Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

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E/sässisc/ies Zinn.

Strassburger Wüchnerinnenschussel.

zinn in Verbindung bringen konnte, haben
dazu geführt, dass man Briot Werke zu-
geschrieben hat, die bei genauerer Kennt-
nis des fraglichen Gebietes ihm vielleicht
nicht zugewiesen worden wären. Dies gilt,
wie von dem schon besprochenen Krug,
so auch von der sogenannten Mars-Schüssel
nebst der zugehörigen Kanne, die mit dem
genannten Künstler wohl nicht in Zusam-
menhang stehen, sondern als um 1600 aus
den Händen eines leider unbekannten
französischen Meisters hervorgegangene
Arbeiten zu betrachten sind1. Wir wissen
zwar genau, dass Briot ausser zu einem
«bassin» und einer «aiguiere» auch für
andere Gegenstände («vase, salliere,
qu'aultres») Gussformen geschnitten hat.
Allein wir müssen uns eben damit be-
gnügen, die beklagenswerte Thatsache
festzustellen, dass, wie diese früher so viel
umstrittenen Formen, auch die daraus ge-
wonnenen Abgüsse verloren gegangen
sind, und dürfen nicht in dem Bestreben,
ein thunlichst vollständiges Verzeichnis
von Werken Briot's zusammenzubringen,
diesem Künstler ohne wirklich vollwichtige
Gründe Edelzinnarbeiten zuschreiben.

1 von Falke im Repertorium für Kunstwissen-
schaft, XXI. Band, 6. Heft, S. 493 ff, Demiani
ebendort, XXII Band, 4. Heft, S. 3o6 ff.

nur die Temperantia-Schüssel und die
Kanne bekannt, welche mit ihr ein Ganzes
zu bilden bestimmt ist. Einerseits der
naheliegende Gedanke, dass ein Meister
von solcher Bedeutung und Kunstfertigkeit
doch mehr geschaffen haben müsse, und
andererseits wohl auch der geringe Vor-
rat an Künstlernamen, die man mit Edel-

Strassburger Zinnkrug im Nordbühm. Gewerbemuseum.
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