zuweilen den bizarrsten
und unsinnigsten Formen hergestellt, selten in einer solchen, die das Auge befriedigen
und dem Körper wirklich zum Ausruhen dient, und es gibt wenig Stuhlformen,
von denen man sagen kann, sie sind schön, bequem und haltbar. Selbst in den
verschiedensten Provinzial- sowie Meltausstellungen wird man vergebens nach einem
wirklich guten Stuhl suchen, da in ersteren oft nur Massenprodukte, in letzteren fast
nur luxuriös ausgestattete Stühlchen zu finden sind, die mit Schnitzereien, Intarsien,
Stickereien und Malereien, feinen Drehereien und Polstern,
Schnüren, Seiden- und Plüschbezügen, Posamenterien, Fransen
und (puasten überladen, selten zu gebrauchen und nur zum
Ansehen im Lmpfangsalon bestimmt sind, dem entsprechend
auch oftmals von Hölzern (Ebenholz, Amarant usw.) herge-
stellt werden, die für den Gebrauchszweck minder dauerhaft
genannt werden müssen. — Die in den gewöhnlichen Möbel.
Magazinen vorhandenen Stühle sind oftmals, und namentlich
wenn es „geschweifte" sind, häßlich und auch recht unbequem.
Der Sitz ist zu hoch und zu breit, die Lehne
vielfach zu grade und zu hoch, und doch
darf, namentlich bei Speisezimmerstühlen,
die Lehne nicht zu hoch sein, auch müssen
die Verzierungen auf denselben, Aufsatz
und gedrehte Vasen oder dergleichen, mög-
lichst wcggelassen, oder dieselben doch so
gestaltet werden, daß es keine vorstehenden
Ecken, Kanten und Spitzen gibt, damit die Speisen servirenden
Personen nicht mit den Servirbrettern hängen bleiben, Braten
und Saucen den Speisenden auf den Frack oder die Seidenkleider
schütten, und schließlich der betreffende Stuhllieferant gezwungen
wurde, die gelieferter: Stühle zurückzunehmen und gegen andere
Zu ersetzen. Derartige Stühle werden meist in kleinen Städten
oder in Dörfern entlegener Gebirgsthäler, wo die Stuhlfabrikation
vorherrschend ist, hergestellt, und wo fast immer und immer wieder
nach alten Mustern und Modellen gearbeitet wird, wo keine Rei-
senden mit Fachzeichnungen hinkommen, wo es keine Magazine
und Schaufenster und vor Allem keine Konkurrenz gibt. — Seit
Einführung der deutschen Renaissance hat sich die Möbelindustrie
und mit ihr auch allerdings die Stuhlindustrie in Deutschland
bedeutend entwickelt, wenn auch letztere noch in beschränkter weise,
doch ist zu hoffen, daß dieselbe sich, wie alle Anzeichen deuten,

>n kürzester Zeit noch mehr heben und bessern wird. — Wenn auch
Zu stilvollen Speise-, Damen- und Herrenzimmern usw. zugleich
passende Stühle angefertigt werden, so wird man trotzdem an
denselben verschiedene Mängel und Fehler finden, die wohl hätten
vermieden werden können, wenn, wie es eigentlich sein sollte, zu
jeder Bestellung außer Zeichnungen oder Formen ein Probestuhl
gemacht worden wäre, an den: so lange geändert wird, bis der-
selbe wirklich gut und vollkommen genannt werden muß, nach
dem sollten erst die bestellten Stühle in Arbeit gegeben werden.

Einestheils wird hierdurch die Möglichkeit geboten, dem Besteller
einen fertigen Stuhl vorzuführen und spätere Vorwürfe und
etwaige Aenderungen werden vermieden, anderentheils erhält der
betreffende Tischler oder Stuhlfabrikant
Modelle in sein Geschäft, die ihn: von
unberechenbarem Nutzen werden können.

Wie schwer gute Stuhlformen zu be-
schaffen sind, das bewiesen z. B. die in
den letzten Jahren für diesen Zweck von
der Stuhlbaner-Innnng zu Rabenau in
Sachsen, dem technologischen Gewerbe-
museum in Wien und der Allgemeinen
Tischlerzeitung inBerlin ausgeschriebenen
Konkurrenzen, die geringe Theilnahme an denselben, wie
auch der mehr oder weniger glückliche Erfolg derselben,
trotzdem uns die deutsche Renaissance mit einer großen
Anzahl neuer und schöner Formen bereicherte. Leider
werden die Sitzmöbel und namentlich die Stühle der deutschen
Renaissance oftmals, in der Meinung, dies sei stilecht, recht
plump und unförmlich hergestellt, jedoch ist diese Annahme
eine irrige, dieser genannte Stil kann namentlich in den
Stuhlformcn ebenso elegant und fein sein, wie etwa der Stil
Ludwig des Sechzehnten. Das beste Maß für einen guten gepolsterten Sxeisestuhl
dürfte wie folgt sein: Sitzhöhe vorn qs, hinten Ltmtr., die Breite vorn H7,
hinten qo, die Tiefe Etmtr., die ganze Höhe der Lehne t Mtr. und die Schräg-
stellung derselben 7 Ltmtr.

In neuerer Zeit wird nun hier und da, und vorzüglich im Norden Deutsch-
lands, auch dem englischen Stile, namentlich für Schlaf- und Wohnzimmer, ge-
huldigt (worauf wir später nochmals zurückkommen (werden). Die Stühle dieses
btiles sind ganz vorzüglich, leicht herstellbar, haben originelle Formen, sind praktisch
und, was die Hauptsache ist, äußerst bequem. Ls dürften daher Besteller wie

Fabrikanten ihr Augenmerk auch auf diese Stilart lenken, der unsere Wohn-, Speise-
und Schlafzimmer in günstigster und bester weise bereichern würde. p. B.



as ^Postament.

^r^ur Blüthezeit der Griechen und Römer war die Aufstellung der Büsten auf
Säulen oder hermenartige Postamente, welche meist in Marmor ausgesührt
waren, eine allgemein gepflegte Sitte, und finden wir hier und da in Kunstgewerbe.
Museen oder auch in Privat-Anticxnitäten-Sainmlungen noch glänzende Ueberreste
solcher Arbeiten, welche von der Prachtliebe ihrer ehemaligen
Besitzer beredtes Zeugniß ablegen. In späteren Jahrhunderten
ging diese Art der Aufstellung von Dekorationsstücken fast ganz
verloren und erst Ludwig XlV. und August der Starke führten
den Gebrauch in Frankreich resp. Sachsen wieder ein, ohne daß
derselbe jedoch allgemeinere Anwendung gefunden hätte. Schon
zu dieser Zeit wurden nicht nur Büsten, sondern auch die so
schnell beliebt gewordenen Boule-Uhren und ferner große bemalte
Porzellan-Vasen auf Postamenten dekorativ verwandt. Die Ent-
würfe zu letzteren wurden meist von ersten
Architekten des Landes gezeichnet, und ent-
sprechend den kostbaren Kompositionen war
auch das Material ein werthvolles, in der
Regel wnrde Ebenholz, vielfach mit Gold
und Schildpatt-Einlagen verarbeitet, dann
aber auch Bronze und Messing. Arbeiten
ans dieser Zeit finden sich noch im Grünen
Gewölbe in Dresden, sowie in: Kunstgewerbe-Museum zu Berlin.
In neuerer Zeit, in welcher man endlich wieder begonnen hat,
der Ausschmückung der Wohnungen ein erhöhtes Interesse ent-
gegen zu bringen, ist auch das Bedürfniß nach Postamenten
wieder mehr in den Vordergrund getreten und geben mir, viel-
fach an uns gelangten Wünschen entsprechend, im vorliegenden
Heft einige Entwürfe für derartige Arbeiten. Die Zeichnungen
sind so gehalten, daß neben möglichst wenig Arbeit für Schreiner
und Drechsler doch ein gutes Aussehen erzielt wird und die An-
schaffungskosten nicht zu hohe werden. Für Liebhaber, denen die
Ausführung zu einfach erscheint, lassen sich ja löicht die Gliede-
rungen, Friese und Füllungen durch hübsche Holzbildhauer-Arbeiten,
Intarsia-Einlagen oder vermittelst sonstiger moderner Techniken
verzieren. Als Holzart dürfte Eichen vermöge seiner Schwere,
welche einen sicheren festen Stand gewährleistet, am geeignetsten sein.

Abbildungen Nr. 3l5

Postaments.

-2l9-

Verfahren zur Herstellung von Perlnrutter-
Imitation auf polirten Holzflächen.

Nach vorliegender Erfindung wird, wie Ackermann's wiener
Gewerbe-Ztg. berichtet, Perlmutter-Imitation in beliebiger Farbe
und Zusammenstellung auf polirten Holzflächen dadurch hervor-
gerufen, daß Bronzcpulver in feinstem Zustande und in verschie-
dener Mischung ohne Verwendung von Klebemitteln mit der
polirten Holzfläche verbunden wird, und zwar erfolgt diese Ver-
bindung aus fein vertheiltem Bronzepulver mit dem Grund-
material durch Aufpressen mittelst Präge-
platten, welche derart erhitzt sind, daß in
geringem Maße eine Schmelzung der äußerst
dünnen Politurschicht und ein Einpressen der
fein zertheilten feinsten Bronzexulver in
diese Schicht eintritt. Um z. B. auf Holz
schillernde Perlmutternachahmungen herzu-
stellen, wird das Holz polirt und hierauf
mittelst eines weichen Haarpinsels mit Bronze
in einer oder mehreren Farben betupft, so
lange, bis die Grundfläche das Aussehen von Perlmutter-
Imitation angenommen hat. Man verwendet hierbei ent-
weder trockene Bronzepulver oder, wenn es darauf ankommt,
das Bronzepulver fein zu vertheilen, in Wasser eingerührte
Bronze, deren Wassergehalt man vor der weiteren Verarbei-
tung verdunsten läßt. Die Holzplatte wird hierauf mittelst
einer genügend heißen Preßplatte gepreßt, so daß eine Ein-
wirkung der erhabenen Stellen der Platte auf die Politur des
Holzes stattfindct und eine innige Verbindung zwischen Bronze-
pulver und Holzfläche erzielt wird. — Erst durch die Verwendung von Bronzexulver
ist es ermöglicht, Imitationen, welche in bestimmten Farben schillern, oder auch solche
Perlmutter-Imitationen, welche nur einfarbig sind, in einfachster mechanischer Weise
zu erzeugen. — Die Perlmutter-Imitation auf polirten Holzflächen nach vorliegender
Erfindung soll besonders zur Nachahmung von Mustern oder Blumen u. dergl. dienen.
Das Bronzepulver wird den beabsichtigen Färbungen entsprechend gewählt. Durch
die Verwendung heißer Präge-Platten wird nicht nur eine Zerstörung der Politur
an denjenigen Stellen, wo das Muster erzeugt wird, hervorgerufen, sondern die
politurschicht selbst zum Haften des Bronzepulvers benutzt. —
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