Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 1.1900-1901

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Das Museum der Stadt Metz

unterstützt durch einen jährlichen (im vorigen
Geschäftsjahr um die Hälfte gekürzten)
Zuschuss der Regierung, seit etwa 12 Jahren
angekauft, und so sind in der Sammlung
jetzt auch unter anderem vertreten: Maria
Cornelius zu Strassburg i. E. (Stilleben);
Christian Mali in München („Erinnerung an
Tirol"); Fritz Rabending in Karlsruhe (Der
Gepatsch-Gletscher in Tirol); Eugen Bracht
in Berlin („Durch die Haide", Abb. in
„Deutsche Kunst" III, 7, 1899, S. 128);
Hermann Hendrich zu Berlin („Zauber-
licht"); Fery zu München („In Minnesota");
Edmund Louyotzu München („Verfängliche
Frage"); K. W. Diefenbach in München
(Sterbender Christus); Hermine von Preu-
schen in Rom (Tizians Braut auf der Toten-
gondel); Edmund Blume in München („Ein
Opfer des Strikes"); Wilhelm Marc zu Neu-
Pasing bei München (Prozession); Prof. E.
Neumann zu Cassel (Kriegsschiffe auf hoher
See). Ausserdem wurden in neuerer Zeit
angekauft ein Gemälde des Brüsseler Ma-
lers Seeldrayers (Egmonts Familie nach
dessen Hinrichtung); ein Gemälde („Hafen
von Bordeaux") des zu Jouy-aux-Arches
bei Metz geborenen, in Paris verstorbenen
Aug. Flameng; ein Aquarell („Rast in der
Wüste") von A. Birck zu Cairo (geb. zu
Metz) und die bereits erwähnten, von Fe-
derzeichnungen begleiteten Radierungen
von Emile Boilvin (geb. zu Metz 1845, ge-
storben 1898 zu Paris): „Die Bücherfreunde *
(Les bibliophiles) nach Fortuny und „Gene-
rale im Schnee" (Generaux dans la neige)
nach Meissonier.

Schliesslich darf nicht vergessen
werden der Erweiterung, welche die Ge-
mäldesammlung durch die Sammlung
Migette erfuhr, wenn auch zahlreiche
andere Geschenke ungenannt bleiben
müssen. Der Maler und Zeichenlehrer
August Migette 1 hat nämlich nebst anderen
Vermächtnissen auch seine Sammlungen
der Stadt Metz in hochherziger Weise zum
Geschenk gemacht. Ausser einer Anzahl
von Kleinaltertümern umfassten diese
Sammlungen vornehmlich Gemälde und
Zeichnungen des Schenkers, welche Bege-
benheiten aus der Geschichte von Metz
vor Augen führen, und vorzügliche Zeich-
nungen lothringischer Baudenkmäler, von
denen zwei Proben, die befestigten Kirchen
von Chazelles bei Scy und von Arry

1 A. Migette, geboren zu Trier am 18. Juni
1802. Kr wirkte in Metz und starb auf seiner Villa
zu Longeville bei Metz am 30. Oktober 1884.

(beide im Landkreis Metz), hier in Abbildung
vorgelegt werden (Abb. 1 u. 14). Die ins-
gesamt — einschliesslich der von Schülern
Migette's herrührenden Zeichnungen —
über 400 Nummern zählende Sammlung
wurde im Jahre 1889 ins Museum über-
führt und in den wenig zweckmässigen
Räumen untergebracht, welche früher
(1839-1870) zur Ausstellung der städtischen
Gemäldesammlung gedient hatten. Doch
ist zu erwarten, dass in nächster Zeit
gleich anderen Raumfragen auch die
Frage der Unterbringung der Gemälde
und Zeichnungen Migette's in befriedi-
gender Weise gelöst wird.

Ausser diesen verschiedenen kunst-
geschichtlichen Sammlungen schliesst aber
das Museum der Stadt Metz auch noch
eine naturgeschichtliche Sammlung in sich.
Diese Sammlung, von Anfang an der
Zusammenstellung der naturgeschichtlichen
Schätze Lothringens vorbehalten, hat aber
im Laufe der Zeit das ganze Naturreich
in ihren Kreis gezogen und zum Zwecke
der Belehrung auch ausländische und
überseeische Tiere, Pflanzen und Mine-
ralien in jetzt teilweise überwiegender Zahl
aufgenommen. Allein ihre Aufgaben sind
dieser Zeitschrift fremd.

Ehe ich aber meine Uebersicht über
die Bestände des Museums der Stadt Metz
abschliesse, möchte ich nochmals auf deren
geschichtliche Bedeutung und künstler-
ischen Wert aufmerksam machen. Besitzt
doch das Museum eine stattliche Anzahl
von Stücken, welchen andere, grössere
Museen nichts Gleiches oder auch nur
Aehnliches zur Seite stellen können, Stücke,
welche für kultur- und kunstgeschichtliche
Fragen den Ausgangs- und Angelpunkt
bilden, Stücke endlich, von denen jedes
einzelne anderswo einen Anziehungspunkt
darstellt. Erhalten und zusammengetragen
sind diese heimischen Altertümer und
Kunstschätze durch die Opferwilligkeit
der Stadt und die hochherzige Freigebig-
keit und Mühewaltung von Privaten, Ver-
einen und Regierung. Schon diese durch
die Sammlungen verkörperte Pleimatliebe
und dieses Streben, das Schöne und Lehr-
reiche zu erhalten und allgemein nutzbar
zu machen, verdient Beachtung und An-
erkennung. Wenn nun aber dieses Streben
so schöne Früchte gezeitigt und solch
wertvolle Bestände geschaffen hat, wie
sie das Museum der Stadt Metz birgt, so
ist Missachtung gleichbedeutend mit Un-
bildung.

Für die Redaktion verantwortlich : Prof. Dr. Leitschuh in Strassburg.
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