Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

Seite: 41
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Aus der Keramischen Abteilung der Strassburger Kunstgewerbeschule.

MfiTELALTERLICflE REILQUIARE IM ELSASS

Von Vikar JOS. M. B. CLAUSS.

J3n alten Keliquienbehältern hat das
Elsass aus früheren Zerstörungsstürmen
wenig mehr gerettet, so gross auch die
Zahl derselben im Mittelalter gewesen
sein muss. Wie unersetzlich dieser Ver-
lust für die einheimische Kunstgeschichte
ist, lehrt ein Vergleich des so spärlich
Erhaltenen mit den einst bestehenden
Goldschmiedewerkstätten im Lande, vor
allem in den Klostern der Benediktiner
zu Murbach, Weissenburg und Ebers-
heimmünster, von den späteren Haupt-
centren der Laienkunst in Strassburg und
Basel nicht zu reden. Speziell die Abtei
Ebersheimmünster glänzte gerade in der
Zeit, die uns hier beschäftigt, durch die
Kunstfertigkeit ihrer Mönche. Wir besitzen
zum Glück genaue interessante Angaben
hierüber in dem bekannten «Chronicon

Ebersheimense », die um so willkommener
sind, als so bestimmte Angaben äusserst
selten auf die elsässische Goldschmiede-
kunst ein helles Licht werfen.

Seitdem Jahre io3o, stand dem Kloster
Willo als Abt vor. Er war früher Mönch
in Murbach gewesen, von Kaiser Hein-
rich III. aber wegen seiner Kunst an den
Hof berufen worden. Als Goldschmied
scheint er in manchem der Technik seiner
Zeit voraus gewesen zu sein, und das
will viel heissen, fällt doch diese Zeit
zusammen mit dem Aufschwünge der
Goldschmiedekunst in Deutschland, vor-
züglich am Niederrhein im Anfange des
XI. Jahrhunderts (Bernward von Hildes-
heim t 1022).

Auf seine Kunstrichtung wird denn
auch die aufblühende sächsische Schule

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