Das Kunstgewerbe in Elsaß-Lothringen — 2.1901-1902

Seite: 131
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Fest-Dekoration, ausgeführt für den Architekten- und Ingenieur-Verein
in Strassburg. Von G. Daubner. «■"^«««nnnnA^iinnooArinnrt

ANTIKE BÜtiNENMALEREI

D ie moderne Bühne hat mit der rö"
mischen auch den Besitz des Vorhangs ge-
mein ; der moderne Vorhang ist allerdings in
vielen Fallen das klägliche Werk eines
E)ekorationsmalers, der in die grelle Bunt-
farbigkeit den ganzen Effekt seiner Schöpf-
ung legt. Der römische Hauptvorhang aber
War aus kostbarem Stoffe, z. B. aus Pur-
pur und mit eingewebten Figuren ge-
schmückt. So hören wir von einem Vor-
gang, an dessen Seiten Britannen in ihrer
Nationaltracht so kunstvoll angebracht
waren, dass sie den Vorhang zu halten
schienen. Der Hauptvorhang wurde, ehe
sich die Zuschauer versammelten, zur
Verdeckung der Bühne in eine speciell
hiefür angebrachte Vertiefung hinabge-
lassen und daraus nach Beendigung des
Spiels wieder emporgezogen, also gerade

in umgekehrter Weise gehandhabt, wie
auf unserer Bühne.

Eine wirkliche Dekoration wurde der
römischen Bühne ziemlich spät zu Theil.
Gaius Claudius Pulcher führte sie ein,
als er im Jahre 99 v. Chr. die Aedilität
bekleidete. Die Dekorationsmalerei muss
aber dafür auf desto höherer Stufe ge-
standen haben und namentlich in der
Wiedergabe der Perspektive trefflich ge-
wesen sein, denn es wird erzählt, auf der
Dekoration dieses Claudius seien die Ziegel
so täuschend dargestellt gewesen, dass
Raben auf dieselbe zuflogen. Auch Scaurus
brachte an seiner prachtvollen Scaena De-
koration an.

Man unterschied zwischen Fond- und
Seitendekoration.

Die erstere bestand aus einer be-
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