Illustrirte kunstgewerbliche Zeitschrift für Innendekoration — 3.1892

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Juli-Heft.

Illustr. kunstgewerbl. Zeitschrift für Innen-Dekoration.

Seite f27.

Helegt und behängen werden soll, das wäre ebenso sinnlos, als wollte
man Alles mit Makartbouquets und Nippes vollpfropfen, — aber wie
reizend muß eine Tischplatte, die Wand eines Waschapparates, eine
Füllung in einem Schreibtisch, einem Schrank und dergleichen wirken,
wie apart ein Surport mit entsprechendem Motiv etwa in einem Damen-
zimmer zur Geltung kommen, abgesehen von der Verwendung in größerem
Format zum Schmuck von Vestibüls, Treppenhäusern, Badezimmern,
Speisesaalvertäfelungen rc. Die Verwendbarkeit ist, wie gesagt, so viel-
seitig, daß es unmöglich scheint, Alles in Frage zu ziehen; wir erinnern
nur noch an den Gebrauch zur Ausschmückung von Restaurants, Raffee's
rind feineren Läden. Rein Rauch, kein Schmutz setzt sich an den glatten
Flächen fest und wenn es dennoch nach längerem Gebrauch geschehen
sollte, so genügt eine Schale kalten Wassers, um das Bild wieder in
klassischer Reinheit erstehen zu lassen.

In der reizend gelegenen Villa des Inhabers der Wessel'schen
Porzellan- und Steingut-Fabrik, des Herrn Ludwig Wessel, hat die Er-
findung verschiedenartigste Verwendung gesunden und ersetzt dort in meh-
reren Fällen mit bestem Erfolg die kostspielige Anwendung von Marmor.

Die Vortheile gegenüber der seitherigen Rachel- und Marmorkamine
sind im Allgemeinen folgende: Verhältnißmäßig billiger Preis, vor-
züglicher dekorativer Effekt, geringes Gewicht, leichte und bequeme
Handhabung. Besonders das Abrücken der Umhüllungen behufs Rei-
nigung kann jede einzelne Person ohne fremde Beihülfe bewerkstelligen.
Doch genug,
wohl in je-
der größeren
Stadt des
In- u. Aus-
landes wer-
den sich bald
^diesbezüg-
lichen Ge-
schäften die
mannigfal-
ligsten Pro-
ben des be-
sprochenen
Erzeugnis-'
ses ausge-
stellt finden.

Für Inter-
essenten be-
merken wir,
daß zunächst

die Niederlagen der Wessel'schen Fabrik in Bonn, Köln, Berlin, Ham-
burg, ferner die Finnen Hausleiter A Eisenbeis in Frankfurt und
Nürnberg, I. F. P. Hausleiter, München, und Paul Rretschmann,
Leipzig, den Vertrieb übernommen zu haben und in der Lage sind,
genauere Auskunft zu ertheilen. Patentschutz ist bereits in allen
Ländern angemeldet. Die Preise für den eigenartigen und dauerhaften
Schmuck sind äußerst solide und auch für geringere Mittel erschwing-
lich, es richten sich dieselben natürlich nach dem künstlerischen Werth
der Malerei und dem Zeitaufwand, welchen letztere zur Herstellung
erfordert. — Und so wünschen wir nochmals, daß sich das Welb-
Wessel'sche Erzeugniß überall Freunde und Bewunderer erringen,
und einen neuen glänzenden Beweis für deutsche Kunst und deutschen
Runstgewerbefleiß im In- und Ausland geben möge.

"Mischen und geheime Mäume.

Vertiefte Wandschränke kommen bei manchen Neubauten, beson-
ders im Bau für Sommer- und Winter-Landhäuser (Villen) wieder
ullenthalben in Ausnahme; sie bedingen ein eigenthümliches Arrange-
ment des Mauerwerkes, welches jedoch die Rosten des Baues nicht
übermäßig vertheuern darf; auch sollen hierdurch die Verbindungen
und Räumlichkeiten an und für sich nicht beeinträchtigt und beschränkt
werden. Ohne stellenweise doppelte Mauerführung ist es, wenn man
nicht allerwegs sehr dicke Mauern machen will — (was gegenwärtig
uus pekuniären Gründen nicht so leicht Vorkommen dürfte) — ziemlich

Abbildung Nr. 388. Mittel- und Settenstücke zu nebenstehender; Heizkörper;-Umhüllung nach System welb.

schwierig, solche Anordnungen zu treffen. In alten Häusern benutzt
man dazu Mauernischen, Mauerauslassungen, überflüssige Thüren oder
Fenster rc.; man erspart dadurch, daß man in diesen Räumen Gebrauchs-
möbel unterbringt, oder sie gleich direkt als Schränke benutzt; auf diese
Weise gewinnt man in den Wohnräumen Plätze für schöne Luxusmöbel,
Bilder, Statuen rc. und erreicht somit auf bequeme Art ein vornehmes
Arrangement der Einrichtung.

Wir fügen dem noch hinzu, daß solche ungeahnte Räume, weil
geheim, sich besonders für Aufbewahrungsorte von Werthsachen eignen,
die bei Landwohnungen insbesondere vortheilhaft sind. Es ist wichtig,
daß man für alle Fälle einen seuer- und einbruchssicheren Ort hat, wo
man seine Habe bergen kann. Solche Nischen oder Kammern ließen
sich am Besten in Monier-Syfftem ausführen, welches hierzu alle erfor-
derlichen Eigenschaften besitzt und wie solche Räume speziell zur Auf-
bewahrung von Geld, Pretiosen und Dokumente heute nicht nur in den
großen Bauten Amerikas, sondern derlei „öffentliche Anstalten für Auf-
bewahrung" in Monier-System auch schon vielerorten errichtet wurden.

In den meisten modernen Häusern mit ihren beschränkten Verhält-
nissen ist es oft schon von Anbeginn aus Platzmangel sehr schwierig,
solche kleine Nebenräums zu schaffen, besonders bei französischem Bau-
s-ystem; in englischen Privathäusern kommen aber solche Wandschränke
in neuerer Zeit — (denn die Engländer lieben die Bequemlichkeit sehr) —
ziemlich häufig vor. In vielen alten Bauten in Italien und selbst in

Deutschland
findet man
bei Abände-
rungen oder
Niederleg-
ungen solche
geheime
Räume. Die
Art und
Weise, wie
inan solche
Vertiefun-
gen in grö-
ßeren Ver-
hältnissen
anbringen
kann, hängt
natürlich
von den ver-
schiedensten
baulichen u.

räumlichen Umständen und Verhältnissen ab; umInur beiläufig anzu-
deuten, wie derlei oft ausgeführt wird, möge man einen Blick auf die
beigefügte schematisch-schablonäre Figur werfen.

6 ist ein beliebiger Raum, z. B. ein Salon oder
Zimmer, von welchem aus man in einen kleineren
Raum R und von da wieder in einen Raum (Zimmer)
R gelangt; von der Gesammtlänge (eventuell Breite)
ist in R bei k und in R bei a ein Stück abgetrennt,
und zwar durch Anbringung doppelten Mauerwerks
(wobei die eine Mauer bedeutend schwächer dimensio-
nirt sein kann) oder durch Bretterwand; der kleine Raum « ist von
A aus, der kleine Raum b von R oder von <7 aus zu benutzen; event.
sind beide kleine Räume von Gemächern, welche bei V sich befinden,
zu erreichen, je nach Bedarf, Bequemlichkeit oder baulicher Nothwen-
digkeit; Mittelmauern, welche ohnedies oft wegen der Feuerungszüge
eine ziemliche Stärke erhalten müssen, werden gleichfalls mittels soge-
nannter „Auslassungen" zur Wandschränke-Nnterbringung herangezogen.
Diese Anlagen erhöhen die Annehmlichkeit einer Wohnung bedeutend
und verdienen weiteste Verbreitung. w. B-,ui„d,-Ztg.

Ir bitten, unsere Zeitschrift in Lreundes- und Bekanntenkreisen
geneigtest empfehlen zu wollen.

Scsiriftkeitung und Keschäftsstelks der
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