Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

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C/auss •• Mittelalterliche Reliquiare im Elsass.

nicht ohne Einfluss geblieben sein. Seiner
allzugrossen Geschicklichkeit im Vergolden
verdankte er aber gerade die Entfernung
vom Hofe, seine Erhebung zum Abt und
dadurch Ebersheimmünster, wenn nicht
den Anfang, so doch die hohe Blüte seiner
Metalhverkstätte. Als nämlich die Hof-
beamten entdeckten, dass die ihnen vom
Könige geschenkten Trinkgefässe anstatt
aus massivem Golde, wie sie geglaubt,
nur aus vergoldetem Kupfer waren, warfen
sie ihren Groll auf den Mönch als Urheber
der Täuschung und ruhten nicht, bis er
entfernt war. Der Kaiser machte ihn zum
Abt von Ebersheimmünster. Hier fuhr er
rastlos fort zu arbeiten und hatte bald die
Klosterwerkstatt in die rührigste Thätig-
keit versetzt. Zwar dauerte sein Aufenthalt
nicht lange : Streitigkeiten mit seinen Un-
tergebenen vertrieben ihn angeblich. Was
aber er und seine Schüler in der kurzen
Zeit fertiggebracht, zeigt die Stelle, wo ihm
von dem Chronisten zum Vorwurf gemacht
wird, aus Habsucht eine Unmasse goldener
und silberner Geräthe nach seinem Zu-
fluchtsort Worms mitgeschleppt zu haben.

Das Wihos künstlerisches Wirken
nicht flüchtig vorübergehend war, viel-
mehr die Kunst rege fortbetrieben wurde,
trotz der in der Chronik geschilderten
inneren Zwistigkeiten, beweist der Um-
stand, dass Abt Adelgaud 1077 die Krone
seines Grossonkels des Gegenkönigs Rudolf
von Schwaben, heimlich in seinem Kloster
anfertigen lassen konnte, was doch eine
gut eingerichtete Werkstatt und geschulte
Arbeiter vorausetzen lässt. Dafür traf ihn
denn auch die Strafe der Absetzung durch
Heinrich IV., er starb in Murbach 1078.

Es ist nun sehr zu bedauern, dass
wir nichts Genaueres über diese Königs-
krone wissen. Das laut Inschrift bald nach
dem Tode (1080) gegossene Reliefbild der
Bronzegrabplatte Rudolfs im Dome zu
Merseburg (s. Literat, bei Otte «Handbuch
der kirchl. Kunstarchäol. » II. 544' zeigt
bloss einen mit Steinen und Filigran ver-
zierten Reif mit kreuzweis darüber ge-
legtem schmalen und einfachen Bügel. Ich
habe mir diesen längeren Exkurs gestattet,

weil die Nachrichten über die Kunstthätig-
keit der Mönche im Elsass bisher selbst
von einheimischen Schriftstellern fast gänz-
lich unbeachtet geblieben sind.

Wie gesagt, ist das Elsass an Reli-
quiaren aus der Zeit vor der Renaissance
sehr arm. Eine chronologische Aufzählung
der erhaltenen ist gewiss hier am Platze.

1. Reliquienherme des hl. Cyriakus
in Altdorf, U.-E., ehemalige Abtei der
Benediktiner. Aus Holz, die Gewandung
mit Silberplatten bedeckt und mit vergol-
deten Ornamentstreifen und gestanzten
romanischen und gotischen Medaillons
besetzt. Mehrfach renovirt, zuletzt 1884.
Geschenk Papst Leo's IX. an die Abtei,
eine Stiftung seines Hauses, 1049.

2. Kästchen der Kirchenfabrik Mols-
heim, U.-E., aus vergoldetem Kupfer,
0,25 m. lang und o,3o m. hoch, auf vier
Löwenfüssen. Vorn der segnende Christus
mit den Evangelisten-Symbolen; die Rück-
seite nur mit einfachem Blattwerk ge-
schmückt, auf dem Deckel unter roma-
nischen Arkaden die 12 Apostel, in den
Ecken vier sitzende schreibende Gestalten,
vermutlich die vier Kirchenlehrer. XII. Jahrh.

Es wurde 1854 von Kanonicus Straub
entdeckt und restauriert. Von dieser Wieder-
herstellung stammt der Fuss, die Pomella
auf dem Dache und die Vergoldung, was
Schricker, der das nicht wusste, zu dem
Irrtum führte, es sei «jedenfalls eine mo-
derne Arbeit».

Es ist, wie schon Woltmann aussprach
und seither zur vollen Gewissheit geworden
ist, rheinische Arbeit, speziell einem Xan-
tener Reliquiar ähnlich (s. dies abgeb. bei
Clemen, Kunstdenkmäler der Rheinpro-
vinz, 1, 130 Fig. 48). Der Unterschied
ist nur gering : hier ist der Grund durch-
brochen, die sitzenden Gestalten auf den
Ecken steifer und ohne die Gebärde des
Schreibens, auch die Dachbekrönung fehlt,
und am unteren Rande des Daches und
des Kastens läuft ringsum eine Inschrift.

3. Ostensorium in Kreuzform, der
Kirchenfabrik Kaysersberg, O.-E. In Drei-
pässen ausladend, die mit den Evange-
listensymbolen, rückseitig mit Ornamenten
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