Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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Karl Brühler: Die Tapete und das Elsass.

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Damals war diese Maschine eine warm
begrüsste Neuheit ; gegenüber unseren
modernen Maschinen ist sie eine arm-
selige Einrichtung. Eine mit Drahttuch be-
spannte Trommel, in einem steinernen
Zeugtrog gelagert, nahm aus diesem das
Zeug auf; hölzerne Walzen, in hölzernen
Rahmen ruhend, führten den Nassfilz mit
der frisch gebildeten Papierbahn unter
Druckwalzen durch. Die noch wenig zu-

sammenhängende Bahn wickelte sich dann
auf einen Haspel von 2 Meter Umfang
auf. Sobald der Haspel voll war, schnitt
man die Lagen quer durch und hing die
Bogen von 2 Meter Länge zum Trocknen
auf Schnüre.

Mit Rücksicht auf die vom Rixheimer
Hause betriebene Tapetenfabrik war es
nun geboten, Rollenpapier in möglichst
langen Bahnen herzustellen. Nach vielen
vergeblichen Versuchen gelang es endlich
eine zweckentsprechende Vorrichtung zu
schaffen, um Bogen von 40-60 Meter Länge
herzustellen. Die Wichtigkeit der Papier-

maschine für die Tapetenmanufaktur be-
darf kaum eines weiteren Hinweises. Was
aber gerade für die rasche Entwicklung
dieses Industriezweiges im Elsass epoche-
machend war, ist die schon vorhin gestreifte
Thatsache, dass Ende des vorigen Jahrhun-
derts Jean Zuber schon Kupferwalzen mit
verlieft eingravirten Mustern zur Anfertig-
ung von Papiertapeten benutzte. Zuber
hatte diese Technik in der Zeugdruckerei
mit Erfolg bereits angewendet und einfach
auf die Tapetenfabrikation übertragen.
Dazu kam dann nicht lange später, dass
die vertieft gravirten Kupferplatten in
Walzen umgewandelt wurden.

Wenn nun die Tapetenfabrikation eine
Zeit lang in Elsass nicht gleichen Schritt
mit der Kattundruckerei halten konnte, so
war dieses Zurückbleiben vorwiegend
durch Schwierigkeiten technischer Art ver-
anlasst. Das indische Kunstgewerbe machte
eine Zeit lang seinen Einfluss auch auf
das Elsass geltend. Die schlichten indi-
schen Baumwollgewebe erhalten bekannt-
lich reicheren Schmuck durch den Druck.
Und als England und Holland gelungene
Imitationen indischer Gewebe und ihrer
Dekorationsweise zu erzeugen begannen,
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