Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

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Chr. Clericus: Über moderne Kirchenmalcrei.

anfänglichen Unbeholfenheit unzertrenn-
lichen Mängeln unterworfen gewesen, und
habe die aus der technischen UnVollkommen-
heit des Glasbrennens hervorgehende Not-
wendigkeit, die einzelnen gefärbten Glas-
stücke durch Bleinähte zu verbinden, die
Anwendung dieser Kunst nur in Räumen
von beträchtlicher Ausdehnung und Höhe
mit weiten Fensteröffnungen erlaubt, in
denen jene Verbleiungen dem Auge ent-
schwanden. Es galt also, Mittel zu finden,
durch welche das Brennen einer frei mit
dem Pinsel bemalten mehrfarbigen Glas-
scheibe möglich würde, um in grösseren,
wie in kleineren Räumen sich des Kunst-
genusses in gleichem Maasse zu versichern
und das ganze Verfahren mehr in den
Bereich wirklich künstlerischer Beschäf-
tigung zu ziehen; was man in eben dem
Maasse zu erreichen meinte, als man sich
der alten musivischen Behandlung ent-
winden würde. Das aber war ein grosser
Fehler. Denn die nach solchen Regeln
ausgeführten Glasgemälde, so glücklich
auch das Mischungsverhältnis der Farben

abgewogen und so trefflich auch die Malerei
selbst in Hinsicht auf korrekte Zeichnung
und Ausdruck sein mochte, thaten unvoll-
kommene Wirkung, zumal in der Ferne,
weil alsdann Farben und Formen gänzlich
ineinander flössen. Der Augenschein lehrte
deutlich, dass man die Sache beim un-
rechten Ende angegriffen.

Solche vergeblichen Mühen und Ent-
täuschungen würde man sich erspart haben,
wenn man das wahre Wesen der Kunst-
Traditionen und ihren eben so innigen als
notwendigen Zusammenhang mit dem Bau-
wesen stets hätte erkennen wollen. Dies
einzige Beispiel eines falschen Versuches
zur Wiedererweckung einer alten geistigen
Kraft der Kunst lehrt uns, dass es zwar
schwierig ist, den rechten Weg zu finden,
dass aber, wenn auch die staatliche Auf-
sicht an sich durchaus nicht vor groben
Verstössen zu feien vermag, doch jede,
auch die geringfügigste Restaurationsarbeit
oder Neuschöpfung für eine Kirche von
wirklich sachverständiger Seite begutachtet
und überwacht werden sollte.

Marquetterie. Von B. Hartmann in Mülhausen i. Eis.
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