Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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Das Museum der Stadt Metz.

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tischen Wandelungen zunächst zum Still-
stand gekommen, hat im Jahre 1886 der
damalige Gemeinderat den Umbau und
die Erweiterung des Museums mit Ein-
beziehung der vom alten Leihhaus ein-
genommenen Baufläche genehmigt und
Geldmittel zur Ausführung bewilligt.
Jedoch zur Ausführung kam es nicht, bis
endlich im Jahre 1899 der jetzige Gemein-
derat einen entschiedenen Schritt zur Be-
seitigung des unerträglichen Platzmangels
that und zunächst den Anbau des er-
wähnten, nunmehr fertiggestellten kleinen
Querflügels genehmigte. Inzwischen hatte
sich aber überhaupt in den Geschicken des
Museums eine Wandelung vollzogen,
welche einen neuen, wichtigen Abschnitt
für die Entwicklung desselben bedeutet.
Denn dank dem einsichtigen Entschluss
des Gemeinderates war das Museum,
welches bisher des missachteten Aschen-
brödels Los geteilt, zu einem selbständigen
Institut erhoben und damit mündig ge-
worden : während nämlich vorher die ver-
schiedenen Sammlungen von mehreren
Konservatoren im Ehren- oder Nebenamt
verwaltet worden waren oder auch einer
Verwaltung zeitweise überhaupt entbehren
mussten, wurde 1899 das Amt eines Vor-
standes des gesamten Museums geschaffen,
und an die Stelle der für Museumszwecke
bestimmten unzureichenden und unzweck-
mässig verteilten Geldmittel trat ein, wenn
auch bescheidener, so doch bedeutend
erhöhter, geregelter Jahreshaushalt. Auch

wurden für besondere Zwecke, wie bau-
liche Besserungen, neues Ausstellungs-
mobiliar u. s. w. nicht unerhebliche Geld-
mittel bewilligt. Da nun aber auch die
Notwendigkeit der fortgesetzten Erweiter-
ung des Museums anerkannt und die Aus-
führung des Weiterbaues nur noch ab-
hängig ist von der baldigen Lösung der
Frage, inwieweit das deutsche Thor und
das anstossende Gelände den Zwecken
des Museums dienstbar gemacht werden
kann, so darf erwartet werden, dass in
nicht allzulanger Zeit dem Platzmangel
abgeholfen ist, und dass damit auch die
Nichtachtung des Museums schwindet,
welcher man in Metz so vielfach begegnet.
Denn solange die zahlreichen und wert-
vollen Fundstücke und Kunstgegenstände
in unzulänglichen und ungeeigneten Räum-
lichkeiten untergebracht sind, ist eine
würdige und wirksame Aufstellung der-
selben ausgeschlossen, und auch eine plan-
mässige Anordnung lässt sich nicht durch-
führen. Von der Unterbringung und Auf-
stellung der Bestände ist indessen der
Besuch und das Interesse der Besucher
wesentlich abhängig. Ehe es aber möglich
ist, durch eine wirksame Aufstellung die
Gleichgiltigkeit der Mehrzahl zu bekämpfen,
muss mit anderen Waffen gefochten werden,
und so soll denn auch hier der Versuch
gemacht werden, mit Hilfe von Abbild-
ungen aus dem Museum auf die Wich-
tigkeit seiner Sammlungen hinzuweisen.
ilDieses Mittel, sich bemerkbar zu machen,

Abb. 20. — Bruchstück eines Grabdenkmals aus römischer Zeit, gefunden 1822 zu Metz (Citadelle).
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