Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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Abb. 19. — Bronzestatuetten im Museum der Stadt Met/..

PAS MUSEUM PER 5TAPT METZ'

Von J. B. KEUNB, Direotor des Museums.
(Hierzu die Abbildungen i—40.)

flicht selten begegnet mir das Miss-
geschick, dass man mich fragt: « Giebt es
hier in Metz ein Museum; wo liegt das
denn eigentlich? » Solche Anfragen pflege
ich folgendermassen zu beantworten :
« Allerdings giebt es in Metz ein Museum,
ein Museum mit reichhaltigen Sammlungen,
welche auch Ihres hohen Besuches in
hohem Grade würdig sind. Wo es aber
liegt, will ich Ihnen genau angeben. Als
gebildeter Mensch kennen Sie doch gewiss
das städtische Leihhaus, den « Mont de
Piete? » — « Jawohl ». — « Dieser für die
Kulturgeschichte der Menschheit hoch-
wichtigen Stätte just gegenüber liegt das
städtische Museum. »

Freilich muss ich, um Missdeutungen
vorzubeugen, die Warnung anfügen, dass
man nicht etwa das dem neuen Leihhaus
der Stadt Metz gegenüber gelegene Ge-
häuse, dessen Fenster grossenteils, — wie
ein alter Schriftsteller sich ausdrückt —
dem Sankt Nichtglas geweiht sind, für
das eigentliche, berufene Museum ver-

1 Die Entwicklung der einzelnen Sammlun-
gen habe ich behandelt im «Jahrbuch der Gesell-
schaft für lothringische Geschichte und Altertums-
kunde», Band XII, S. 346 ff., wo auch die Litteratur
angegeben ist.

sieht. Wohl ist auch dieser Bau, in dem
früher die städtische Leihanstalt und Spar-
kasse untergebracht waren, vorläufig zu
Museumszwecken herangezogen, indem
ein Teil seiner Räume vornehmlich als
Magazine oder Arbeitszimmer dient, allein
die von vorne herein zur Aufnahme und
Ausstellung der Sammlungen gebauten
und eingerichteten Säle sind von aussen
überhaupt nicht sichtbar. Es sind dies ein
längerer, 1869-1870 erbauter und 1872 den
Besuchern geöffneter Flügel, und ein
kurzer, erst jüngst angefügter Querflügel,
welche insgesamt — ausser verschiedenen
Nebenräumen — im Unterstock eine grosse
Halle und einen Saal, im Oberstock vier
Oberlichtsäle umfassen. Allein diese Räume
sind auch im Verein mit den alten, zur
Aufstellung der Sammlungen noch immer
mit verwendeten Sälen und Zimmern
durchaus unzulänglich, und war auch von
jeher der Ausbau zu einem Viereck mit
Binnenhof beabsichtigt. Denn schon der
von dem Stadtbaumeister Demoget in den
sechziger Jahren entworfene Plan eines
Museumsbaues sah die umfassende Er-
gänzung des von ihm 1869/70 ausge-
führten Flügels vor, und nachdem die
Angelegenheit offenbar infolge der poli-
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